Zerrbilder mit massiver Reichweite: Das Verhältnis zwischen Elon Musk und seinem Geburtsland Südafrika verschlechtert sich, seine Kritik ist heftig. Es geht auch um seine wirtschaftlichen Interessen.
Links Fotos aus den 1960er-Jahren: Sie zeigen aufgeräumte Innenstädte, alles ist sauber, ordentlich und sehr weiß. Rechts sind schwarze Menschen zu sehen. Sie sollen bedrohlich wirken, auf einem Schild steht “Tötet die Weißen”. Die Überschrift links lautet “damals”, die auf der rechten Seite “jetzt”. Die Bilder stammen angeblich aus Südafrika und Rhodesien, der koloniale Name des heutigen Simbabwe.
Darunter zu sehen ist eine Aufnahme aus einer US-amerikanischen Großstadt, daneben der Satz “Coming soon!” Soll heißen: Auch hier droht einer heilen Welt der Verfall.
Das provokante Posting eines politischen Kommentators aus den USA auf der Plattform X wird von Elon Musk an seine mehr als 230 Millionen Abonnenten weitergeleitet – und bekommt damit eine enorme Reichweite.
Rechtspopulisten sehen Diskriminierung von Weißen
Elon Musk ist Südafrikaner. Er wurde dort geboren und wuchs während der Apartheid auf. “Im Laufe der Zeit hat er sich zunehmend mit rechtsgerichteten, weiß-nationalistischen Narrativen identifiziert, wie sie auch von der Trump-Regierung vertreten werden”, sagt der politische Analyst Mbulle Nziege Leonard im Online-Magazin First Post Africa.
Für Musk sei dies Teil einer größeren Debatte über eine vermeintliche Diskriminierung von Weißen, so Nziege Leonard. Dabei handelt es sich um Behauptungen, die viele Menschen in Südafrika – einschließlich des Präsidenten, der Regierung und Oppositionsparteien – als unbegründet zurückweisen.
Afrikanische Länder als Abschreckung
Das Zerrbild von ehemals blühenden Landschaften, die sich, um mit Donald Trump zu sprechen, in “Dreckslöcher” verwandeln, wird in rechtspopulistischen Kreisen schon seit Jahren verbreitet – um vor ähnlichen Entwicklungen im Westen zu warnen.
Auch Musk führt Südafrika und Simbabwe immer wieder als abschreckende Beispiele an: Afrikanische Länder, die früher erfolgreich waren, aber heute durch Umverteilung, Ideologie und Korruption angeblich ruiniert sind.
Früher, das heißt auch: In der Zeit der Apartheid, als die schwarze Bevölkerungsmehrheit systematisch entrechtet wurde.
Ablehnung gesetzlicher Vorgaben
Auch im modernen Südafrika gebe es Rassismus, aber der richte sich jetzt gezielt gegen Weiße – so sieht es jedenfalls der Multimilliardär, der die Politik in seinem Heimatland seit Langem auf das Schärfste kritisiert, auch vor dem Hintergrund handfester wirtschaftlicher Interessen.
Denn Musk will in Südafrika seinen Internet-Satellitendienst Starlink betreiben, lehnt aber die gesetzlichen Vorgaben ab, wonach mindestens 30 Prozent des Unternehmens im Besitz historisch benachteiligter Gruppen sein müssen. Er befinde sich in der “absurden Situation”, als gebürtiger Südafrikaner keine Lizenz für Starlink zu bekommen, weil er nicht schwarz sei, so Musk.
Scharfe Kritik aus Politik
Eine Aussage, die in weiten Teilen Südafrikas für Empörung sorgt. Nicht nur Regierungsvertreter wie Songezo Zibi von der Koalitionspartei Rise Msanzi weisen die Vorwürfe vehement zurück, sondern auch Oppositionelle wie die linkspopulistischen Economic Freedom Fighters EFF mit dem Elon-Musk-Intimfeind Julius Malema an der Spitze.
“Elon Musk und Starlink werden hier in Südafrika niemals zum Einsatz kommen, solange die EFF existieren und solange sie sich weigern, unsere Gesetze einzuhalten”, so Malema. “Ob Elon Musk uns bedroht oder nicht – wir haben weder vor Trump Angst noch vor Musk. Wir werden unser Land verteidigen, und wir werden die Souveränität unseres Landes schützen.”
Regierung verbittet sich Einmischung
Südafrikas größte Regierungspartei, der Afrikanische Nationalkongress ANC, verbittet sich ebenfalls jede Einmischung von außen und lehnt politische Zugeständnisse an den umstrittenen Milliardär kategorisch ab.
“Unsere Wirtschaft wird immer noch von weißen Männern dominiert”, sagt ANC-Generalsekretär Fikile Mbalula. “Und einer, der reicher ist als alle Länder der Welt zusammen, will uns Starlink nur dann zur Verfügung stellen, wenn wir unsere Transformationspolitik aufgeben. Aber das ist nicht möglich.”
Unterstützung für Musk von Wirtschaftsverbänden
Bei Wirtschaftsverbänden und Lobbygruppen wie Afriforum, die sich als Interessenvertreter der weißen Minderheit sehen, läuft Elon Musk dagegen offene Türen ein. Und auch im schwarzen Teil der Bevölkerung gibt es durchaus Stimmen, die sagen, der Ton mag zwar polemisch sein – die Beschreibung der Verhältnisse sei jedoch richtig.
Godfrey Viki aus Simbabwe zum Beispiel verweist auf unübersehbare Probleme in seinem Land. Früher etwa seien die Straßen noch in Ordnung gewesen, heute sei alles von Schlaglöchern übersät. Züge und Bahnen gebe es nicht mehr, von einer funktionierenden Wasserversorgung könne keine Rede sein, das staatliche Bildungssystem sei am Ende.
“Was Elon Musk sagt, ist zu hundert Prozent richtig. Wir haben alles zerstört, was uns die Kolonialregierungen vererbt hatten”, so Viki. “Es gibt nichts, auf das wir als Simbabwer heute stolz sein könnten. Wir können nur das zeigen, was wir kaputt gemacht haben, denn erreicht haben wir nichts.”
Kritiker warnen
Kritiker finden die öffentlichen und plakativen Warnungen von Elon Musk vor “afrikanischen Verhältnissen” trotz der bestehenden Missstände problematisch. Denn der Milliardär blendet dabei in seinem Kurzmitteilungsdienst wichtige historische Faktoren aus – zum Beispiel die langfristigen Folgen von Kolonialismus und Apartheid.

