Datenanalyse: EU-Grenzwerte zur Luftverschmutzung werden wohl überschritten

Datenanalyse: EU-Grenzwerte zur Luftverschmutzung werden wohl überschritten

Schornsteine qualmen im frühen Morgenlicht über den Dächern von Leipzig.

Stand: 11.02.2026 14:48 Uhr

Eine Datenanalyse des WDR zeigt: Trotz messbarer Fortschritte bleibt die Luftqualität in deutschen Städten ein Problem. Neue EU-Grenzwerte könnten für einige Kommunen zur Herausforderung werden.

Von Mathias Tertilt, Leonhard Eckwert und Julian Budjan, WDR

Die Luftqualität in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren verbessert: Alle Grenzwerte der europäischen Luftqualitätsrichtlinien wurden 2025 in Deutschland eingehalten. Das zeigt die vorläufige Auswertung der Messdaten der Bundesländer und des Umweltbundesamtes (UBA). Für Feinstaub ist es demnach bereits das achte Jahr in Folge, für Stickstoffdioxid das zweite Jahr. Allerdings lag die durchschnittliche Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid über der der Vorjahre.

Dirk Messner, Präsident des UBA sagt, mit der Einhaltung aller Grenzwerte setze sich 2025 die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fort. “Es bedarf dennoch weiterer Anstrengungen zur Verbesserung der Luftqualität.”

Denn ab 2030 gelten strengere EU-Grenzwerte für die Luftqualität und schon im kommenden Jahr werden sie als Maßstab herangezogen. Überschreiten die Messstationen den künftigen Wert, müssen sogenannte Luftreinhaltepläne von den Kommunen aufgestellt werden, um 2030 die strengeren EU-Grenzwerte zu erreichen.

Fast die Hälfte verfehlt Grenzwerte

Eine Analyse der Wissenschaftsredaktion Quarks auf Basis von Daten des UBA zeigt, dass 46 Prozent aller Messstationen derzeit mindestens einen der ab 2030 geltenden Grenzwerte für Stickstoffdioxid oder Feinstaub überschreiten.

Vor allem große Ballungsgebiete mit dichtem Verkehr wie Berlin, Stuttgart und das Ruhrgebiet überschreiten die neuen Grenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub deutlich. Demnach weisen einige Messstationen besonders hohe Konzentrationen von Stickstoffdioxid und Feinstaub aus.

“Wir werden es wohl nicht schaffen, 2030 die Grenzwerte flächendeckend überall einzuhalten. Vor allem beim Stickstoffdioxid wird es in Städten an stark verkehrsgeprägten Standorten zu Überschreitungen kommen”, sagt Ute Dauert vom UBA.

Debatte um Maßnahmen neu entfacht

Und das hat Folgen: Die neue EU-Richtlinie schreibt den Kommunen vor, frühzeitig Konzepte auszuarbeiten. Für die Verkehrsführung könnten die neuen Grenzwerte also an einigen Stellen für Veränderungen sorgen.

Kurzfristige Maßnahmen wurden schon vor Jahren im Zuge der Dieselabgasaffäre debattiert. So wurden etwa im Ruhrgebiet manche Straßen für den Schwerlastverkehr gesperrt, der Verkehr wurde umgeleitet. In Innenstädten wie Stuttgart wurden Fahrverbote für alte Dieselfahrzeuge eingerichtet. München führte auf problematischen Straßen zwischenzeitlich Tempo 30 ein.

Neue Grenzwerte nicht streng genug?

Die WHO empfiehlt viel strengere Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft. Selbst minimale Mengen gelten wissenschaftlich nicht als völlig ungefährlich.

Wenn die WHO-Empfehlungen auf die derzeitigen Werte in Deutschland angewendet werden würden, verfehlen 95 Prozent aller Stationen diese für mindestens einen Schadstoff, so die Quarks-Recherche.

Langfristig sollen die Grenzwerte vollständig an die WHO-Richtwerte angepasst werden. Die Grenzwerte sollen Ende 2030 und danach alle fünf Jahre überprüft werden. Bis 2050 ist angestrebt, die Luftschadstoffe soweit zu reduzieren, dass die Verschmutzung als nicht mehr schädlich für Mensch und Umwelt gilt. “Die neuen europäischen Grenzwerte nähern sich zwar nur schrittweise an die deutlich ambitionierteren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation an. Dennoch führt jede Verbesserung der Luftqualität dazu, dass das Gesundheitsrisikos für die Gesamtbevölkerung sinkt”, so Messner.

Feinstaub als größte Gesundheitsgefahr

Durch Stickstoffdioxid beispielsweise steigt das Risiko von chronischen Atemwegserkrankungen, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Als besonders gesundheitsgefährdend werden sehr kleine Feinstaub-Partikel eingestuft. Sie verbleiben nicht nur in der Lunge, sondern können in den Blutkreislauf gelangen. Die Folge: Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfälle. Auch das Risiko für Diabetes Typ 2 sowie Alzheimer und Demenz steigt. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen.

Neben den gesundheitlichen Aspekten verweisen Forschende auf einen wirtschaftlichen Aspekt: Die durch Luftverschmutzung hervorgerufen Krankheiten erzeugen hohe Kosten im Gesundheitssystem.

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