E-Autos sind in Deutschland fast 50 Prozent teurer als in China. Ein Elektromodell eines chinesischen Herstellers ist dort problemlos für umgerechnet 15.000 Euro zu haben. Was sind die Gründe?
Elektroautos werden in Deutschland deutlich teurer angeboten als in China. Ein aktueller Netto-Preisvergleich des privaten Instituts Center Automotive Research (CAR) in Bochum zeigt für vergleichbare 30 E-Modelle einen durchschnittlichen Preisaufschlag von 47 Prozent für deutsche Käuferinnen und Käufer.
Während in China das durchschnittliche Elektroauto nach Preisliste 29.765 Euro kostet, müssen hierzulande die Verbraucher für die gleichen Fahrzeuge 43.749 Euro ausgeben. Die Mehrwertsteuer sowie Rabatte sind dabei wegen der Vergleichbarkeit nicht berücksichtigt.
Mehr Wettbewerb in China
“Hauptgrund ist, dass in China sehr strenger Wettbewerb herrscht. Gleichzeitig ist China das Land, in dem im letzten Jahr nach unserer Einschätzung knapp zehn Millionen Elektroautos gebaut wurden, die in die Welt gehen”, sagte CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer der ARD-Finanzredaktion. Das bringe zum einen große Skalierungs- und damit Kostenvorteile. Zum anderen versuchten sich die chinesischen Autobauer gegenseitig zu übertrumpfen.
Die Folge: Elektroautos in China sind günstig. So werden dort die 13 untersuchten Modelle chinesischer Hersteller laut der Analyse zu einem hierzulande kaum vorstellbaren Netto-Listenpreis von durchschnittlich knapp 15.000 Euro angeboten. In Deutschland werden sie dagegen für rund 32.500 Euro verkauft. Chinesische Batterieautos kosten hier also durchschnittlich mehr als das Doppelte (118 Prozent) als in ihrem Heimatland.
Im Kampf um Größenvorteile baut Dudenhöffer zufolge vor allem der chinesische Hersteller BYD gewaltige Produktionskapazitäten auf, die aber nicht ausgefüllt sind. Dadurch habe der Konzern Druck, die Fahrzeuge zu verkaufen. Zwar verkaufe BYD mittlerweile auch Autos in Europa. “Aber da ist man im Prinzip so gut wie nicht bekannt, ein No Name, und von daher geht man dort nur langsam voran und hat hohe Vertriebskosten.”
Langfristig sinkende Preise auch in Europa
Deshalb werden Autokäufer von den geringen Preisen in China auch erst mittelfristig profitieren, meint der Autoexperte. “Der große Preisdruck und Wettbewerbsdruck in China wird sich ausweiten in die ganze Welt, aber nicht über Nacht. Das dauert eine gewisse Zeit.” Dabei spielten auch die EU-Zölle eine Rolle, die Elektroautos künstlich verteuern.
Auf Dauer lassen sich die Preisschranken laut Dudenhöffer aber nicht aufrechterhalten. “Der große Exportdruck nagt in den nächsten drei Jahren an den Preisen und Rabatten. Die Preise der Elektroautos werden in den nächsten Jahren weiter nachgeben.”
Fast jeder fünfte Neuwagen inzwischen elektrisch
Die europäischen und amerikanischen Hersteller gehen den Preiskampf im chinesischen Markt nur zum Teil mit. Tesla-Modelle sind in Deutschland 23 Prozent teurer als in China, und die E-Autos europäischer Hersteller kommen auf einen Aufschlag von 28 Prozent. VW ruft in China beim Modell ID.3 nur den halben Listenpreis aus Deutschland auf. BMW verlangt für einzelne Spitzenmodelle dagegen sogar mehr Geld als in der Heimat.
In Deutschland wurden 2025 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) 545.142 elektrisch angetriebene Fahrzeuge neu zugelassen – 43,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Reine Elektroautos kamen auf einen Marktanteil von 19,1 Prozent. Fast jeder fünfte Neuwagen fährt damit rein elektrisch. BYD-Modelle machten dabei lediglich 0,8 Prozent aus.

