Fast 800 Lufthansa-Flüge wegen Streiks gestrichen

Fast 800 Lufthansa-Flüge wegen Streiks gestrichen

Passagier läuft am Flughafen Frankfurt an Anzeigetafel vorbei

Stand: 12.02.2026 19:11 Uhr

Wegen des Streiks der Piloten und des Kabinenpersonals hat die Lufthansa Hunderte Flüge gestrichen. Ab Freitag soll wieder alles nach Plan laufen – doch das Cockpitpersonal droht schon mit dem nächsten Arbeitskampf.

Im Kampf um höhere Altersversorgung und bessere Tarifverträge haben Pilotinnen und Piloten und das Kabinenpersonal von Lufthansa heute die Arbeit niedergelegt. Die Airline musste fast 800 Verbindungen annullieren. “Der Arbeitskampf trifft die Passagiere extrem hart und unverhältnismäßig”, kritisierte die Lufthansa. Rund 100.000 Fluggäste seien betroffen.

Sowohl die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) als auch die Gewerkschaft UFO für das Kabinenpersonal hatten zu einem ganztägigen Streik aufgerufen.

Ganz Deutschland betroffen

In Frankfurt, Berlin, Hamburg und Düsseldorf fielen ab dem frühen Morgen fast alle Flüge aus. Allein in Frankfurt waren 450 von 1.117 geplanten Verbindungen betroffen. In München wurden von 920 geplanten Flügen 275 gestrichen.

Die Lufthansa wies darauf hin, dass bei den nicht bestreikten Töchtern Eurowings, Discover und City Airlines rund 400 Flüge stattgefunden haben. Eurowings hatte zudem Zusatzflüge von Düsseldorf und Hamburg nach München angeboten.

Umbuchungen auf Eurowings und DB möglich

Flugreisende wurden gebeten, sich digital über den Status ihrer Flüge zu informieren und nicht ohne Prüfung zum Airport zu fahren. Die Lufthansa hatte angekündigt, im großen Umfang elektronische Umbuchungen anzubieten.

Im Falle einer Annullierung sollen Passagiere mit hinterlegter Mobilfunknummer automatisch eine Benachrichtigung mit einer alternativen Reisemöglichkeit – wie durch die nicht bestreikte Tochter Eurowings – erhalten. Innerdeutsch reisende Gäste können die Deutsche Bahn nutzen.

Der Ausstand soll noch bis Mitternacht andauern. Man rechne damit, dass der Flugverkehr morgen wieder planmäßig läuft, teilte die Lufthansa mit.

Flugreisende mussten heute viel Geduld mitbringen.

“Einfach nur nackte Blockade”

Die UFO will mit dem Streik bessere Arbeitsbedingungen und einen längeren Kündigungsschutz für das Kabinenpersonal bei der Kernmarke Lufthansa erreichen. Bei der mittelfristig vor der Schließung stehenden Tochter Lufthansa Cityline wolle man mit dem Management über einen Sozialplan reden, damit die Beschäftigten eine Zukunftsperspektive hätten, sagte UFO-Tarifexperte Harry Jaeger. “Da gab es null Gespräche bisher, da ist einfach nur nackte Blockade.”

Der VC-Präsident sagte, man habe sich zum Streiktermin nicht mit der UFO abgestimmt. Die Pilotinnen und Piloten fordern für die rund 5.000 Cockpit-Beschäftigten höhere Beiträge zur Betriebsrente. Das Management lehnt das wegen hoher Kosten und geringer Profitabilität der Premium-Fluglinie ab. “Wir können eine Top-Versorgung nicht einfach nochmal verdoppeln”, sagte Vorstand Niggemann jüngst. Die Altersvorsorge betrage derzeit rund 8.400 Euro pro Monat.

“Kollektives Betteln machen wir nicht”

Die VC hat nach eigenen Angaben ihre Forderungen reduziert, ohne dass die Lufthansa reagiert hätte. “Erstmal muss die Lufthansa sich dazu entscheiden, uns ein Angebot vorzulegen”, sagte Piloten-Vertreter Pinheiro. Die VC habe als Gewerkschaft wenig andere Mittel als Streiks. “Ohne Arbeitskampf wäre das kollektives Betteln – und das machen wir nicht.”

Pinheiro schloss weitere Streiks für höhere Betriebsrenten nicht aus. “Als Gewerkschaft haben wir nicht viele Mittel außer dem Arbeitskampf. Wenn es kein Angebot gibt, dreht sich die Eskalationsspirale immer weiter.”

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *