Kaltgepresst, nativ, extra nativ: Olivenöl unterliegt in der EU strengen Vorschriften – doch bei den Kontrollen hapert es. Die Prüfer des EU-Rechnungshofs sehen den guten Ruf des europäischen Olivenöls in Gefahr.
Die Prüfer am EU-Rechnungshof haben die Qualitätskontrollen von Olivenöl kritisiert. Vor allem bei gemischten Ölen und Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern werde nur lückenhaft kontrolliert, ob sie die versprochenen Qualitätsstandards erfüllen. Die Prüfer lobten hingegen die Kontrollen auf Pestizid-Rückstände.
“Extra natives” Olivenöl mit mehr Nährstoffen
“Die Verbraucher müssen darauf vertrauen können, dass das Olivenöl, das sie kaufen, die Qualitätsstandards erfüllt”, erklärte die zuständige Prüferin Joëlle Elvinger. Dabei geht es unter anderem um die Bezeichnung “kaltgepresst” oder “extra nativ”.
Diese beschreiben ein besonderes Verarbeitungsverfahren: Die Oliven werden ausschließlich mechanisch verarbeitet und dabei kaum oder gar nicht erhitzt. Die Temperaturen bleiben unter 27 Grad Celsius. Dadurch bleiben die natürlichen Aromen, Nährstoffe und ungesättigten Fettsäuren erhalten. Das führt zu einem fruchtigen Geschmack – und höherer Qualität.
Kritik an Ölen aus Nicht-EU-Staaten
Vor allem preisgünstigere Öle sind jedoch oft Mischungen aus mehreren Ernten oder von verschiedenen Produzenten, kommen teils auch aus unterschiedlichen Staaten. In diesen Fällen sei häufig nicht nachvollziehbar, ob tatsächlich alle Bestandteile ausschließlich kaltgepresst seien, urteilten die Prüfer. Sie lobten digitale Register in Staaten wie Spanien und Italien, die Betrug vermeiden sollen.
Was gut funktioniert, sind die Tests auf Pestizidrückstände. Dabei würden zudem selten Verstöße gegen die Grenzwerte gefunden. Bei Einfuhren aus Nicht-EU-Staaten sehe dies allerdings anders aus: Hier gibt es laut den EU-Prüfern “nur sporadische Kontrollen auf Pestizide und andere Verunreinigungen”.
Guter Ruf des europäischen Olivenöls in Gefahr?
Prüferin Elvinger warnte, Lücken in den Kontrollen könnten sich auch auf “den guten Ruf des europäischen Olivenöls” auswirken. Die EU produziert rund zwei Drittel des Olivenöls weltweit. Unter den 27 Mitgliedsstaaten ist Spanien der mit Abstand wichtigste Hersteller, gefolgt von Italien und Griechenland. Zusammen machen die drei Länder mehr als 90 Prozent der europäischen Produktion aus.
