Deutsche Welle stellt griechischsprachiges Programm ein

Deutsche Welle stellt griechischsprachiges Programm ein

Das Logo des Auslandsrundfunks Deutsche Welle ist am Eingang zum Hauptstadt-Sitz des Senders angebracht.

Stand: 19.02.2026 • 19:10 Uhr

Die Deutsche Welle muss sparen. Das führt unter anderem dazu, dass der Auslandssender sein griechischsprachiges Programm ab kommendem Jahr komplett einstellt. Die Reaktionen darauf sind kritisch bis alarmiert.

Wegen der Kürzung des Bundeszuschusses für 2026 hat der Auslandssender Deutsche Welle umfassende Sparmaßnahmen in Höhe von 21 Millionen Euro beschlossen. Im Zuge dessen soll das griechischsprachige Programm ab kommendem Jahr komplett eingestellt werden – als einzige der 32 Sprachen, auf denen gesendet wird. Das sorgt vor allem in Griechenland für Kritik.

Griechische Zeitungen erinnern insbesondere an die wichtige Rolle der Deutschen Welle während der griechischen Militärdiktatur von 1967 bis 1974. Griechischsprachigen Journalistinnen und Journalisten gelang es, damals noch aus Köln, sich mittels Kurzwelle auch in Griechenland Gehör zu verschaffen.

Viele Griechinnen und Griechen, erinnert das Portal epolitical.gr, hörten die Deutsche Welle heimlich, in der Hoffnung, einen Funken Freiheit innerhalb des Regimes zu finden. Die Deutsche Welle übertrug unter anderem auch die Botschaften der Studenten bei der Besetzung der Athener Universität ab Herbst 1973, kurz vor Ende der Diktatur.

Sachliche Information während Eurokrise

Während der Eurokrise, schreibt die Tageszeitung Ta Nea, war die Berichterstattung sachlich und ausgewogen – in einer Zeit, in der viele Medien leichtfertig auf Stereotype zurückgriffen. Das Fehlen der griechischen Sprache hinterlasse eine gefährliche Lücke, schreibt die Tageszeitung Kathimerini. Es gehe dabei auch um die Zukunft Griechenlands, in einer geopolitisch hoch bedeutenden Region.

Die griechische Stimme der Deutschen Welle dürfe nicht zum Schweigen gebracht werden, der griechische Staat, so die Forderung, müsse unverzüglich handeln. Die Deutsche Welle argumentiert unter anderem, Griechenland sei seit Jahrzehnten EU-Mitglied und eine stabile Demokratie, mit einer diversen Medienlandschaft.

Kürzungen um zehn Millionen Euro

Nach den Kürzungen des Bundeszuschusses für die Deutsche Welle um zehn Millionen Euro im Haushalt 2026 erklärte der Vorsitzende des Rundfunkrates, Karl Jüsten, die DW müsse gerade in eingeschränkten Medienmärkten wie Russland und dem Iran eine “starke Stimme der Freiheit” bleiben. Durch die Kürzungen seien deutliche Reichweitenverluste zu erwarten.

Neben der Einstellung des griechischen Angebots werden nach Angaben der DW die Budgets für Portugiesisch für Afrika sowie für Dari und Paschtu für Afghanistan gekürzt. Die spanischsprachigen Fernsehnachrichten werden außerhalb der Hauptsendezeit reduziert.

Die Deutsche Welle ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Bonn und Berlin. Ihr Auftrag ist es, ein realistisches Bild Deutschlands zu vermitteln, den internationalen Dialog zu fördern und demokratische Werte zu stärken. Das Programm richtet sich an ein weltweites Publikum in mehr als 30 Sprachen – von Arabisch über Hindi bis Ukrainisch.

Mit Informationen von Moritz Pompl

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