Diskussion über Einführung eines Tierführerscheins

Diskussion über Einführung eines Tierführerscheins

Ein Hund schaut durch ein Gitter in die Kamera

Stand: 16.01.2026 19:21 Uhr

Sollte man eine Prüfung machen müssen, bevor man sich ein Haustier zulegt? Ein “Tierführerschein” war Thema auf dem Tierärztekongress. Bisher gibt es ihn nur in Niedersachsen – bald auch anderswo?

Ein Hund kostet über seine gesamte Lebensspanne etwa 20.000 Euro, schätzt der Deutsche Tierschutzbund. Bei Unfällen oder Operationen können auch schnell ein paar Tausend Euro hinzukommen.

Viele Menschen, die sich ein Tier kaufen, seien sich darüber nicht im Klaren, kritisiert der Veterinär Reiner Cermak: “Manche Halter werden darüber aufgeklärt, dass ihr Tier massive Gesundheitsprobleme hat oder falsch ernährt ist. Wenn sie dann mit den Kosten konfrontiert werden, fallen sie aus allen Wolken.” Oft würden Tiere dann auch ins Tierheim gebracht. Gerade für Familien mit Kindern sei das oft eine herzzerreißende Situation, sagt Cermak.

Es gibt aber auch noch deutlich schlimmere Fälle. In Sachsen-Anhalt steht ab Februar eine Hundebesitzern vor Gericht, die knapp 130 Hunde auf ihrem Hof gehortet hatte. Simone Horn vom Ordnungsamt Bad Lauchstädt war an der Rettung der Hunde beteiligt. Zum Teil seien sieben Tiere in einen kleinen Raum gesperrt gewesen, “schmutzig, voller Kot. Die leeren Blicke teilweise – das lässt mich nicht los”.

Behörden bleiben oft auf den Kosten sitzen

Durch solche Tierschutzverstöße bleiben außerdem die Behörden oft auf den hohen Kosten sitzen. Im Fall Bad Lauchstädt beliefen sie sich auf 350.000 Euro. “Sich im Nachhinein zu kümmern, wenn Halter überfordert sind, ist um ein Vielfaches teurer und aufwendiger”, beklagt Cermak. “Riesenprozess, Verwaltungskosten, Gerichtskosten – anstatt das im Vorfeld zu verhindern.”

Seiner Ansicht nach könnte ein bundesweiter “Tierführerschein” dazu beitragen, neben dem Tierleid auch diese Kosten zu reduzieren. Zumindest, wenn es um Halterinnen und Halter geht, die nicht wegen einer psychischen Erkrankung Tiere horten, auch bekannt als “Animal Hoarding”.

Sicher werde man nicht alle Fälle verhindern können, sagt der Tierarzt. “Es gibt ja auch alkoholisierte Autofahrer, obwohl jeder weiß, dass man nicht trinken darf.” Aber vielleicht könne man die Zahl der Fälle reduzieren, indem fehlendes Wissen vermittelt wird. Ursache vieler Tierschutzverstöße sei schlicht mangelnde Sachkunde.

Politische Umsetzung könnte schwierig werden

Wie genau so ein “Tierführerschein” aussehen könnte, ist noch Gegenstand von Diskussionen. Vorstellbar wäre eine Kombination aus theoretischen und praktischen Inhalten, teilweise auch digital vermittelt. Doch was die Details betrifft, gingen die Meinungen in der Tierärzteschaft noch weit auseinander, erklärt Cermak. Einigkeit bestehe darüber, dass die Schulung freiwillig und nicht verpflichtend sein sollte.

Darüber hinaus wäre damit ein zusätzlicher bürokratischer Aufwand verbunden, während die Veterinärbehörden schon überlastet seien. Die politische Umsetzung, so Cermak, könnte also schwierig werden. “Aber ich denke mal, steter Tropfen höhlt den Stein. Wir könnten irgendwo mal anfragen, vielleicht in kleinen Schritten.”

In Österreich ist man diese Schritte bereits gegangen: Seit Anfang dieses Jahres ist hier der Hundeführerschein für alle Halter Pflicht.

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