Folgen der US-Zölle: Wie groß der Schaden für die deutsche Wirtschaft ist

Folgen der US-Zölle: Wie groß der Schaden für die deutsche Wirtschaft ist

Trucks und Container im Hafen von Los Angeles, USA.

Stand: 16.01.2026 13:07 Uhr

Die teils eklatanten US-Importzölle schaden der deutschen Wirtschaft massiv. Wirtschaftsforscher haben ausgerechnet, wie groß die Einbußen bereits ist. Sind Handelsabkommen mit anderen Ländern ein Ausweg?

Das erste Jahr der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump stand ganz im Zeichen einer harten Zollpolitik. Die hat auch Deutschland getroffen – und so fällt die Bilanz des Münchner ifo-Instituts entsprechend düster aus. “Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft”, sagt Lisandra Flach, Leiterin des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft.

Deutsche Exporte zuletzt eingebrochen

Simulationen des Wirtschaftsforschungsinstituts zeigten, dass eine fortgesetzte Abschottung der USA in der Handelspolitik die deutsche Wirtschaftsleistung dauerhaft um rund 0,13 Prozent verringere. “Das klingt wenig. Ist aber viel, weil die deutsche Wirtschaft Jahre des Schrumpfens hinter sich hat”, so Flach.

Außerdem sind die Geschäfte auf dem wichtigsten Exportmarkt der Deutschen zuletzt immer schlechter gelaufen: Gingen 2024 laut Statistischem Bundesamt Waren im Wert von rund 161 Milliarden Euro aus Deutschland in die USA, sind die Exporte im vergangenen Jahr eingebrochen. Sie lagen nach aktuellen Zahlen im November fast ein Viertel unter Vorjahresniveau.

Autobranche und Maschinenbau betroffen

Laut ifo-Institut dürften die US-Zölle das deutsche Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr um 0,3 Prozentpunkte gedämpft haben. Dieses Jahr könnten es sogar 0,6 Prozentpunkte sein. Auch das hört sich nicht gravierend an, entspricht aber etwa dem Effekt, den sich das ifo-Institut erwartet von dem riesigen Investitionspaket der Bundesregierung für Infrastruktur und Verteidigung sowie von der geplanten Entlastung der Wirtschaft.

Mittelfristig dürften die Exporte in die USA nach ifo-Schätzung um 15 Prozent sinken. Besonders betroffen sind davon Kernbranchen der deutschen Industrie: “Sechzig Prozent der deutschen Exporte in die USA entfallen auf Autos, Maschinen und Pharma”, sagt Flach.

Deal der EU-Kommission erntet Kritik

Derzeit schlagen die USA für die meisten Produkte aus der Europäischen Union einen allgemeinen Importzoll von 15 Prozent auf. Beispielsweise für Stahl und Produkte aus und mit Stahl werden aber 50 Prozent fällig.

Die Zollvereinbarung, die die EU-Kommission im vergangenen Jahr mit den Vereinigten Staaten abgeschlossen hat, wird von vielen Fachleuten kritisiert. Sie möge zwar Schlimmeres abgewendet haben, gleichzeitig habe Brüssel aber weitreichende Zugeständnisse gemacht – etwa den zollfreien Import von amerikanischen Autos nach Europa.

Chance in neuen Handelsabkommen

Experten fordern seit Monaten, die EU müsse jetzt schnell neue Handelsabkommen mit anderen Ländern und Regionen der Erde schließen. Die Unterzeichnung des Handelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Staaten bezeichnet das ifo-Institut denn auch als wichtigen ersten Schritt.

Würden schnell weitere Schritte folgen, sehen die Münchner Forscher große Chancen für die deutsche Wirtschaft: So hat eine Studie des ifo-Instituts im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ergeben, dass neue Freihandelsabkommen mit sieben wichtigen Handelspartnern die negativen Effekte der US-Zollpolitik nicht nur ausgleichen, sondern sogar überkompensieren könnten.

Die deutschen Exporte könnte dann trotz der US-Zölle um bis zu 4,1 Prozent wachsen, rechnen die Münchner vor. Dies dürfte aber keine einfache Aufgabe sein, denn der Abschluss solcher Abkommen kann sich viele Jahre hinziehen.

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