Erbschaftsteuer: Warum manche Unternehmer mehr Besteuerung wollen

Erbschaftsteuer: Warum manche Unternehmer mehr Besteuerung wollen

 Auf einem Bogen zur Erbschaftsteuererklärung liegen Geldscheine.

Stand: 15.01.2026 10:58 Uhr

Während Union und Wirtschaftsverbände vor einer Reform der Erbschaftsteuer warnen, melden sich nun einige Unternehmer zu Wort – und fordern genau das Gegenteil.

Kerstin Palzer

Moritz Rödle

Kaum ist das neue Jahr da, gibt es auch schon wieder Ärger in der schwarz-roten Koalition. Diesmal geht es um ein sehr emotional aufgeladenes Thema: die Erbschaftsteuer. Die SPD legt ein Papier für eine Reform vor, und die Union weist das – mehr oder weniger empört – zurück.

Das Hauptargument von CDU/CSU: Allein die Debatte um eine Erbschaftsteuer insbesondere bei vererbten Unternehmen, führe zu einer Verunsicherung der Wirtschaft in Deutschland. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann macht klar: “Wir haben eine Rezession, und da ist das Gift für den Mittelstand und Handwerker in Deutschland!” Auch Bundeskanzler Friedrich Merz erteilte den Plänen eine Absage.

Und tatsächlich melden sich auch gleich etliche Wirtschaftsverbände und Unternehmer zu Wort, die davor warnen, dass eine Erbschaftsteuer Firmen mit einem Wert über fünf Millionen Euro es quasi unmöglich machen würde, Firmen an die nächste Generation weiterzugeben. Aber es gibt auch die anderen. Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich klar für eine stärker Besteuerung von Unternehmenseben aussprechen. Das ARD-Hauptstadtstudio hat mit ihnen gesprochen.

“Leistung heißt nicht, dass jemand etwas geschenkt bekommt”

Sebastian Klein hat ein Vermögen mit der App Blinkist gemacht. Der Unternehmer hat etwa 90 Prozent seines Vermögens gespendet. Er fordert dezidiert, dass Erben stärker besteuert werden sollten.

“Ich bin ja Unternehmer, und ich finde, dass das aktuelle System der Erbschaftsteuer überhaupt nicht leistungsorientiert ist, und es ärgert mich auch maßlos, dass die Union rumpoltert, eine stärkere Besteuerung von Erben sei leistungsfeindlich. Leistung heißt für mich, dass jemand viel arbeitet, etwas aufbaut, ins Risiko geht”, sagt er. Leistung heiße nicht, dass jemand etwas geschenkt bekomme und sich dann noch weigere, Steuern zu bezahlen. “Wenn wir sagen Leistungsgesellschaft, dann müssen wir Erben maximal besteuern”, so Klein.

Steuern als “Treibstoff für unsere Demokratie”

Das sieht Daniel Heidrich, mittelständischer Unternehmer, ähnlich. “Das Argument der Wirtschaftsvertreter, dass man durch eine Erbschaftsteuer nicht mehr wirtschaften kann, ist totaler Quatsch. Sie könnten kein einziges Unternehmen auf der Welt kaufen, wenn diese Argumentation stimmen würde. Wir kaufen Unternehmen und können mit einer Besteuerung auch sehr gut umgehen. Die Lobbygruppe gegen eine Erbschaftsteuer benutzt dasselbe Argument und sagt: Es geht aber nicht, dass wir Steuern auf geerbte Unternehmen bezahlen. Das macht keinen Sinn.”

Auch Albrecht von Sonntag gehört zur Klasse der Hochvermögenden in Deutschland. Er hat seinen Wohlstand mit dem Vergleichsportal Idealo erarbeitet. Für ihn sind Steuern der “notwendige Treibstoff für unsere Demokratie”. Der Grundsatz, dass besonders starke Schultern mehr tragen müsse auch im Erbrecht gelten. “In einer fairen Gesellschaft entscheidet Leistung über Lebenschancen, nicht die Höhe des Erbes.”

SPD will Reform der Erbschaftsteuer

Es sei selbstverständlich, dass auf besonders hohe Erbschaften auch “deutlich höhere Steuern gezahlt werden müssen”. Die im SPD-Entwurf vorgesehene Möglichkeit Steuern zu stunden, sie also verzögert über mehrere Jahre beim Staat abzubezahlen, findet der Unternehmer richtig. Er halte es für “überfällig, bei Familienunternehmen von radikalem Steuererlass auf faire Stundung zu wechseln”, so von Sonntag.

Dabei sei es wichtig, dass auch auf die gestundeten Beträge selbst Zinsen erhoben würde, damit die fällige Erbschaftssteuer nicht durch Inflation geringer ausfalle. Deutschland müsse “die Schlupflöcher für Mega-Vermögen schließen” und aus den Einnahmen in Bildung investieren. Das sei “nicht ideologisch, sondern ökonomisch vernünftig.” Eine Reform der Erbschaftssteuer sei “überfällig”.

Auch Rolf Schrömgens hat sein großes Vermögen in der Techbranche erarbeitet und sieht Pläne für eine reformierte Erbschaftsteuer positiv. Im Jahr 2005 hat Schrömgens mit zwei Studienkollegen die Hotelsuchmaschine Trivago gegründet. Der Multimillionär sagt, große Vermögen würden nicht gerecht versteuert. Es sei notwendig, Schlupflöcher, die Steuergestaltung ermöglichten, zu schließen. Auch er findet die Idee, die Erbschaftssteuer zu stunden, gut. So könnten Unternehmen ihre Steuerschuld aus zukünftigen Gewinnen bezahlen.

Insgesamt sei es notwendig, ein besseres System zu schaffen. Schrömgens sagt im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio: “Ich kann mich heute entscheiden, keine Steuern zu zahlen. Diese Entscheidungsfreiheit sollte ich nicht haben.”

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