Exil-Iraner in Deutschland: Wenn Hoffnung und Sorgen aufeinandertreffen

Exil-Iraner in Deutschland: Wenn Hoffnung und Sorgen aufeinandertreffen

Teilnehmer halten bei einer Demonstration in Köln Schilder und Fahnen zur Unterstützung der Proteste im Iran. (Archivbild: 17.01.2026)

Stand: 03.03.2026 • 12:42 Uhr

Der Kriegsausbruch in Nahost bewegt Exil-Iraner in Deutschland. Viele sorgen sich um Familie und Freunde, die ein Land in Aufruhr erleben. Und sie treibt eine Frage um: Was bringt die Zukunft?

Anahita Redisiu muss schlucken, als sie die Sprachnachricht ihrer Freundin aus dem Iran abspielt. “Sie erzählt, dass die Menschen in ihrem Viertel auf der Straße sind und sich freuen, dass Chamenei tot ist. Auch sie freut sich total.” Es ist eine der wenigen Nachrichten, die Redisiu in den vergangenen Tagen aus Iran bekommen hat.

Ihre Eltern flohen in den 1980er-Jahren vor dem iranischen Regime nach Deutschland – während dieser Flucht kam Redisiu zur Welt. Heute arbeitet sie als Kinderbuchautorin in Köln. Über ihr Smartphone hält Redisiu Kontakt zu Familie und Freunden in Iran. Doch das Regime dort schaltet immer wieder das Internet fast flächendeckend ab.

Anahita Redisiu erhält derzeit nur wenige Nachrichten aus Iran.

Iran ist fast komplett abgeschottet

Für die Iraner, die im Exil im Ausland leben, ist das kaum auszuhalten. Vor allem, seit die USA und Israel Iran angegriffen haben und nur noch wenige Nachrichten aus dem Land nach außen dringen. “Wir bekommen manchmal tagelang keine Nachrichten von Familie und Freunden. Da fragt man sich dann: Ist einfach nur das Internet gedrosselt worden oder liegt es daran, dass sie nicht mehr leben?”, fragt sich Redisiu.

Dazu kommt die Angst vor dem, was jetzt in Iran passiert. “Die Freude der Menschen vor Ort macht mir Hoffnung. Aber ich habe auch Angst davor, was danach kommt. Trump und Netanjahu machen das ja nicht aus Nächstenliebe”, sagt Redisiu.

“Mehrheit ist gegen das aktuelle Regime”

Der Gedanke, was nach den Angriffen der USA und Israel in Iran passiert, der treibt auch Babak Kazemifard um. Der Ingenieur lebt seit den 1980er-Jahren in Köln, auch seine Eltern sind vor dem Mullah-Regime nach Deutschland geflohen. “Es muss jetzt eine Elite an die Macht kommen, die das Interesse der Mehrheit im Iran vertritt. Und diese Mehrheit ist gegen das aktuelle Regime”, sagt Kazemifard. Er ist sich sicher: Eine Mehrheit in Iran will nicht nur das aktuelle Regime beseitigen, sondern vor allem ein demokratisches System, in dem alle Iranerinnen und Iraner die gleichen Rechte haben.

Für Kazemifard würde so ein Iran von keinem besser verkörpert als von Reza Pahlavi. Der Sohn des letzten iranischen Schahs hat sich aus seinem Exil in den USA in den vergangenen Monaten immer wieder als Übergangsführer in Iran ins Spiel gebracht. “Pahlavi steht für Demokratie und gleiche Rechte für alle Menschen. Das wäre gut für den Iran”, so Kazemifard.

Babak Kazemifard hofft auf einen Wandel zu einem demokratischen System in Iran.

Nicht alle stehen hinter Schah-Sohn Pahlavi

In Gesprächen mit Exil-Iranern in Köln merkt man schnell: Innerhalb der iranischen Community gibt es verschiedene Weltanschauungen – das zeigt sich vor allem in verschiedenen Vorstellungen für die Zukunft des Iran. Während Babak Kazemifard davon überzeugt ist, dass hinter dem Schah-Sohn Pahlavi eine Mehrheit der iranischen Exilanten steht, sehen andere in ihm einen Vertreter einer monarchistischen Gruppe in Iran.

“Pahlavi hat sich für eine nationalistische Bewegung ausgesprochen, das macht mir Sorgen. Denn er ist nicht die Stimme, die den Iran aus meiner Sicht vereint”, sagt Neda Paiabandi. Sie ist als Jugendliche aus Iran geflohen und setzt sich heute als Aktivistin mit einer Initiative für Gleichberechtigung ein. Sie wünscht sich für Iran eine Zukunft, in der für alle Menschen die gleichen Rechte gelten. Dafür sei es zentral, dass die Iranerinnen und Iraner nach einem Sturz des aktuellen Regimes ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können. “Es muss zugelassen werden, dass sich die Menschen im Iran organisieren. Das darf nicht von außen gesteuert werden.”

Auch Paiabandi hat nur unregelmäßigen Kontakt zu Familie und Freunden im Iran. Die Angst vor den Bomben der Amerikaner und Israelis sei groß. “Aber sie wünschen sich trotzdem lieber die Bomben, als einen Tag länger unter der systematischen Unterdrückung des iranischen Regimes zu leben.” Auch Paiabandi wünscht sich, dass das Regime in Iran durch die Angriffe weiter geschwächt wird und die Iranerinnen und Iraner bald selbst ihre Zukunft wählen können.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *