Evakuierung über Oman: Lange Reise aus Dubai in die Heimat

Evakuierung über Oman: Lange Reise aus Dubai in die Heimat

Passagiere sind am Flughafen in Maskat (Oman) zu sehen.

Stand: 06.03.2026 • 08:51 Uhr

In Bussen werden deutsche Familien von Dubai in Richtung Oman gebracht. In der Hauptstadt Maskat starten Evakuierungsflüge nach Deutschland. Unter den Reisenden herrschen Angst und Verunsicherung.

Anna Osius

Eine Schule in Dubai am frühen Abend. Etwa 200 Menschen haben sich in der Kantine versammelt. Babys robben über den Boden, eine Schwangere lehnt an einer Säule, eine Frau mit Rollator und behinderter Tochter geht unruhig auf und ab. Sie alle sind Deutsche – und warten hier auf ihre Evakuierung.

Mitarbeiter des Konsulats und der deutschen Botschaft in neonfarbenen Westen informieren, wie es weitergeht. Viele Urlauber haben erst vor wenigen Stunden per Anruf erfahren, dass sie ausgeflogen werden und zur Gruppe der sogenannten Vulnerablen zählen: das sind Kranke, Schwangere und Kinder.

Birgit aus Berlin etwa ist krebskrank, nächste Woche hat sie eine Operation. Es sollte einfach nochmal eine schöne Reise werden. Auch Kathrin aus Chemnitz ist jetzt “ganz schön aufgeregt, wir wissen nicht, wie‘s weitergeht und wie lange das dauert”, sagt sie. “Wir wissen nur, dass wir in die Busse steigen und an die Grenze fahren und da wird es sehr langwierig. Die letzten haben wohl über 30 Stunden gebraucht bis Frankfurt.”

Lange Reise über den Oman

Nach Anmeldung und Registrierung kommen Reisebusse, um die gestrandeten Urlauber auf dem Landweg von Dubai aus in den benachbarten Oman zu bringen. Die ganze Nacht werden die Busse unterwegs sein. Allein am Grenzübergang zum Oman rechnen die Organisatoren mit mehrstündigen Wartezeiten. Erst am Nachmittag des nächsten Tages könnte von der omanischen Hauptstadt Maskat aus dann eine Lufthansa-Maschine Richtung Frankfurt starten.

Es ist eine sehr lange Reise – mehr als 30 Stunden vielleicht. 500 Euro kostet sie pro Person, doch den meisten ist das egal. Sie sind dankbar, dass die Botschaft sich kümmert. Von den Reiseveranstaltern fühlen sich einige allein gelassen. “Gestern habe ich mit denen noch rumdiskutiert”, berichtet Ruth aus Bremen. “Ich sagte: Sie haben mir die Reise verkauft, Sie sind dafür verantwortlich! Ich will nach Hause, mehr will ich gar nicht.”

Kriegsgefahr in Dubai kam für viele überraschend

Plötzlich schrillen in der Schule alle Alarmglocken und alle Handys. Schon wieder Luftalarm in Dubai. Alle raus aus der Kantine mit der großen Fensterfront, in den Flur. Kinder schreien, eine junge Mutter weint. Anspannung in den Gesichtern. Kriegsgefahr in Dubai – damit hätte niemand gerechnet. Dem vierjährigen Anton machen die Raketen Angst: “Jede Nacht gibt es Alarm”, so der kleine Junge.

Später am Abend rollen die Busse mit den deutschen Familien dann doch noch los Richtung Oman. Raus aus Dubai, vorbei an den Luxus-Hochhäusern und Glitzerfassaden, die nicht mehr ganz so friedlich glänzend wirken wie noch vor wenigen Tagen.

Und der pakistanische Taxifahrer Sayyed, der uns Journalisten wieder ins Hotel fährt, erzählt, wie sehr er sich Sorgen macht – und doch ist er jeden Tag auf Dubais Straßen unterwegs. Eine Regierung, die ihn ausfliegt? “So etwas haben wir nicht”, sagt er kopfschüttelnd, “wir Migranten müssen weiter Geld verdienen”. Wieder schrillt das Handy für Raketenalarm. Sayyed fährt weiter. Auch, wenn er Angst hat.

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