Deutsche Exporte zu Jahresbeginn gesunken

Deutsche Exporte zu Jahresbeginn gesunken

Containerschiff in der Nordsee.

Stand: 10.03.2026 • 10:46 Uhr

Für die deutschen Exporteure hat das Jahr wegen der sinkenden Nachfrage aus China und Europa mit einem Fehlstart begonnen. Es besteht kurzfristig aber Aussicht auf Besserung.

Die deutschen Exporteure sind mit einem Dämpfer ins Jahr 2026 gestartet. Im Januar wurden Waren im Wert von 130,5 Milliarden Euro in alle Welt verkauft – ein Minus von 2,3 Prozent im Vergleich zum starken Vormonat Dezember, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit Mai 2024.

Die Importe gingen noch stärker zurück: Sie brachen im Januar um 5,9 Prozent zum Vormonat auf 109,2 Milliarden Euro ein – das größte Minus seit April 2020. Ökonomen hatten ein leichtes Wachstum von 0,2 Prozent vorausgesagt.

“Die Daten bestätigen den sehr schwachen Jahresauftakt für die deutsche Wirtschaft”, sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Neben den Exporten waren auch die Industrieaufträge im Januar um mehr als elf Prozent eingebrochen, die Produktion um 0,5 Prozent geschrumpft und die Umsätze im Einzelhandel um 0,9 Prozent gefallen. Hinzu kommt mit dem seit mehr als einer Woche währenden Iran-Krieg ein neuer Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft.

“Verkorkster Jahresstart”

Deutlich besser war das vergangene Jahr zu Ende gegangen: Im Dezember hatte es bei den Exporten noch ein kräftiges Plus von 3,9 Prozent gegeben. Im Vergleich zum Vorjahresmonat legten die Exporte um 0,6 Prozent zu.

Dennoch rechnen viele Ökonomen für 2026 nach drei Jahren Rezession und Flaute mit einem Wachstum von Europas größter Volkswirtschaft. “Der Rückgang ist verkraftbar, die Gegenbewegung zum guten Vormonat moderat ausgefallen. Angesichts mangelnder Wettbewerbsfähigkeit werden sich Exporte kaum zu neuen Höhen aufschwingen”, so Alexander Krüger, Chefvolkswirt bei Hauck Aufhäuser Lampe.

Ähnlich äußert sich auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank: “Der verkorkste Jahresstart sollte nicht fehlinterpretiert werden. Noch immer sind die Vorzeichen günstig für höhere gesamtwirtschaftliche Wachstumsraten.”

China-Schock und Zuwächse in den USA

Deutliche Rückgänge gab es im Geschäft mit Europa: Die Ausfuhren in die EU-Staaten schrumpften um 4,8 Prozent zum Vormonat Dezember auf 71,6 Milliarden Euro. Zudem brachen die Exporte nach China um gut 13 Prozent ein auf 6,3 Milliarden Euro. ING-Chefökonom Brzeski sprach von einem dreifachen China-Schock für die deutschen Exporteure: “Einer schwächeren Nachfrage nach deutschen Produkten in China, einem zunehmenden Wettbewerb durch chinesische Hersteller auf Drittmärkten und in der EU und schließlich der Abhängigkeit von chinesischen Seltenen Erden.”

Zuwächse erzielten die deutschen Unternehmen dagegen in ihrem wichtigsten Exportland, den USA. Dorthin stiegen die Ausfuhren kräftig auf 13,2 Milliarden Euro. Das waren 11,7 Prozent mehr als im Dezember, obwohl die von Präsident Donald Trump eingeführten hohen Zölle die Nachfrage nach Waren “Made in Germany” belasten. Brzeski betont dennoch: “Die US-Zölle belasten die Ausfuhren weiterhin und dürften ihre volle Wirkung erst in diesem Jahr entfalten – ungeachtet der neuen Unsicherheit seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs.”

Stimmung hat sich zuletzt verbessert

2025 waren die deutschen Exporte dank eines starken Dezembers erstmals seit zwei Jahren wieder leicht gewachsen – trotz des Zollstreits mit den USA unter Präsident Trump. Zwar brachen die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten ebenso ein wie nach China, doch das Europa-Geschäft wuchs kräftig. Für dieses Jahr erwartet der Außenhandelsverband BGA ein Plus von 0,6 Prozent.

Zuletzt hatte sich die Stimmung der Branche verbessert. Die ifo-Exporterwartungen stiegen im Februar in den positiven Bereich. Von einer breiten Erholung könne jedoch noch keine Rede sein, hieß es zu den Daten, die noch vor Beginn des Iran-Kriegs veröffentlicht wurden. Mit der Eskalation im Nahen Osten wachsen die Sorgen um die deutsche Wirtschaft, unter anderem, weil die gestiegenen Ölpreise den Transport von Waren verteuern. Das trifft die Exportnation Deutschland besonders.

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