Europas Cybersicherheit und Polens Sorge wegen Autos aus China

Europas Cybersicherheit und Polens Sorge wegen Autos aus China

Autos aus China in einem Hafen.

Stand: 25.01.2026 06:37 Uhr

Von smarten Autos gesammelte Daten könnten für Spionage, Cyberangriffe oder militärische Zwecke genutzt werden, warnen Experten. Polen beginnt daher, die Nutzung von Autos aus China zu beschränken.

Von Martha Wilczynski, ARD Warschau

“Wir haben diese Tendenz, bei einem Auto einfach nur an ein Fahrzeug zu denken, das uns von A nach B bringt”, sagt Paulina Uznańska, Analystin beim Warschauer Zentrum für östliche Studien und Verfasserin eines aktuell vielbeachteten Berichts mit dem Titel “Smartphones auf Rädern – Intelligente Autos aus China und die Cybersicherheit Europas”.

Im Interview mit dem polnischen Radiosender TokFM erklärt sie: “Die Chinesen sind weltweit führend bei der Entwicklung intelligenter Fahrzeuge. Diese sind mit zahlreichen Sensoren, hochauflösenden Kameras und Radargeräten ausgestattet und ermöglichen eine umfassende Datenerfassung – innerhalb wie außerhalb des Fahrzeugs.”

Und diese Daten könnten schlimmstenfalls zur Spionage, für Cyberangriffe oder militärische Zwecke genutzt werden.

Kein Parken nahe strategisch wichtiger Objekte

Es ist eine Erkenntnis, die nun auch das polnische Verteidigungsministerium erreicht hat. Noch gibt es keinen offiziellen Beschluss, doch bestätigte das Ministerium gegenüber Medien, dass Autos chinesischer Hersteller nicht mehr auf militärischem Gelände fahren oder in der Nähe strategisch wichtiger Objekte parken dürfen.

Auch soll Militärangehörigen untersagt werden, ihre dienstlichen Smartphones mit den Bordcomputern chinesischer Autos zu verbinden.

Bei der geplanten Maßnahme handele es sich zunächst um eine Absicherung, sagt Politologe und Asien-Experte Marcin Przychodniak: Es sei vergleichbar mit einem “Impfstoff gegen eine Krankheit, von der man nicht genau weiß, ob sie ausbrechen wird, die aber durchaus wahrscheinlich ist”.

Verkauf chinesischer Neuwagen verdreifacht

Bisher waren die potenziellen Risiken durch die in chinesischen Autos verbaute Technik in Polen kein großes Thema. Im Gegenteil: Der Verkauf von Neuwagen aus China hat sich allein im vergangenen Jahr vervierfacht.

Das habe gute Gründe, erklärt Kamil Makula, Chef des Verkaufsportals superauto.pl: Chinesische Autos seien nicht nur im Schnitt 15 bis 20 Prozent günstiger, sondern auch technisch auf dem neuesten Stand. “Die Polen sind auch Technikfreaks, sie mögen solche technologischen Neuheiten, sie mögen es, wenn etwas viel Elektronik hat. Schließlich tauschen wir auch Fernseher und Computer sehr schnell aus.”

Wie geht China mit Autos aus dem Ausland um?

Doch je mehr smarte Fahrzeuge auf polnischen und europäischen Straßen unterwegs sind, umso genauer sind die Daten, die sie sammeln können. Für ihren Bericht hat China-Expertin Uznańska deswegen untersucht, wie die Chinesen selbst mit derartigen Technologien umgehen.

“Wir beobachten, dass die Chinesen ausländischen Herstellern von intelligenten Autos mit großer Vorsicht begegnen. Sie sind sich bewusst, dass es reale Risiken gibt und versuchen, sich mit ihrem eigenen Regulierungssystem davor zu schützen”, so Uznańska. Dies täten sie etwa mit strikten Regeln und Lizensierungsverfahren für ausländische Unternehmen, die sie je nach technischem Entwicklungsstand immer wieder anpassen.

Europa wäre gut beraten, sich diese Regelungen genauer anzusehen, bilanziert die Analystin. Zwar führe die EU derzeit eine Bewertung der Cybersicherheitsrisiken für intelligente Fahrzeuge durch – aber gegenüber China sei Europa momentan im Rückstand.

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