Die US-Regierung hält an ihren Übernahmeplänen für Grönland fest. Der dänische Außenminister und seine grönländische Kollegin konnten Washington nicht davon abbringen. Nun soll eine “hochrangige Arbeitsgruppe” gebildet werden.
“We agreed to disagree” – man habe sich darauf geeinigt, dass man sich nicht einig sei: So lautete das Fazit des dänischen Außenministers Lars Lökke Rasmussen nach seinem Treffen mit US-Vizepräsident JD Vance und dem Außenminister Marco Rubio. Mit dabei war auch die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt.
“Wir haben verabredet, eine hochrangige Arbeitsgruppe zu bilden”, sagte Rasmussen. “Die soll einen Weg nach vorne prüfen. Dabei müssen nach unserer Auffassung die amerikanischen Sicherheitsbedenken genauso berücksichtigt, wie die roten Linien des Königreichs Dänemark respektiert werden. Wir erwarten, dass sich eine solche Arbeitsgruppe innerhalb weniger Wochen erstmals treffen wird.”
Über diese Arbeitsgruppe hinaus konnte Rasmussen allerdings keine gemeinsame Linie verkünden. Er gab sich auch selbstkritisch: Es sei schon etwas dran an dem, was Präsident Donald Trump sage: Es gebe nun mal eine neue Sicherheitssituation im Nordatlantik. Und alle hätten sich seit dem Ende des Kalten Kriegs etwas zu lange auf der Friedensdividende ausgeruht.
Nur noch 200 US-Soldaten in Grönland
Aber das gelte nicht nur für die Europäer, sondern auch für die USA: Sie hätten mal 17 militärische Einrichtungen und Stützpunkte auf Grönland gehabt, jetzt nur noch einen, so Rasmussen. Das militärische US-Personal sei von 10.000 auf 200 abgebaut worden. Jetzt sei die Situation eine andere. Darauf müsse man regieren. Darüber hinaus gab es keine weiteren gemeinsamen Erkenntnisse.
“Wir waren leider nicht so erfolgreich, dass wir zu einem Ergebnis gekommen sind, bei dem unsere amerikanischen Kollegen gesagt hätten: ‘Entschuldigung, das war ein völliges Missverständnis, wir geben unsere Ambitionen auf'”, sagte Rasmussen.
Dass die Bestrebungen der USA, Grönland irgendwie zu annektieren, kein Missverständnis sind, hatte der US-Präsident auch im Vorfeld des Treffens nochmal deutlich gemacht. Die Insel gehöre aus Gründen der nationalen Sicherheit in die Hände der USA, alles andere sei inakzeptabel, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
USA stellen Grönland vor angebliche Entscheidung
Kurze Zeit später legte das Weiße Haus nach und postete auf X ein KI-generiertes Bild mit Schlittenhunden. Die ziehen zwei Grönlandschlitten. Einer auf dem Weg zum Weißen Haus und den anderen in Richtung Kreml und Chinesischer Mauer. Darüber steht: “Welchen Weg, Grönländer?”
Im Fernsehsender Fox News schilderte der ehemalige hochrangige Regierungsbeamte der Trump-Administration, Drew Horn, die Vorteile, die die US-Zugehörigkeit der Grönländer haben würde. Und zwar quasi für alle: “Was Präsident Trump anbietet, sind Investitionen in Milliardenhöhe. Von KI-Rechenzentren bis hin zu mehreren Projekten im Bereich seltener Erden und kritischer Mineralien”, sagte Horn. “Es gibt praktisch keine Grenzen, und jeder profitiert davon: die Dänen, die EU, die NATO – aber vor allem die Grönländer.”
Das sehen sowohl Grönland als auch EU und NATO anders. Und auch die Mehrheit der US-Bürger ist wenig begeistert von den Grönland-Ambitionen ihres Präsidenten. Laut einer aktuellen Umfrage unterstützen nur 17 Prozent Trumps Bemühungen, Grönland zu erwerben. Und fast drei Viertel der Befragten sind gegen eine militärische Übernahme der Insel.

