Prozentual sterben mehr Frauen als Männer an einem Herzinfarkt. Ein Grund dafür ist, dass ein Infarkt bei Frauen oft später diagnostiziert wird – wenn er überhaupt als solcher erkannt wird.
Das klassische Bild eines Herzinfarktes: Ein Mann fasst sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Brust. Der Schmerz strahlt in den linken Arm aus – das hört man immer wieder. Auf viele betroffene Männer trifft das auch zu. Sie machen nach wie vor die Mehrheit bei Herzinfarkten aus, vor allem bis zu einem Alter von 75 Jahren.
Insgesamt starben im vergangenen Jahr laut Deutscher Herzstiftung etwa 44.000 Menschen in Deutschland an einem Herzinfarkt. Auch wenn sich diese Zahl grundsätzlich gebessert hat: Prozentual sterben mehr Frauen als Männer an einem Herzinfarkt. Denn bei ihnen wird er oft erst später diagnostiziert, wenn er überhaupt als solcher erkannt wird.
Geschlechtsunterschiede bei den Symptomen
Bei Frauen sind die Symptome oft unspezifischer: Neben Rückenschmerzen, Übelkeit und Schmerzen im Oberbauch macht sich ein Herzinfarkt bei Frauen oft durch Schwäche und eine geringere Belastbarkeit bemerkbar. Dadurch, dass die Symptome sich so sehr von den klassischen unterscheiden und auf Vieles hindeuten könnten, denken viele Frauen oft nicht direkt an einen Herzinfarkt.
Studien zeigen: Sie kommen später in die Notaufnahme als Männer. Und obwohl die geschlechtsspezifischen Unterschiede mittlerweile bekannt sind, erhalten Frauen seltener und später die richtige Diagnose. Was zu prozentual höheren Sterberaten als bei Männern führt – und zu Folgeschäden am Herzen.
Auch Risikofaktoren unterscheiden sich
Während bei Männern vor allem Bluthochdruck und Rauchen im Vordergrund steht, sind die Risikofaktoren bei Frauen vielfältiger. Auch bei ihnen ist Bluthochdruck einer der Hauptfaktoren, aber auch Diabetes Typ 2, Stress und Autoimmunerkrankungen spielen eine Rolle.
77 Prozent der Patientinnen mit Bluthochdruck seien Frauen nach der Menopause, sagt Herzchirurgin und Leiterin der Frauenherzsprechstunde Sandra Eifert vom Herzzentrum der Universität Leipzig. “Bei ihnen wird der Bluthochdruck häufig übersehen oder erst später erkannt.” Der Bluthochdruck hänge auch mit dem Mangel an Östrogen zusammen. Östrogen hat eine gefäßschützende Funktion. Fällt es weg, könne das Risiko für Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) steigen, so Eifert. Deshalb erleiden Frauen im Schnitt etwa zehn Jahre später als Männer einen Herzinfarkt.
Die Diagnostik
Während bei Männern Veränderungen im Herzen und dessen Funktion ausgemacht werden können, sind sie bei Frauen nicht so gut zu sehen. Laborparameter und EKG sind bei Frauen weniger auffällig. Besser funktionieren bildgebende Verfahren, wie ein Ultraschall des Herzens.
Bei wissenschaftlichen Vergleichsarbeiten, haben Forschende festgestellt, dass das unter anderem auch daran liegt, dass Frauenherzen kleiner und weniger elastisch sind als Männerherzen. Auch sind demnach bei Männern die größeren Gefäße und bei Frauen eher die kleineren verengt.
Das können Frauen für ihr Herz tun
Für beide Geschlechter gilt: Bewegung ist enorm wichtig, um das Herz und die Gefäße zu stärken. Die Ernährung spielt eine Rolle, eine mediterrane Ernährung mit gesunden Fetten, viel Gemüse, Hülsenfrüchten und ab und zu etwas Fisch trägt zur allgemeinen, aber auch zur Herzgesundheit bei. Außerdem sollte auf zu viel Salz verzichtet werden, da dies die Gefäße schädigt, so die Empfehlung der Deutschen Herzstiftung.
Für Frauen gilt insbesondere ein gutes Stressmanagement. Wut und Stress schaden Frauenherzen ganz besonders. Und auch ausreichend Schlaf mit einer guten Schlafqualität ist wichtig. Denn im Schlaf finden wichtige Reparatur- und Regenerationsprozesse statt. Ist dieser gestört, versetzt das den Körper in Stress – und Stress lässt wiederum den Blutdruck steigen.
