Besuch in Israel: Wadephul warnt vor Chaos in Iran

Besuch in Israel: Wadephul warnt vor Chaos in Iran

Johann Wadephul und Gideon Saar in Jerusalem, Israel

Stand: 10.03.2026 • 17:20 Uhr

Außenminister Wadephul hat unter hohen Sicherheitsauflagen Israel besucht. Beim Treffen mit seinem Amtskollegen Saar warnte er vor einem Zerfall Irans – und erinnerte daran, auch den Gazastreifen und Libanon nicht aus dem Blick zu verlieren.

Außenminister Johann Wadephul hat überraschend Israel besucht. Zusammen mit seinem israelischen Kollegen Gideon Saar war er an dem Ort in der Nähe von Jerusalem, wo vergangene Woche eine iranische Rakete einschlug.

In einem Wohnviertel von Beit Schemesch wurden neun Menschen getötet, mehr als 50 verletzt. Mehrere Häuser wurden fast völlig zerstört. Vor den Gebäudetrümmern stehend zeigte sich Wadephul erschüttert, als ihm zwei Frauen erzählten, wie bei dem Angriff ihre Angehörigen starben.

Solidarität mit Israel, aber Sorge vor Zerfall Irans

Bei seinem Besuch stellte sich Wadephul hinter Israel – warnte aber zugleich vor einem Auseinanderfallen Irans. “Niemand kann ein Interesse an Chaos oder Bürgerkrieg oder dem Zerfall Irans haben. Die Wirkungen wären erheblich und würden wir auch in Europa zu spüren bekommen.” Er warnte vor einer Ausbreitung der Eskalation, sodass weitere Länder “in Mitleidenschaft gezogen” würden. Die Menschen in der Golfregion seien schon jetzt “Zielscheibe unterschiedsloser iranischer Attacken”.

Mit Blick auf Israels Angriffe im Libanon bat Wadephul Saar, mit der libanesischen Regierung im Kampf gegen die Hisbollah-Miliz zusammenzuarbeiten und zivile Infrastruktur zu schützen. Dass die Hisbollah an der Seite Irans Israel angegriffen habe, sei ein schwerer Fehler, sagte Wadephul. Aber auch im Libanon leide die Zivilbevölkerung – und die Stabilisierung des Landes dürfe nicht dem Krieg zum Opfer fallen.

Für die Gewalt radikaler israelischer Siedler im besetzten Westjordanland fand er deutliche Worte: “Die Gewalt radikaler Siedler, die vor einigen Tagen erneut zum Tod von Palästinensern geführt hat, verurteilen wir klar”. Außerdem erinnerte der deutsche Außenminister an die Lage im Gazastreifen, die angesichts des Iran-Kriegs nicht in Vergessenheit geraten dürfe. “Weiterhin ist die humanitäre Lage schlecht”, sagte Wadephul – mahnte, und die Umsetzung des Gaza-Friedensplans dürfe nicht ins Stocken geraten.

Reise mit hohen Sicherheitsvorkehrungen

Wadephul ist der erste westliche Regierungsvertreter, der die Kriegsregion besucht, seit Israel und die USA Iran vor zehn Tagen angegriffen haben. Es ist eine Reise mit hohen Sicherheitsvorkehrungen – wegen der ständigen Raketen- und Drohnenangriffe auf Israel. Die deutsche Delegation flog nicht mit einer normalen Regierungsmaschine, sondern mit einem Airbus A400M, dem robusten Transportflugzeug der Bundeswehr.

Kurz bevor das Flugzeug zur Rückreise abhob, wurde der Grund für die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal deutlich: Wadephul und seine Begleitpersonen mussten die Maschine wieder verlassen und im Laufschritt in einen Bunker verschwinden, weil es für die Region Tel Aviv Luftalarm gab. Wenig später kam die Entwarnung und die Delegation konnte wieder einsteigen.

Wadephul und seine mitgereiste Delegationen mussten bei Luftalarm schnell aus dem Flugzeug, um sich in einem Bunker in Sicherheit zu bringen.

Frage nach Dauer des Krieges

Im israelischen Außenministerium in Jerusalem hatten die Minister über die Lage in der Region gesprochen. Ein Ziel für Wadephul dürfte es gewesen sein, herauszufinden, wie lange Israel und die USA ihre Angriffe auf Iran fortsetzen wollen. Und wie sie sich die Zukunft nach einem Ende des Kriegs vorstellen.

Nach seinem Treffen mit Wadephul ließ Israels Außenminister Saar offen, wie lange die Angriffe noch dauern könnten. “Wir streben keinen endlosen Krieg an”, sagte er lediglich. Man werde sich zu gegebener Zeit mit den US-Partnern über einen Zeitpunkt für ein Ende der Kriegshandlungen absprechen. Wie zuvor bereits Regierungschef Benjamin Netanjahu unterstrich Saar, dass ein Machtwechsel nur vom Volk ausgehen könne – aber externe Hilfe nötig sei.

Die Bundesregierung hatte die Angriffe auf das iranische Regime zunächst grundsätzlich gerechtfertigt. Zuletzt erklärte Kanzler Friedrich Merz aber auch: “Ein endloser Krieg ist nicht in unserem Interesse.”

Zuvor Besuch auf Zypern

Vor seinem Besuch in Israel hatte der deutsche Außenminister schon seinen Amtskollegen Konstantinos Kombo auf Zypern getroffen. Dort gab sich Wadephul zurückhaltend, was ein baldiges Kriegsende angeht. Die USA seien nach wie vor darauf konzentriert, die militärischen Möglichkeiten Irans, “die eine Bedrohung der Nachbarschaft, aber auch Europas darstellen, so zu reduzieren, dass diese Gefahr nicht mehr besteht”. Das werde in seinen Augen so lange weitergehen, bis dieses Ziel erreicht sei oder Iran Verhandlungsbereitschaft zeige.

Mit Informationen von Markus Sambale, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Jerusalem

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