Epstein-Akten: Verbindungen nach Tschechien und in die Slowakei

Epstein-Akten: Verbindungen nach Tschechien und in die Slowakei

Passanten gehen über die Karlsbrücke in Prag

Stand: 12.02.2026 11:13 Uhr

Die Epstein-Affäre betrifft auch Tschechien und die Slowakei: Viele Opfer des Sexualverbrechers stammten von dort – und seine Verbindungen reichten offenbar bis in die Spitzenpolitik.

Marianne Allweiss

Jeffrey Epstein schwärmte für Prag, besonders der alte jüdische Friedhof schien es ihm angetan zu haben. Viele Fotos zeigen ihn dort. Der Sexualstraftäter aus den USA interessierte sich nachweislich aber auch für Porno-Saunen; außerdem für junge Tschechinnen, erzählt der Journalist Jan Novak, der die Epstein-Dokumente auf Verbindungen nach Tschechien durchsucht.

“Was ich gefunden habe, ist die Kommunikation von Jeffrey Epstein mit Leuten, die ihm in Tschechien oder in Osteuropa Frauen organisiert haben, um sie zu seinen Partys zu bringen”, sagt Novak. “In einigen Fällen handelt es sich um Opfer. Einige Frauen haben das aus freien Stücken getan und wurden bezahlt.”

Das Justizministerium und das FBI haben viele Passagen der Dokumente in den Epstein-Files geschwärzt.

Tschechische Polizei befasst sich mit Epstein

Epstein schickte Geld und Flugtickets, organisierte Bankkonten und US-Visa. Im Gegenzug sollten ihm Tschechinnen sexualisierte Fotos von sich senden und nach weiteren Frauen suchen, aber nicht nach zu alten, schrieb er einer. Seit kurzem befasst sich die tschechische Polizei mit den Epstein-Dokumenten – wegen möglicher minderjähriger Opfer. Hinweise darauf gab es schon vor Jahren. Ermittelt wurde nicht.

Der Oppositionspolitiker Matej Ondrej Havel fordert, dass die Regierung Stellung bezieht – ähnlich wie in Polen: “Ich will auf die Stille hinweisen, auf das offizielle Schweigen. Dabei hat sich herausgestellt, dass dieser amerikanische Sexualverbrecher auch Mädchen aus Tschechien verschleppt haben könnte.”

Wer war Jeffrey Epstein?

Jeffrey Epstein war ein US-amerikanischer Finanzmanager und Multimillionär, der vor allem durch den Aufbau eines massiven Missbrauchsnetzwerks bekannt wurde. Er wurde 1953 in Brooklyn, New York, geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Epsteins Eltern gehörten der Mittelschicht an. Sein Vater arbeitete für die Stadt New York, seine Mutter war Hausfrau.

Nach einem Studium ohne Abschluss arbeitete Epstein in den 1970er-Jahren als Lehrer an einer Elite-Privatschule in Manhattan. Über Kontakte wechselte er später in den Finanzsektor. Dort machte er rasch Karriere, zunächst bei einer Investmentbank. Wie genau er sein Vermögen aufbaute, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Bekannt ist, dass er als Vermögensverwalter für wohlhabende Kunden tätig war. Er pflegte einflussreiche Netzwerke zu Spitzenpolitikern, Unternehmern, Wissenschaftlern und Prominenten.

Zu seinem Besitz gehörten mehrere Luxusimmobilien, darunter auch eine Privatinsel auf den Virgin-Islands, bekannt als “Little Saint James”. Nach Aussagen von Opfern soll die Insel ein zentraler Ort für die sexuellen Übergriffe gewesen sein. Eine wichtige Rolle dabei spielte Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell, die ihm half, junge Frauen und Minderjährige für ihn anzuwerben, zu kontrollieren und zu missbrauchen.

Bereits in den 1990er-Jahren gab es erste strafrechtliche Beschwerden gegen Epstein wegen sexueller Übergriffe. 2008 wurde er als Sexualstraftäter verurteilt. Er hatte sich vor einem US-Gericht unter anderem schuldig bekannt, eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet zu haben. Er erhielt eine 18-monatige Haftstrafe, von der er etwa 13 Monate verbüßte. Durch einen umstrittenen Deal konnte er die meiste Zeit davon außerhalb des Gefängnisses verbringen.

2019 wurde Epstein wegen schwerer Vorwürfe erneut verhaftet. Kurz danach wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.

Prag als Zwischenstation für Epsteins Opfer

In Prag organisierte der Epstein-Vertraute Jean-Luc Brunel regelrechte Castings. Die tschechische Hauptstadt fungierte als Zwischenstation für Frauen aus dem Baltikum, aus Russland und der Ukraine, erklärt Journalist Novak vom Online-Portal Seznam Zpravy. Auch Luxusanwesen wollte Epstein in Tschechien kaufen.

Ein Mitarbeiter schreibt ihm, dass er eine Immobilie an der deutsch-tschechischen Grenze gefunden habe. Die wirtschaftliche Lage sei katastrophal, aber der P-Faktor betrage neun von zehn. Das kann man als Preis-Faktor übersetzen, wahrscheinlicher ist P wie Porno oder Prostitution.

Jan Novak, Journalist aus Tschechien

Slowakische Opposition fordert Aufklärung

Auch eine tschechische Schönheitskönigin taucht in den Epstein-Akten auf. Sie lehnte einen Reiseservice von Epstein jedoch ab. Sie hatte Verdacht geschöpft. Epsteins letzte Freundin stammte aus Belarus und hatte einen slowakischen Pass. Sie sollte einen großen Teil seines Vermögens erben – doch das ging an einen Fonds für Opfer.

Eine von Epsteins langjährigen Freundinnen war Slowakin. Der Milliardär finanzierte ihre Ausbildung als Pilotin – sie flog den sogenannten Lolita-Express auf Epsteins Privatinsel. Seit zwei Jahren gilt sie als vermisst. Sie soll minderjährige Slowakinnen angeworben haben.

Die Oppositionspartei PS erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt. “Wir haben Tausende Dokumente analysiert und Hunderte führen zu möglichen slowakischen Opfern”, erklärt die PS-Abgeordnete Beata Jurik. “Es geht um schmutzigen Handel mit Menschen, schmutzigen Handel mit Kindern.”

Was sind die Epstein-Files?

Die sogenannten Epstein-Files bezeichnen eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten, Zeugenaussagen und Gerichtsunterlagen rund um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Der US-Multimillionär soll über Jahre hinweg ein Netzwerk zum sexuellen Missbrauch junger Frauen und Minderjähriger aufgebaut haben. Epstein wurde 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.

Im Mittelpunkt der Epstein-Files stehen Gerichtsakten aus Zivilprozessen, vor allem aus einem Verfahren der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell, die 2021 wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch verurteilt wurde. Viele dieser Unterlagen waren lange unter Verschluss. Anfang 2024 ordnete ein US-Gericht an, zahlreiche Dokumente öffentlich zugänglich zu machen. Es folgten weitere Veröffentlichungen.

Die Akten enthalten unter anderem Aussagen von Opfern und Zeugen, E-Mails, Fotos, Videos sowie Namen von Personen, die mit Epstein in Kontakt standen. Darunter finden sich Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die bloße Nennung eines Namens bedeutet keine Schuld. Zahlreiche Personen werden lediglich erwähnt, ohne dass ihnen strafbares Verhalten vorgeworfen wird.

Die Akten belegen, wie weitreichend Epsteins Kontakte waren und wie er offenbar seinen Reichtum und Einfluss nutzte, um sich und andere Beteiligte zu schützen. Zugleich zeigen sie, dass Justizbehörden schon früh Hinweise auf mögliche Straftaten Epsteins hatten. So meldeten sich bereits Anfang der 2000er-Jahre mehrere junge Frauen bei Polizei und Staatsanwaltschaft, ohne, dass es zu einer umfassenden Strafverfolgung kam. Eine vollständige Aufarbeitung steht bis heute aus.

Regierungsberater musste zurücktreten

Wegen seiner Verbindungen zu Epstein trat der Slowake Miroslav Lajcak als Regierungsberater zurück. Der Karrierediplomat war mit Epstein befreundet, hatte aber immer beteuert, es sei nie um Frauen gegangen. Doch der Ex-Präsident der Generalversammlung der Vereinten Nationen – also ein Vorgänger von Annalena Baerbock – brüstet sich in einer nun veröffentlichten SMS damit, dass ihn Epstein noch nicht in “Aktion” kenne.

“Man muss auch für Worte Verantwortung tragen. Das tue ich”, sagt Lajcak nun. “Wenn ich diese Nachrichten heute lese, fühle ich mich wie Narr. Diese private Kommunikation ist nichts Anderes als dummes männliches Ego in Aktion.” Mindestens 25 persönliche Treffen zwischen Lajcak und Epstein sind belegt – in den USA, aber auch in Bratislava. Von sexuellem Missbrauch will der frühere slowakische Außenminister nichts gewusst haben.

Das undatierte Bild ist jüngst vom US-Untersuchungsausschuss veröffentlicht worden und zeigt Steve Bannon im Gespräch mit Jeffrey Epstein.

Kontakt zu Trumps ehemaligen Chefstrategen

Epstein stellte außerdem den Kontakt zu Steve Bannon her. Der ehemalige Chefstratege von US-Präsident Donald Trump hielt den Slowaken Lajcak für eine politische Investition für seine ultrarechte Bewegung auf Expansionskurs in Europa. Bannon sah ihn bereits als slowakischen Präsidenten. Doch Lajcak lehnte eine Kandidatur ab.

Als “Investitionsobjekt” empfahl er stattdessen Robert Fico. Der würde dieses Spiel gerne mitspielen – und er sei gut. Damals war Fico in der Opposition. Heute ist er wieder Premier. Den Rechts-Außen-Mann Bannon will der linksnationale Slowake aber nie getroffen haben.

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