Der französische Rechnungshof übt scharfe Kritik am Sicherheitskonzept des Louvre. Wichtige Empfehlungen seien jahrelang nicht umgesetzt worden. Für die Sicherheit wurde nur ein Bruchteil des Budgets verwendet.
Der Pariser Louvre sollte nach Ansicht des französischen Rechnungshofs seine Mittel effizienter nutzen und mehr Geld für die Sicherheit und die Renovierung des Museums bereitstellen. In den Jahren 2018 bis 2024 habe das weltberühmte Museum sich besonders um öffentlichkeitswirksame Maßnahmen gekümmert. Technische Installationen etwa zur Sicherheit sowie die Erhaltung und Renovierung der Gebäude wären dahinter zurückgetreten.
“Der Diebstahl der Kronjuwelen ist ein starkes Alarmsignal für die viel zu langsame Renovierung der Sicherheitseinrichtungen des Museums”, sagte der Präsident des Rechnungshofs, Pierre Moscovici. Die Investitionen in den Schutz der Kunstwerke seien jedoch unerlässlich, um den dauerhaften Betrieb des Museums sicherzustellen.
Der nun vorgestellte Bericht war bereits vor dem Einbruch Mitte Oktober erstellt worden. Moscovici verwies jedoch auch auf eine Sicherheitsprüfung zwischen 2015 und 2017, die auf zahlreiche Missstände aufmerksam gemacht hatte. Die damals ausgesprochenen Empfehlungen seien jedoch noch immer nicht umgesetzt worden.
Mehr als 100 Millionen Euro für Kunst
Der Bericht des Rechnungshofes, der in Teilen schon vorab veröffentlicht worden war, umfasst den Zeitraum zwischen 2018 und 2024. In dieser Zeit habe das Museum nur etwa drei Millionen Euro für Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben – erforderlich seien insgesamt 83 Millionen Euro.
Für die Instandhaltung gab das Museum etwa 27 Millionen Euro aus, für Restaurierungsarbeiten waren es 60 Millionen Euro. Für die Anschaffung von insgesamt 2.754 Kunstwerken hingegen standen den Angaben zufolge 105 Millionen Euro zur Verfügung. Nicht einmal jedes vierte dieser Werke sei überhaupt ausgestellt worden. Die Museumsleitung habe “falsche Prioritäten” gesetzt, resümiert der Rechnungshof.
Der Louvre erklärte, den meisten Empfehlungen des Berichtes Folge leisten zu wollen. Frankreichs Kulturministerin Rachida Dati hatte bereits angekündigt, noch in diesem Jahr neue Sicherheitsmaßnahmen einrichten zu lassen.
Louvre soll neuen Eingang erhalten
Der Rechnungshof äußerte sich auch zu den Plänen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, das Museum tiefgreifend umzugestalten. Demnach soll das Museum unter anderem einen neuen Eingang bekommen, da die Glaspyramide im Hof des Louvre den Besucherzahlen nicht mehr gewachsen ist. Zudem soll die Mona Lisa von Leonardo da Vinci in einem eigenen Raum ausgestellt werden, der auch unabhängig vom Rest des Museums besucht werden kann.
Nach Einschätzung des Rechnungshofes werden die geplanten Umbauten mindestens 1,1 Milliarden Euro kosten, deutlich mehr als die bis zu 800 Millionen, die der Elysée-Palast bislang veranschlagt hatte.
Die bei dem Louvre-Diebstahl entwendeten Kronjuwelen im Materialwert von 88 Millionen Euro sind bislang weiter unauffindbar. Derzeit sind drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 34 und 39 Jahren in Untersuchungshaft. Die Männer sollen direkt an dem Diebstahl beteiligt gewesen sei, die Frau ist die Partnerin eines von ihnen.
