Zwei mutmaßliche Spione sollen geplant haben, Paketbomben in die Ukraine zu schicken – aus Deutschland heraus. Laut Bundesanwaltschaft kam der Auftrag aus dem russisch besetzten Mariupol.
Die Bundesanwaltschaft hat zwei Männer als mutmaßliche Spione und Saboteure angeklagt. Sie sollen Anschläge mit Paketbomben geplant haben. Ein dritter Mann soll ebenfalls beteiligt gewesen sein. Der Auftrag kam über einen Messengerdienst direkt aus dem von Russland besetzten Mariupol, vermuten die Ermittler.
Unverhohlen soll ein russischer Agent den Beschuldigten seine Anschlagsidee präsentiert haben: Zunächst solle man die Routen von Paketen aus Deutschland in die Ukraine mittels harmloser Testpakete auskundschaften. In einem zweiten Schritt sollten dann Sprengsätze verschickt werden.
Ziel sei dabei vor allem gewesen, Unsicherheit und Angst zu erzeugen und die deutsche Solidarität für die Ukraine zu untergraben.
Paketbomben: Anschläge mit GPS-Tracker vorbereitet?
Tatsächlich soll einer der beiden Angeschuldigten über den Kurierdienst Novapost zwei harmlose Pakete mit Ersatzteilen in die Ukraine verschickt haben. In den Paketen soll auch jeweils ein GPS-Tracker gewesen sein, um den Weg der Sendungen verfolgen zu können.
Dabei sollen die mutmaßlichen Saboteure – im Gegensatz zu anderen, ähnlichen Fällen – nach Auffassung von Generalbundesanwalt Jens Rommel genau gewusst haben, was sie taten und welches Ziel dahintersteckte.
Einer der nun Angeklagten lebte zum Tatzeitpunkt im Raum Konstanz. Allerdings fand sich in seiner Nähe offenbar keine Novapost-Filiale. Wohl deswegen kam der zweite Angeklagte ins Spiel, der die beiden Testpakete von Köln aus auf den Weg gebracht haben soll.
Bundesanwaltschaft: Bewusste Spionage und Sabotage
Initiiert worden sei das alles von dem Mann, der die Nachricht mit dem Auftrag aus Mariupol erhalten haben soll. Er lebte zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz und wurde erst vor einigen Tagen auf Ersuchen der Bundesanwaltschaft nach Deutschland ausgeliefert. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn könnte ebenfalls noch Gegenstand der Anklage am Oberlandesgericht Stuttgart werden.
Interessant an der Anklage des Generalbundesanwalts ist der Umstand, dass die Männer ausdrücklich gewusst haben sollen, welche Pläne der russische Nachrichtendienst mit den Anschlägen verfolgte und dass es nicht nur um normale Paketsendungen ging.
Damit werden die Männer aus Sicht der Ermittler zu mehr als nur unwissenden Handlangern. Zuletzt hatten deutsche Sicherheitsbehörden vor allem mit Menschen zu tun, die offenbar nicht genau wussten, wofür russische Geheimdienste sie benutzen wollten – als sogenannte Low-Level- oder auch Wegwerfagenten.


