Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind im vergangenen Jahr erneut gesunken – allerdings weniger stark als in den Vorjahren. Während in vielen Bereichen der CO2-Ausstoß zurückging, stieg er im Verkehr und bei Gebäuden.
Es ist ein langsamer Prozess, aber die Richtung stimmt. So lässt sich die jüngste Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland zusammenfassen. Die neusten Zahlen dazu liefert die nach eigenen Angaben politisch unabhängige Organisation Agora Energiewende. In ihren Berechnungen greift sie auf die Daten verschiedener Quellen von Behörden und Branchen zurück.
Demnach sind im vergangenen Jahr 640 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen worden. Das sind 1,5 Prozent oder neun Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger als im Vorjahr. Seit Jahren sinken die Emissionen. Sie haben sich seit dem Referenzjahr 1990 fast halbiert.
Wirtschaftsflaute sorgt für weniger CO2-Ausstoß
Ein wichtiger Grund für den Rückgang liegt in der schwachen Wirtschaft und in der angespannten Lage an den Weltmärkten. Die US-Zollpolitik, globale Überkapazitäten zum Beispiel bei Stahl- und Chemiegütern und eine sinkende Nachfrage in Inland machen vor allem der energieintensiven Industrie schwer zu schaffen. In diesem Bereich werde weniger produziert, was weniger CO2-Ausstoß zur Folge habe, erklärt Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende. “Das ist keine gute Nachricht, auch weil es sich hier nicht um nachhaltige, strukturelle Emissionsminderungen handelt.”
Ein anderer Grund für Rückgang sei der Ausbau der Solarenergie. PV-Anlagen lieferten 2025 erstmals mehr Strom als Kohle- und Gaskraftwerke. Damit sind sie nach der Windenergie zur zweitwichtigsten Stromquelle in Deutschland aufgestiegen. Dadurch sanken die Emissionen der Energiewirtschaft um drei Millionen Tonnen CO2.
Deutschland hält Klimaziele insgesamt ein
Nach den vorliegenden Zahlen kann Deutschland die nationalen Klimaziele insgesamt einhalten. Allerdings zeigen die Berechnungen: Der Rückgang der Emissionen war im letzten Jahr deutlich geringer als im Jahr zuvor. Gerade mal die Hälfte an Treibhausgasen konnte eingespart werden im Vergleich zu 2024. Der Grund: Im Verkehr und bei Gebäuden sind die Emissionen gestiegen, nachdem sie zuvor leicht gesunken waren. Ein höherer Kraftstoffverbrauch zeigt, dass wieder mehr mit dem Auto gefahren wurde.
Bei Gebäuden nahm der Öl- und Erdgasverbrauch zum Heizen aufgrund des kalten Wetters zu Beginn des Jahres zu. “In beiden Bereichen wird zu wenig auf klimafreundliche Technologien wie das E-Auto und die Wärmepumpe umgestiegen”, sagt Bläsius. Und in beiden Bereichen werden die gesteckten Klimaziele nicht erreicht. Die Agora-Direktorin warnt außerdem: Sinken die CO2-Emissionen nicht schneller als zuletzt, werden die Klimaziele mit Blick auf 2030 auch im Gesamten verfehlt.
Wende im Verkehr und bei Gebäuden nur schleppend
Sowohl die Verkehrswende als auch der Austausch von Öl- und Gasheizungen durch klimafreundliche Anlagen komme nur langsam voran, heißt es. Zwar wurden im vergangenen Jahr mit rund 300.000 Stück mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft, dennoch bremsen laut der Agora-Experten hohe Investitionskosten einen schnellen Hochlauf. Dazu kommt eine gewisse Unsicherheit bei Verbrauchern wegen des politischen Streits um das Heizungsgesetz, das offiziell Gebäudeenergiegesetz heißt. Vielen Hauseigentümern sei nicht klar, für welche neue Heizung sie sich entscheiden sollen, berichtet Bläsius.
In der Bundesregierung wird derzeit an einer Neuregelung gearbeitet. Zuständig sind das unionsgeführte Wirtschaftsministerium als auch das SPD-geführte Bauministerium. CDU und CSU setzen sich mit ihrer Forderung durch, das Heizungsgesetz der Ampel-Regierung zu kippen – allerdings nicht ersatzlos. Das neue Gesetz soll Gebäudemodernisierungsgesetz heißen. Dabei geht es auch darum, wie der Heizungstausch künftig staatlich finanziell gefördert werden soll. In der Union gibt es Stimmen, die die Förderung von Wärmepumpen zurückfahren wollen.
Experten setzen auf neue Gesetze
Julia Bläsius von Agora Energiewende plädiert dagegen dafür, eine finanzielle Unterstützung vor allem für Hausbesitzer mit geringen Einkommen weiterhin zu garantieren.
Die Politik habe es in der Hand, wie es mit den CO2-Emissionen weitergehe und ob die Klimaziele 2030 erreicht werden können. “Die Bundesregierung muss 2026 für Planungssicherheit sorgen und wichtige Gesetze wie beispielsweise das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder das das Gebäudeenergiegesetz schnell angehen.” Mit Blick auf die Wirtschaft brauche es dringend Investitionen in deren Modernisierung und in eine klimaneutrale Produktion.

