Epstein suchte mit Modelscouts im Baltikum nach Missbrauchsopfern

Epstein suchte mit Modelscouts im Baltikum nach Missbrauchsopfern

Jeffrey Epstein

Stand: 26.02.2026 • 12:38 Uhr

Junge Frauen und Mädchen, die auf eine Karriere als Model hofften: Diesen Traum nutzten Modelscouts im Auftrag von Jeffrey Epstein, um neue Missbrauchsopfer im Baltikum zu finden. In Lettland ermittelt jetzt die Polizei.

Arne Bartram

In einem sehr knappen Bikini und Stöckelschuhen läuft eine 15-Jährige über den Boden einer Modelagentur in Lettland. Sie präsentiert ihren Körper und stellt sich vor mit Namen, Größe und Wohnort Riga. Eigentlich eine Szene aus einem Casting-Video für Modeljobs. Doch gelandet ist dieses Video am Ende bei dem US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und inzwischen als Teil der sogenannten “Epstein-Files” veröffentlicht.

In den Unterlagen des verstorbenen Sexualstraftäters gibt es viele E-Mails aus denen hervorgeht, dass Epstein offenbar ein großes Interesse an Lettland hatte. Ein Freund schreibt etwa an ihn: “Riga ist toll, fast jedes Mädchen hier hat einen tollen Körper (…), fast alle haben blaue oder grüne Augen und es gibt tonnenweise Blondinen.”

Für Epstein auf der Suche nach jungen Lettinnen

Über mehrere Jahre hinweg waren mindestens zwei Männer für Epstein auf der Suche nach jungen Lettinnen, um sie zu dem Sexualstraftäter zu locken. Im Jahr 2016 spricht einer der beiden eine junge Frau Anfang 20 bei ihrer Arbeit in einem Schönheitssalon an.

“Er hat meiner Mandantin gesagt: Du siehst sehr schön aus, bist du ein Model?” So beschreibt der Anwalt der Frau, Andris Tauriņš, das Vorgehen des Mannes im Interview mit der ARD. Der Mann habe sie zu einem Vorstellungsgespräch in die USA eingeladen, beim einflussreichen Epstein.

Modellbranche als Quelle für Missbrauch

“Jeffrey Epstein sagte dann, er könne sie leider doch nicht zu einem Model machen”, berichtet ihr Anwalt. “Aber er könne ihr eine zweite Chance geben: als persönliche Assistentin. Doch den Job hat sie nie bekommen, stattdessen hat er sie mehrfach missbraucht.”

Wie viele junge Lettinnen auf ähnliche Art zu Epstein gelockt wurden, ist unklar. Epstein scheint die Model-Branche im Baltikum aber als Quelle für mögliche neue Missbrauchsopfer erkannt zu haben.

Modelwettbewerb mit Epstein-Vertrauten

2011 und 2012 fand in Riga der Modelwettbewerb “Baltic Beauty Contest” statt. In der Jury saß laut Recherchen des lettischen Rundfunks LSM auch der Inhaber einer französischen Modelagentur, die von Epstein mitfinanziert wurde. Sein Name: Jean-Luc Brunel. Gegen ihn wurde später in Frankreich wegen seiner Verbindungen zu Epstein ermittelt, 2022 ist er in Untersuchungshaft gestorben.

Außerdem war auch einer von Epsteins-Modelscouts vor Ort. Epstein hat ihn gefragt, wie der Wettbewerb gelaufen sei. Das geht aus E-Mails hervor, die der lettische Rundfunk ausgewertet hat.

Agenturen weisen Verantwortung von sich

Doch was wussten die lettischen Modelagenturen, über Epsteins Scouts? War ihnen klar, für welche Zwecke diese auch bei ihnen nach jungen Models suchten? Auf ARD-Anfrage antwortet der Inhaber einer Modelagentur, die unter anderem den Baltic Beauty Contest mitveranstaltet hat: “Mein Name taucht in E-Mails (mit einem der Scouts) vor 17-Jahren auf. Erst vor zwei Wochen, nachdem dieser Teil der Files veröffentlicht wurde, hat die ganze Welt erfahren, wer diese Person wirklich war. Ich habe nie mit dieser Person zusammengearbeitet.”

Auch andere Modelagenturen weisen auf Anfragen von ARD und lettischem Rundfunk LSM jede Verantwortung von sich oder melden sich gar nicht zurück. Die lettischen Behörden wollen als Konsequenz aus dem Skandal in Zukunft genauer bei den Modelagenturen hinschauen.

Lettische Polizei ermittelt

In der Vergangenheit hätten die einzelnen zuständigen Behörden ihre Informationen nicht schnell genug miteinander geteilt, erklärt Ako Karlis Cekulis von der staatlichen Kinderschutzagentur:Heute sind wir darin deutlich besser als noch vor 20 Jahren, aber ich bin überzeugt, das ist der Grund, warum die Minderjährigen nicht schon damals besser geschützt wurden.”

Inzwischen hat auch die lettische Polizei Ermittlungen aufgenommen, wegen des Verdachts auf sexuelle Ausbeutung. Sie bittet mögliche weitere Opfer sich zu melden, um mehr über Epsteins Netzwerk im Baltikum herauszufinden.

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