Dänisches Projekt: Ein CO2-Speicher unter der Nordsee

Dänisches Projekt: Ein CO2-Speicher unter der Nordsee

Container, in denen verflüssigtes Kohlendioxid gelagert werden soll auf der Baustelle des Greensand CO2-Terminals im Hafen von Esbjerg, Dänemark.

Stand: 26.01.2026 11:05 Uhr

Vor der dänischen Küste entsteht etwas, das viele für eines der spannendsten Projekte im europäischen Klimaschutz halten. Tief unter dem Meeresboden soll hier CO2 eingelagert werden. Doch es gibt auch Kritik.

Arne Bartram

Mitten in der Nordsee, rund 200 Kilometer vor der dänischen Küste liegt sie: Europas Hoffnung für den Klimaschutz. Und zwar ausgerechnet da, wo gerade noch Öl aus dem Meeresboden gefördert wird.

Eine Stunde lang fliegt man von der Küste aus mit dem Hubschrauber auf die Plattform Nini. Das Ölfeld hier ist fast komplett leergepumpt. Dadurch ist jetzt tief unten in der Erde Platz – gefüllt werden soll der mit CO2.

Arbeiter Peter Bjerre freut sich, ausgerechnet als Angestellter eines Öl-Konzerns etwas zum Klimaschutz beitragen zu können. “Wir können jetzt beim Klimaschutz helfen und das mit der Infrastruktur, die hier sowieso schon steht und über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Und wir arbeiten weiter, genauso wie wir es jahrzehntelang gemacht haben.”

Start im Sommer geplant

Ab dem kommenden Sommer soll es losgehen. Die Vorbereitungen dafür laufen schon, und zwar an Land.

In der Stadt Horsens steht eine Biogasanlage. Hier verwerten sie die Abfälle von umliegenden Bauernhöfen, gerade liefert ein LKW eine Ladung Mist aus einem Hühnerstall an. Mitarbeiter Jonas Bonnichsen sieht zu, wie der LKW ablädt. “Die ganze Gülle, die bei uns ankommt, kippen wir zuerst in unseren Tank und mischen sie dort”, erklärt er. “Danach geht sie in unsere Reaktoren – dort wird alles von Bakterienkulturen ganz langsam in Gas umgewandelt. Dabei entsteht als Nebenprodukt aber auch das klimaschädliche CO2.”

Früher habe man das CO2 aus der Anlage einfach in die Atmosphäre gelassen, so Bonnichsen. “Inzwischen fangen wir es aber auf, das ist besser für die Umwelt.” In großen Tanks draußen vor der Biogasanlage wartet es jetzt darauf, abgeholt zu werden.

Erst herausfiltern, dann verflüssigen

Die Idee dahinter: Fabriken filtern CO2 mit speziellen Anlagen heraus, anstatt es einfach in die Luft zu pusten. Das aufgefangene CO2 wird dann mit Hilfe von chemischen Prozessen verflüssigt. Dieses flüssige CO2 wird in das ehemalige Ölfeld auf der Nordsee geleitet, tief unten im Meeresboden unter der Nini-Plattform.

Peter Bjerre kann dadurch seinen Job hier auf der Plattform behalten: “Wir sind hier 14 Tage am Stück auf der Plattform, dann drei oder vier Wochen zu Hause”, sagt er. “Da ist es wichtig eine Familie zu haben, die das mitmacht. Aber wenn das klappt, ist es beste Job der Welt.”

Dänischer Staat unterstützt das Projektt

Dänemark hat sich viel vorgenommen: Allein bei diesem Projekt sollen jedes Jahr bis zu acht Millionen Tonnen CO2 unter der Erde eingespeichert werden. Das wäre so viel, wie die Stadt Frankfurt am Main im Jahr verursacht.

Damit sollen auch Klimaschutz und Wirtschaft besser vereinbar sein, sagt der Europa-Chef des verantwortlichen Ölkonzerns, Mads Gade: “Dänemark hat schon bei der Windenergie Maßstäbe gesetzt, das wollen wir jetzt auch bei der CO2-Einlagerung schaffen. Falls nur fünf Prozent der europäischen CO2-Einlagerung bei uns stattfindet, könnten wir dadurch viele Jobs schaffen und umgerechnet mehr als sechseinhalb Milliarden Euro pro Jahr einnehmen.”

Auch mehrere deutsche Firmen wollen laut dem Betreiber ihr CO2 gerne hier einlagern. Der dänische Staat setzt große Hoffnung in das Projekt, unterstützt es mit mehreren Millionen Euro. Aber ist das wirklich die Lösung im Kampf gegen CO2?

“Ein Teil der Lösung”

Philip Fosbøl von der Technischen Universität Dänemarks forscht seit Jahren zu diesem Thema. “Das ist ein Teil der Lösung”, sagt er. “Und das Verfahren ist sicher, denn das flüssige CO2 wird von derselben Gesteinsschicht eingeschlossen, die vorher das Öl über Millionen Jahre gehalten hat.”

Fosbal ist überzeugt: Ohne das Einlagern von CO2 werde die EU ihr Ziel Klimaneutralität bis 2050 nicht erreichen. Bis es geschafft sei, die Wirtschaft umzustellen und immer weniger CO2 zu erzeugen, sei das Einlagern eine gute Möglichkeit zum Überbrücken. Denn es biete viel Potenzial: “In Dänemark könnten wir mehrere hundert Jahre CO2 unter der Erde einspeichern, bis die Kapazitäten erschöpft sind.”

Doch es gibt auch Kritik. Manche Umweltschützer finden, das Projekt lenke vom eigentlichen Problem ab: Dass Europa seinen CO2-Ausstoß massiv senken muss. Die eine, alles umfassende Lösung ist das Projekt also nicht. Aber es könnte ein Baustein sein im Kampf gegen zuviel klimaschädliches CO2 in der Luft.

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