Seine moderaten Gewinne zu Wochenbeginn hat der DAX auch den Bankaktien zu verdanken. Glänzende Zahlen der UniCredit beflügeln. Holen die Italiener damit Schwung für eine Commerzbank-Übernahme?
Die Erholung des DAX hat im Verlauf leicht an Schwung verloren. Zeitweise kam der deutsche Leitindex bis auf 60 Punkte an die 25.000-Punkte-Marke heran, fiel dann aber wieder zurück. Am frühen Nachmittag notiert der DAX 0,4 Prozent höher bei 24.820 Punkten.
Finanztitel dank UniCredit gefragt
Auffallend stark präsentieren sich die Bankaktien, was Marktteilnehmer mit dem zuversichtlichen Gewinnausblick der UniCredit begründen. Die italienische Großbank hat ihren Gewinn im abgelaufenen Jahr um 14 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro gesteigert.
Zugleich legte das Mailänder Geldhaus die Latte für die nächsten Jahre höher. In diesem Jahr soll der Nettogewinn auf elf Milliarden Euro steigen, bis 2028 auf 13 Milliarden, kündigte Vorstandschef Andrea Orcel an. In den kommenden Jahren will die Bank 80 Prozent ihrer Gewinne für Dividenden und Aktienrückkäufe ausgeben. Die Strategie der nächsten Jahre, die auch einen möglichen weiteren Stellenabbau beinhaltet, stellte die Bank unter das Motto “UniCredit unlimited” (UniCredit unbegrenzt).
Die UniCredit-Aktie kletterte am Morgen auf den höchsten Stand seit 2009. Seit Orcels Amtsantritt 2021 hat sie ihren Kurs verneunfacht.
Wie geht es weiter im Übernahmepoker?
Die sprudelnden Gewinne hat das Institut auch seinen Beteiligungen an der Commerzbank (26 Prozent) und der griechischen Alpha Bank (29,8 Prozent) zu verdanken. Aus diesen Beteiligungen rechnet die UniCredit bis 2028 mit zusätzlichen Erträgen von einer Milliarde Euro.
Damit rückt die Frage, ob die Italiener weiterhin eine Komplettübernahme der Beteiligungen anstreben, wieder in den Fokus. Gegenüber dem US-Finanzsender CNBC gab sich Orcel in dieser Frage gelassen: “Wir glauben, dass das zur rechten Zeit, wenn die Umstände stimmen, passieren wird – auf die richtige Weise. Und wenn nicht, haben wir genügend anderes zu tun.” Mit Blick auf die Alpha Bank sagte er, an der starken Partnerschaft, die mit dem Einstieg unterlegt sei, solle sich vorerst nichts ändern.
Große Widerstände und hohe Kosten
Ein weiterer Schritt in Richtung Vollübernahme der Commerzbank würde in Deutschland auf große Widerstände stoßen. Die Führung um Bettina Orlopp und der Betriebsrat des Frankfurter Instituts stemmen sich mit Unterstützung der Bundesregierung gegen einen solchen Schritt.
Seit ihrem Einstieg bei der Commerzbank im September 2024 hat die UniCredit, zu der bereits die Münchener HypoVereinsbank gehört, ihre direkte Beteiligung über Aktien auf mehr als 26 Prozent ausgebaut. Zusammen mit Finanzinstrumenten hat sie Zugriff auf mehr als 29 Prozent der Anteile. Ab 30 Prozent müssten die Italiener ein Übernahmeangebot für die übrigen Commerzbank-Aktien abgeben.
Das würde deutlich teurer als zur Zeit des Einstiegs. Seither ist der Börsenwert der Commerzbank um rund 175 Prozent auf zuletzt rund 39 Milliarden Euro gestiegen. Gemessen am aktuellen Kurs müsste die UniCredit also für die Aktien, die sie noch nicht direkt oder indirekt hält, 27 Milliarden Euro ausgeben.
