Digitale Gewalt gegen Frauen: Wie Kulturschaffende sich wehren

Digitale Gewalt gegen Frauen: Wie Kulturschaffende sich wehren

Ein Mann tippt auf ein Mobiltelefon.

Stand: 14.11.2025 15:56 Uhr

Cybermobbing, Sexismus, Drohungen: Digitale Gewalt trifft oft prominente und politisch engagierte Frauen, die sich im Netz äußern. Vom Gesetz geschützt fühlen sich viele nicht – und wehren sich auch auf andere Art.

Drohungen, sexuelle Belästigung und Bodyshaming – Gewalt gegen Frauen rückt nicht nur zunehmend ins Digitale, sie nimmt dort auch deutlich zu. Digitale Gewalt sei die am schnellsten wachsende Gewaltform, bestätigt etwa Bettina Jahn, Sprecherin von UN Women in Bonn. Der rasante technologische Wandel schaffe ständig neue Risiken und verschärfe die Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Laut UN erleben 63 Prozent der Frauen in Deutschland digitale Gewalt. “Die Verbreitung frauenfeindlicher Inhalte im Internet dringt zunehmend in Mainstream-Plattformen vor, was Gewalt gegen Frauen und Mädchen auch in der Offline-Welt schürt”, warnt Jahn.

UN Women ist die Einheit der Vereinten Nationen, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung von Frauen und Mädchen einsetzt. Mit der Kampagne “Orange the World” macht die Organisation seit 1991 auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam – und zwar vom Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte.

Prominente Frauen wehren sich

Hasskommentare und Drohungen erleben vor allem Influencerinnen (75 Prozent), Journalistinnen (72 Prozent), Politikerinnen (60 Prozent), aber auch Aktivistinnen und Wissenschaftlerinnen, wie die TU München in Kooperation mit der Organisation HateAid 2024 herausgefunden hat.

Es gibt aber auch prominente Frauen, die in die Offensive gehen und offen über “Hate Speech” und Sexismus im Netz sprechen. Ob reichweitenstarke Influencerinnen wie Josi, Klima-Aktivistinnen wie Carla Reemtsma, Politikerinnen wie Ricarda Lang oder prominente Journalistinnen wie Dunja Hayali – sie alle haben im Netz Hass, Drohungen und Beleidigungen erlebt. Und sie reden darüber, machen Hasskommentare öffentlich oder verfassen Gegenreden auf ihren Accounts.

“Dick Pics, Vergewaltigungsfantasien – es ist wirklich brutal, was da auf einen einprasselt“, sagt die Fernsehmoderatorin Ruth Moschner in der WDR-Sendung Frau tv. Moschner schrieb nicht nur einen offenen Brief an den Bundesjustizminister, als sie von Instagram-Nutzern immer wieder sexualisierte Direktnachrichten geschickt bekam, sie macht auch immer wieder beleidigende Kommentare und sexuelle Belästigung aus ihren Sozialen Netzwerken öffentlich. Ihre Botschaft: “Du machst das mit mir nicht!” Die Täter zeigt sie erfolgreich an – auch mithilfe der Organisation HateAid.

Inhalte sichern und anzeigen

Organisationen wie HateAid bieten Betroffenen Unterstützung. Das Team berät, hilft bei Anzeigen oder Gerichtsprozessen – auch finanziell. “Hass führt dazu, dass sich Betroffene aus dem Netz zurückziehen. HateAid will sie ermutigen, dort zu bleiben”, sagt die Sprecherin der Organsiation, Anna-Lena von Hodenberg. Ihr Tipp an Frauen: Inhalte sichern – sonst können Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

UN Women plädiert dafür, jegliche digitale Gewalt zur Anzeige zu bringen. “Damit all diese Fälle in offizielle Statistiken fließen und deutlich wird, wie groß die digitale Gewalt ist”, sagt Jahn. Richterinnen und Richter und auch andere Entscheidungsträger müssten mit Blick auf digitale und insbesondere geschlechtsspezifische Gewalt geschult werden, um Verharmlosungen und Fehlentscheidungen zu verhindern. “Wir brauchen dringend ein Gesetz, das allen Betroffenen umfassenden Schutz vor allen Erscheinungsformen digitaler Gewalt gewährleistet”, so Jahn.

Petition gegen Hasskommentare

Auch Moderatorin Moschner hat sich für eine neue Rechtsprechung eingesetzt. Gemeinsam mit anderen prominenten Kulturschaffenden machte sie sich öffentlich für das neue Gewalthilfegesetz stark. Damit sollen Frauen künftig einen Rechtsanspruch auf Hilfsangebote haben, zum Beispiel in Frauenhäusern.

Das Gesetz ist zwar verabschiedet, doch an die Finanzierung ab dem Jahr 2032 will Moschner noch nicht so recht glauben. “Deswegen ist es wichtig, laut zu sein und auf die Thematik hinzuweisen”, fordert sie bei Frau tv.

Und sie findet Mitstreiterinnen und Mitstreiter. So hat sie kürzlich eine Petition im Netz gestartet, in der sie eine konsequente und unkomplizierte Strafverfolgung von Hasskommentaren und digitalen Drohungen fordert. Mehr als 180.000 Menschen haben bereits unterzeichnet. “Hass ist keine Meinung”, sagte Moschner. Und fügt hinzu: “Digitale Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache.”

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