Discounter und Supermärkte bei Lebensmitteln preislich gleichauf

Discounter und Supermärkte bei Lebensmitteln preislich gleichauf

Blick auf einen Kassenbon und einen gefüllten Warenkorb.

Stand: 03.02.2026 14:54 Uhr

Verbraucher schauen beim Lebensmitteleinkauf immer stärker auf die Preise. Doch ob sie beim Discounter oder im normalen Supermarkt einkaufen, macht offenbar praktisch keinen Unterschied.

Ob Butter, Kaffee oder Wurst: Die Discounter ALDI und Lidl liefern sich derzeit einen besonders intensiven Wettbewerb. Mal senkt der eine die Preise zuerst, mal reagiert der andere mit einem noch günstigeren Angebot – zuletzt etwa bei Schokoladenprodukten.

Der Preiskampf ist auch eine Reaktion auf das veränderte Kaufverhalten: Laut einer Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH Köln vergleichen mehr als 70 Prozent der Verbraucher beim Lebensmitteleinkauf stärker die Preise und greifen häufiger zu Sonderangeboten.

“Bis auf den Cent gleich”

Ob Discounter tatsächlich günstiger sind, hat die Vergleichsapp Smhaggle im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur analysiert. Untersucht wurden die Kernsortimente, etwa 2.000 Produkte, die bei allen Anbietern verfügbar und damit gut vergleichbar sind. Sonderangebote wurden nicht berücksichtigt. Das Ergebnis: Die Preise sind über alle Anbieter hinweg nahezu identisch.

“Egal ob Milch, Joghurt, Nudeln, Butter oder Salatgurke: Die Preise dieser Produkte sind bis auf wenige Ausnahmen auf den Cent gleich”, sagt Smhaggle-Geschäftsführer Sven Reuter. Dies gelte sowohl für Eigenmarken als auch für Markenprodukte – unabhängig davon, ob es sich um Discounter oder Supermarkt handelt.

Regionale Abweichungen seien möglich, etwa in von selbstständigen Kaufleuten geführten Märkten. Grundlage der Auswertung sind laut Reuter täglich mehr als 10.000 Kassenbons, die Nutzer über die App hochladen.

Preise gleichen sich an

Typischerweise senken die Discounter zuerst die Preise. Andere Händler wie Rewe, Edeka oder Kaufland ziehen dann rasch nach. Reuter zufolge reagieren sie häufig innerhalb weniger Stunden oder von ein bis zwei Tagen. Da sich die Preise anschließend wieder angleichen, könne von einer dauerhaften Preisführerschaft eines einzelnen Händlers keine Rede sein.

Rewe wirbt inzwischen offen damit, mehrere Tausend Produkte dauerhaft auf Discounter-Niveau anzubieten und gleicht die Preise regelmäßig mit ALDI und Lidl ab. Auch Edeka verfolgt ein ähnliches Vorgehen.

Wo sind noch die Unterschiede?

Handelsexperten sehen die Unterschiede zwischen Discountern und Supermärkten insgesamt schwinden. Discounter investieren stärker in Ambiente und Markenprodukte. “Die Qualität der Ware ist auch hoch”, sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts EHI. Supermärkte müssten sich stärker anstrengen und zusätzlichen Erlebniswert bieten, etwa durch Gastronomie, Bedientheken, Veranstaltungen oder regionale Sortimente.

Ein klarer Unterschied ist jedoch geblieben: Discounter führen deutlich weniger Artikel. Aus Sicht von Carsten Kortum, Handelsprofessor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn, ist das nicht zwingend ein Nachteil. “Auswahl ist grundsätzlich gut, zu viel kann aber auch überfordern”, sagt er. Eine übersichtlichere Auswahl erleichtere vielen Kunden die Kaufentscheidung.

Verschiebung zugunsten der Discounter

Beim Umsatz liegen die Discounter insgesamt vorn. Ihr Marktanteil im Handel mit Produkten des täglichen Bedarfs beträgt gut 38 Prozent, während Supermärkte wie Rewe und Edeka auf rund 28,5 Prozent kommen. Experten erklären die seit Jahren anhaltende Verschiebung zugunsten der Discounter vor allem mit dem gestiegenen Preisbewusstsein infolge der hohen Inflation.

Wer wirklich sparen will, kann dies nach Einschätzung von Smhaggle-Chef Reuter vor allem durch gezielte Käufe von Aktionsprodukten – unabhängig davon, ob diese bei Discountern oder in Supermärkten getätigt werden.

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