Deutsches Start-up profitiert vom Rüstungsboom

Deutsches Start-up profitiert vom Rüstungsboom

Mitarbeiter von Germandrones mit einer Drohne

Stand: 01.03.2026 • 16:10 Uhr

Drohnen gelten als unverzichtbar für ein modernes Verteidigungsarsenal. Auch junge Unternehmen aus Deutschland profitieren vom Rüstungsboom. Besuch bei einem Drohnenhersteller.

Andre Kartschall

Ein trüber Tag auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel. Mitarbeiter der Firma Germandrones lassen ihren Exportschlager aufsteigen: den “Songbird”, eine Überwachungsdrohne, rund einen halben Meter groß, grau lackiert. Nach dem Senkrechtstart geht das Fluggerät in den Horizontalflug über, dank schwenkbarer Rotoren. Nur ein paar Sekunden, und der “Songbird” verschwindet im Grau des Himmels.

“Die Idee ‘Songbird’ gibt es seit über zehn Jahren”, erklärt Klaus Scho, CEO von Germandrones. Das erste Modell kam vor acht Jahren auf den Markt. Inzwischen ist die Firma bei Version 3.2 angekommen. Nummer 4.0 ist schon fast fertig entwickelt. “Die wird Ende des Jahres freigegeben”, sagt Scho.

Konzepte für einen umkämpften Markt

Hochauflösende Bilder liefere die Kamera noch aus fünf Kilometern Entfernung. 80-facher Zoom, Wärmebildsensor, Zielerfassung. Zusammengebaut aus Einzelteilen, die auf dem Weltmarkt verfügbar sind. Germandrones entwickelt wenige Komponenten selbst. “Wir überlegen, was der Markt braucht. Wir fragen unsere Kunden.” Die Modelle dann nach Bedarf zusammengestellt.

Mit dieser Marketing-Strategie konnte sich die Firma am stark umkämpften Weltmarkt für Drohnen durchsetzen. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine kommen von diversen Produzenten ständig neue Modelle heraus. “Es gibt nichts, was sich schneller entwickelt als das, was wir hier sehen”, sagt Scho und zeigt auf Drohnenmodelle in seinem Rücken.

Montage von Sprengsatz möglich

Der “Songbird” ist nicht das einzige Modell von Germandrones. Auch eine große Transportdrohne findet sich im Sortiment. Ebenso wie ein sogenanntes FPV-Modell (“First Person View”, zu deutsch etwa: “Ich-Perspektive”): Dieses wird über eine Virtual-Reality-Brille gesteuert. Im Ukraine-Krieg finden solche Drohnen insbesondere in der Bekämpfung von gegnerischer Infanterie Anwendung.

Dazu wird ein Sprengsatz an der Drohne montiert, der meist durch einfachen Kontakt mit dem Ziel ausgelöst wird. Sprengsätze verbaut Germandrones in Deutschland allerdings nicht. Was mit den Drohnen nach der Auslieferung, etwa in die Ukraine, geschieht, steht auf einem anderen Blatt. Die Montage eines Sprengsatzes ist relativ einfach. “Das ist möglich”, sagt Scho dazu nur knapp.

Standort inzwischen zu klein

Er führt durch den Produktions- und Entwicklungsstandort der Firma: eine vergitterte Fläche in einem Nebengebäude des Flughafens Tegel. “500 Quadratmeter”, sagt Scho. “Produktion, Service, Maintenance und Entwicklung.” Früher hat die Lufthansa hier Ersatzteile gelagert. Ein vergilbtes Logo an der Wand zeugt noch davon.

An mehreren Tischen wird geschraubt, gelötet und vor allem getestet. Rund ein Dutzend Mitarbeiter beugen sich über Drohnen. Der Standort ist eigentlich mittlerweile zu klein. Ein Teil der Vorproduktion wird andernorts erledigt. Vor circa fünf Jahren stand das Unternehmen vor einer richtungsweisenden Frage. Bis dahin lag der Fokus neben Sicherheits- und Überwachungstechnik auch auf der Produktion von Drohnen für die Landwirtschaft. Doch das Agrargeschäft lief nur schleppend.

Strategische Entscheidung mit Folgen

Daher entschied Germandrones Ende 2020: Sicherheit- und Militärtechnik soll die neue Ausrichtung sein. 2021 dann war die erste Überwachungsdrohne fertig, auch für den militärischen Einsatz nutzbar, “sodass wir 2022, als der Krieg ausbrach, schon direkt auch Aufträge hatten”, erzählt Scho.

Seitdem boomt das Geschäft. Der Umsatz liegt mittlerweile im hohen zweistelligen Millionenbereich. Läuft es so weiter, müsste bald ein größerer Standort her. “Es gibt einen ganz klaren Wachstumsplan über die nächsten Jahre”, sagt der CEO. Die Firma werde auch in anderen Ländern entwickeln und produzieren.

High-Tech erhöht Zerstörungspotenzial

Dann lassen seine Mitarbeiter vor der Tür den neuesten Prototyp steigen: genannt “Talon”. Eine “Air-to-Air-Interceptor-Drohne”, also eine Drohne, die andere Drohnen bekämpfen soll. “Über 400 Stundenkilometer schnell”, erklärt der Chef. “Talon” soll andere Drohnen zum Absturz bringen.

Entweder tut sie das durch eine absichtlich herbeigeführte direkte Kollision oder mithilfe eines Sprengsatzes, der in unmittelbarer Nähe zum feindlichen Fluggerät explodiert. Prinzipien also, wie es sie auch bei klassischen Luftabwehrraketen gibt. Es ist ein logischer Schritt in der Entwicklung der Modellpalette. Am Anfang gab es Transportdrohnen, dann Modelle zur Überwachung, später die FPV-Drohne.

Produktentwicklung unter realen Bedingungen

Die Abfangdrohne “Talon” ist High-Tech. “Die Schwierigkeit ist die Zielerfassung”, erläutert Scho. Reihenweise Sensoren seien nötig, Künstliche Intelligenz helfe bei der Zielerfassung. Das eigentliche Abfangen erfolge weitgehend automatisch. Noch vor einigen Jahren wäre die Produktion eines solchen Geräts durch eine mittelgroße deutsche Firma fast undenkbar gewesen.

Auch jetzt gibt es viele Vorschriften und Hürden, die insbesondere die Testläufe teuer und kompliziert machen. Der Ausweg: “Das Modell testen wir überhaupt nicht in Deutschland”, sagt Scho. Die Entwicklung der “Talon” finde in der Ukraine statt.

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