Französischer Ex-Kulturminister Lang wegen Epstein-Files unter Druck

Französischer Ex-Kulturminister Lang wegen Epstein-Files unter Druck

Jack Lang (l) und Jeffrey Epstein

Stand: 06.02.2026 12:56 Uhr

Die jüngst veröffentlichten Unterlagen zum Sexualstraftäter Epstein setzen auch die französische Kultur-Ikone Jack Lang unter Druck. Der ehemalige Minister hatte offenbar bis kurz vor Epsteins Verhaftung engen Kontakt zu ihm.

Cai Rienäcker

Mehr als 800-mal taucht der Name Jack – oder Jacques – Lang in den Epstein-Akten auf. Immer wieder ist in den französischen Medien ein Foto von 2019 zu sehen, das Jeffrey Epstein und Lang lächelnd vor der Glaspyramide des Louvre zeigt. Das war vier Monate vor der Verhaftung Epsteins durch das FBI.

Im französischen Fernsehen beteuert Lang, nichts von den Sexualstraftaten seines Freundes geahnt zu haben: “Als ich von den von ihm verübten schrecklichen Verbrechen gehört habe, bin ich aus allen Wolken gefallen. Wie konnte dieser so höfliche, charmante und großzügige Mann solche Abscheulichkeiten begehen! Wir haben natürlich sofort den Kontakt zu ihm abgebrochen.”

Geschäftsidee mit Zahlung “offshore”

In den Epstein-Akten haben sich bislang keine Hinweise auf ein strafbares Fehlverhalten der französischen Kultur-Ikone Lang gefunden. Doch der Kontakt zu Epstein muss phasenweise sehr eng gewesen sein.

Noch 2019 flossen rund 50.000 Euro von Epstein an einen Verein in Paris, der Lang nahe stand. Man traf sich in Paris, Avignon oder Marokko.

2015 schlugen Lang und seine Frau Monique dem New Yorker Multimillionär Epstein vor, die Villa eines Bekannten in Marrakesch zu kaufen. Als Preis nannten sie mehr als fünf Millionen Euro “offshore”, was immer damit genau gemeint war.

Lang sagt heute, das Haus habe er nicht gesehen, das Dokument nicht gelesen. Er habe lediglich Freunden einen Dienst erwiesen. Er habe “niemals einen Cent” von Epstein bekommen, auch seine Tochter Caroline nicht.

Die Tochter – ein Teil der Familie

Die Verbindung von Langs Tochter zu Epstein jedoch war ebenfalls eng. 2014 lieh der US-Amerikaner Caroline sein Haus in Palm Beach in Florida. In einer Mail bezeichnete Epstein sie als Teil der Familie.

Zwei Jahre später gründeten Epstein und Caroline Lang ein Offshore-Unternehmen auf den Jungferninseln. Und in einem Testament, das Epstein zwei Tage vor seinem Tod anfertigte, sprach er Caroline Lang fünf Millionen Euro zu.

Die Französin beteuert im Infosender France Info, erst vor wenigen Tagen davon erfahren zu haben: “Ich habe davon nie etwas gehört. Die amerikanische Justiz oder Anwälte haben mich nie kontaktiert, um mich über das Testament zu informieren. Ich war total überrascht.”

Inzwischen ist die 64-jährige Caroline Lang von ehrenamtlichen Kultur-Ämtern zurückgetreten. Und auch auf ihren Vater wächst der Druck, seinen Präsidentenposten an der international renommierten Pariser Kultureinrichtung “Institut du monde arabe” abzugeben.

Selbst Olivier Faure, der aktuelle Parteichef der Sozialisten, für die Lang eine Vielzahl von politischen Mandaten innehatte, legte ihm den Rücktritt nahe. Die extreme Linke im französischen Parlament fordert bereits einen Untersuchungsausschuss zu den Epstein-Akten.

Auch Le Pen wird erwähnt

Denn es gibt noch andere Auffälligkeiten in den Epstein-Files. Auch die Rechtspopulistin Marine Le Pen wird dort 68-mal erwähnt. Es geht unter anderem um die Finanzierung ihrer Partei, die damals noch unter dem Namen Front National firmierte.

Dazu gab es Kontakte zwischen Epstein, dem Trump-Berater Steve Bannon und Le Pens früherem Lebensgefährten Louis Aliot. Auch russische Kredite für Le Pens Partei werden erwähnt.

Jean-Philippe Tanguy, Abgeordneter von Le Pens Rassemblement-National, spielte die Kontakte seiner Partei zu Epsteins Umgebung herunter. Seine Partei werde in den Dokumenten zum Fall Epstein wie in einer Presseschau aufgeführt.

Auch hier geht es nicht um strafbare Handlungen, aber um politisch unangenehme Vorgänge, die durch die Epstein-Akten auch in Frankreich ans Licht kommen.

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