Der Bitcoin fällt bis auf 60.000 Dollar – und sämtliche Gewinne seit der Wiederwahl von Donald Trump sind verloren. Gerät jetzt auch der Bitcoin-Megainvestor Michael Saylor in Bedrängnis?
Die Flucht der Anleger aus riskanten Anlagen hat den Kryptowährungen eine tiefschwarze Woche beschert. Der Bitcoin verzeichnete den größten Kurssturz seit 2022 und rutschte am Freitag sogar zeitweise unter die Marke von 60.000 Dollar.
“Wir sehen nach wie vor keinen klassischen Crash, sondern einen schleichenden Abbau von Bewertung und Risikoappetit”, sagt Analyst Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus. Das berge die Gefahr, dass sich aus der Kurskorrektur nun eine “handfeste Vertrauenskrise” entwickelt.
“Krypto-Winter” trotz “Krypto-Präsident”?
Fakt ist: Der Einbruch am Kryptomarkt nimmt immer dramatischere Züge ein. Allein für die vergangenen drei Wochen summieren sich die Verluste auf über 35 Prozent. Experten sprechen bereits von einem “Krypto-Winter”, also einem langfristigen Abwärtstrend.
Von der Euphorie, die nach der Wiederwahl von Donald Trump zum US-Präsidenten aufkam, ist jedenfalls keine Spur mehr. Seit dem Amtsantritt des selbsternannten “Krypto-Präsidenten” haben die USA ihre Krypto-Vorschriften spürbar gelockert. Das trieb den Bitcoin auf ein Rekordhoch von über 125.000 Dollar – aktuell notiert er mehr als 50 Prozent darunter.
Risiken durch “gehebelte” Geschäfte
Dass sich der Kursverfall zuletzt so rasant beschleunigt hat, beruht auch darauf, dass am Kryptomarkt viele große Investoren “gehebelt” handeln. Dazu leihen sie sich Kapital von Handelsplattformen – das erlaubt ihnen, mit mehr Geld zu handeln, als sie eigentlich besitzen. Setzt ein Anleger 1.000 Dollar eigenes Geld mit einem zehnfachen Hebel ein, handelt er eine Gesamtposition von 10.000 Dollar.
Der Hebel ist damit eines der mächtigsten und risikoreichsten Instrumente im Kryptohandel. Denn er kann zwar die Gewinne vervielfachen – aber eben auch die Verluste, falls sich der Markt gegenläufig entwickelt.
“Margin Calls” sorgen für Abwärtsspirale
In diesem Fall kommt es zu sogenannten “Margin Calls”: Die Handelsplattform verlangt zusätzliches Geld als Sicherheit. Zahlt der Anleger nicht, schließt der Broker die Position automatisch; das nennt man dann Liquidation.
Bitcoin wird also zwangsweise verkauft. Diese automatischen Verkäufe drücken den Kurs weiter nach unten – eine Abwärtsspirale, die den jüngsten Einbruch deutlich verschärft hat.
Schulden für Bitcoin-Käufe
Der Wertverfall bringt zunehmend auch große Investoren in Bedrängnis, sogenannte “Bitcoin-Wale”, die mindestens 1.000 Bitcoin besitzen. Der größte “Bitcoin-Wal” ist Michael Saylor – der Investor besaß zum 1. Februar mit seinem Unternehmen Strategy 713.502 Bitcoins.
Saylors Geschäftsmodell ist einfach. “Das Unternehmen hat insgesamt etwa 8,24 Milliarden Dollar an Schulden aufgenommen, die primär für den Kauf von Bitcoin verwendet wurden”, erklärt Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.
Noch größere Schwankungen möglich
Was Marktteilnehmer besonders beunruhigt: Der Bitcoin-Kurs ist mittlerweile deutlich unter den durchschnittlichen Einstiegskurs des Unternehmens gefallen, der bei rund 76.000 Dollar lag.
Zwar betont Strategy bislang, man sei nicht zu Notverkäufen gezwungen. Doch Marktbeobachter warnen: Sollte sich der Kursverfall verfestigen, könnte allein die angespannte Finanzlage des größten “Bitcoin-Wals” der Welt für noch größere Volatilität am Kryptomarkt sorgen.
Auf eine staatliche Rettungsaktion für den Bitcoin können Anleger derweil auch unter einem “Krypto-Präsidenten” Trump nicht hoffen. Im Rahmen einer Anhörung vor dem Kongress hat Finanzminister Scott Bessent jüngst klargestellt, dass das US-Finanzministerium keine rechtliche Befugnis hat, Bitcoin oder andere Kryptowährungen zu erwerben, um den Markt zu stützen oder zu “retten”.

