Iran attackiert die Golfstaaten unaufhörlich, obwohl sich diese nicht an den Angriffen der USA und Israels beteiligen. Wie es um die Verteidigungsfähigkeit in der Region steht – und was die Ukraine damit zu tun hat.
Angriffe auf US-Stützpunkte, aber auch auf lebenswichtige zivile Infrastruktur, auf Wohngebäude und auf Flughäfen: Iran attackiert seine Nachbarn am Persischen Golf weiterhin. Und das, obwohl sich diese Staaten dem Krieg der USA und Israels nicht angeschlossen haben.
Die Kalkulation dahinter: Insbesondere die Petro-Monarchien würden die Amerikaner zu einer schnellen Exit-Strategie drängen. Diese Rechnung ist bisher nicht aufgegangen. “Wir haben eine dicke Haut und bitteres Fleisch – wir sind keine leichten Opfer”, erklärte Mohamed Bin Zayd al Nahyan, Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, nach einem Besuch von Verletzten.
Unterstützung aus der Ukraine
Die Emirate sind das häufigste Ziel von Raketen und Drohnen aus Iran. Teheran lässt aber auch die anderen Länder am Golf beschießen. Dank moderner, leistungsfähiger Luftabwehrsysteme wie “THAAD” und “Patriot” können die iranischen Attacken mit Kurz- und Mittelstreckenraketen meist vereitelt werden.
Doch für die Ortung und Vernichtung iranischer Drohnen in Bodennähe sind die teuren Systeme eher nicht geeignet. Hier will jetzt die Ukraine einspringen. Die Golfstaaten seien an Drohnen und Drohnenabwehrsystemen interessiert, kündigte Präsident Wolodymyr Selenskyj an. Ukrainische Fachleute seien bereits auf dem Weg in den Nahen Osten.
“Zu kollektiver Sicherheit zurückkehren”
Aktuell stammt das vorhandene Arsenal dort vorrangig aus den USA, Frankreich und Großbritannien. Wie lange es reicht, wie schnell nachgeliefert wird, dazu können Experten derzeit wenig sagen. Nur eines sei offensichtlich, meint Simon Henderson vom Washington Institute For Near East Policy: “Die Einkäufe waren keine Garantie, dass die Lieferanten die Golfstaaten vor dem Iran schützen würden.”
Auch die Präsenz ausländischer Stützpunkte sei keine Sicherheitsgarantie, so der saudische Analyst Abdel Aziz Bin Saqr. “Wir müssen deshalb unbedingt zum Konzept der kollektiven Sicherheit innerhalb des Golfkooperationsrates zurückkehren”, so Bin Saqr. Dabei müsse auf die Zentralisierung des Kommandos und die Dezentralisierung der Fähigkeiten gesetzt werden.
Ob die Golfstaaten angesichts der anhaltenden iranischen Angriffe ihrerseits in die Offensive gehen würden, diese Frage stellt sich aber offenbar noch nicht. Zwar verurteilte die Arabische Liga die iranischen Attacken jetzt scharf, die Emirate verwiesen auf ihr Recht zur Selbstverteidigung.
Keine Rückkehr an Verhandlungstisch in Sicht
Doch offiziell bleibt es bei der Botschaft, die Reem Al Hashimi, emiratische Staatsministerin für internationale Zusammenarbeit, kurz nach Beginn der Angriffe formulierte: “Unsere Position bleibt ausgewogen. Wir wollen keine Ausdehnung dieses Konflikts. Wir glauben auch nicht, dass militärische Lösungen zu dauerhafter Stabilität führen.” Die Rückkehr an den Verhandlungstisch sei der einzig rationale Weg aus dieser Krise, so Al Hashimi.
Doch danach sieht es bisher nicht aus. Und so dürften die Golfstaaten nach Einschätzung von Experten weiter auf ihre westlichen Verbündeten setzen und ihre Verteidigungskapazitäten ausbauen, um ein militärisches Gleichgewicht zu Teheran aufzubauen – statt auf Kooperation mit Iran zu setzen.

