Die Konjunktur in Deutschland hat in den letzten drei Monaten des Jahres 2025 etwas stärker zugelegt als erwartet. Das Wirtschaftsleistung stieg im vierten Quartal leicht um 0,3 Prozent.
Die deutsche Wirtschaft ist im Schlussquartal 2025 etwas stärker gewachsen als zuvor angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei von Oktober bis Dezember um 0,3 Prozent zum Vorquartal gestiegen, gab das Statistische Bundesamt am Freitag bekannt.
“Damit beendete die deutsche Wirtschaft das insbesondere für den Außenhandel turbulente Jahr 2025 im Plus”, hieß es. Dafür sorgten vor allem wachsende private und staatliche Konsumausgaben. Eine frühere Schätzung von Mitte Januar hatte nur ein Wachstum von 0,2 Prozent ergeben. Diese basierte aber auf weniger Daten. Im dritten Quartal 2025 hatte es nur zu einer Stagnation gereicht.
Auf dem Niveau von Vor-Pandemie-Zeiten
Europas größte Volkswirtschaft legte 2025 insgesamt um 0,2 Prozent zu, nachdem sie zuvor zwei Jahre in Folge geschrumpft war. Dafür sorgten steigende Konsumausgaben, während die Exporte unter höheren US-Zöllen, Euro-Aufwertung und stärkerer Konkurrenz aus China litten. Die Wirtschaftsleistung liegt dennoch nur in etwa auf dem Niveau von 2019, dem Jahr vor Ausbruch der Corona-Pandemie.
“Es spricht Bände, dass die Wirtschaftsleistung kaum höher ist als vor der Pandemie”, kommentiert Alexander Krüger, Chefvolkswirt bei Hauck Aufhäuser Lampe. Wichtig sei jetzt, dass Zuwächse in dieser Größenordnung oder höher zur Normalität werden. “Die Abkommen mit den Mercosur-Staaten und Indien sind diesbezüglich erste Lichtblicke.”
Die Bundesregierung rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. Zwei Drittel des erwarteten Wachstums gehen demzufolge auf staatliche Impulse zurück. Das sind vor allem Investitionen in die Sanierung der Infrastruktur und zur Aufrüstung der Bundeswehr. “Das Ergebnis im vierten Quartal 2025 sollte nicht die Kirsche auf der Torte bleiben, sondern im Gegenteil ein Zeichen, jetzt aber nun wirklich mit den Reformen für dauerhaft mehr Wachstum zu beginnen”, fordert dementsprechend auch Jens-Oliver Niklasch von der LBBW.
ifo-Index lässt schwachen Jahresstart vermuten
Erste Indikatoren deuten auf einen schwachen Jahresauftakt hin. Der ifo-Geschäftsklimaindex verharrte im Januar auf dem Vormonatswert von 87,6 Punkten, wie das Münchner Institut bei seiner Umfrage unter rund 9.000 Führungskräften ermittelte. Die Firmen blickten etwas weniger skeptisch auf ihre Lage als zuletzt, bewerteten ihre Aussichten aber etwas ungünstiger. “Die deutsche Wirtschaft startet ohne Schwung ins neue Jahr”, sagte ifo-Präsident Clemens Fuest.
Zentrales Problem bleibt der weit verbreitete Auftragsmangel: Im Januar berichteten 36,3 Prozent der befragten Firmenchefs von einer mauen Nachfrage, nach 36,9 Prozent im vergangenen Oktober. Der Anteil liege damit weiter deutlich über dem langfristigen Durchschnitt.
Auftragslage weiter schwach
“Die leichte Entspannung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Unternehmen nach wie vor zu wenig Aufträge haben”, sagte der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. “Die schwache Nachfrage belastet breite Teile der Wirtschaft und wird durch hohe Kosten sowie eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich verstärkt.”
“Die Krise ist noch nicht vorbei”, kommentiert Jörg Krämer, Chefökonom bei der Commerzbank. “Die jüngste Schwäche des ifo-Geschäftsklimas signalisiert für das erste Quartal nur wenig Wachstum. Das viele Geld der Bundesregierung dürfte kaum auf fruchtbaren Boden fallen, weil eine große Mehrheit der Unternehmen nicht an den lang ersehnten Neustart in der Wirtschaftspolitik glaubt, wie auch eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft zeigt.”
