Rund um die Berlinale und ihre Chefin hatte es zuletzt Streit gegeben: Nun hat sich Intendantin Tuttle geäußert. Sie will weiter im Amt bleiben. Wegen ihres Umgangs mit dem Nahost-Protest beim Filmfestival hatte sie in der Kritik gestanden.
- Trica Tuttle will nun doch im Amt bleiben
- In der vergangenen Woche noch Spekulationen um Tuttle-Verbleib
- Hintergrund sei der Umgang mit dem Nahostkonflikt während des Festivals
Die Gespräche über die Zukunft der Berlinale und Intendantin Tricia Tuttle sollen in dieser Woche fortgeführt werden. Am Mittwoch finde eine weitere Aufsichtsratssitzung der Berlinale Träger-Gesellschaft statt, verkündete der Sprecher der Bundesregierung, Stefan Kornelius, am Montag in Berlin. “Es wird dort einen Austausch geben über die künftige Zusammenarbeit.” Die Bundesregierung sehe der Sitzung “mit großer Gelassenheit” entgegen, sagte Kornelius. Sie hoffe, die Aufregung um die Berlinale damit hoffentlich zu beenden.
Tuttle selbst machte im Vorfeld der Sitzung nun klar, dass sie an ihrem Posten festhalten will. “Ich bin sehr stolz auf mein Team und das Festival und möchte die gemeinsam begonnene Arbeit in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen”, sagte Tuttle Montagabend der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor war über die Zukunft der Filmfestchefin spekuliert worden.
Zuvor Spekulationen um Tuttle-Verbleib
So fand vergangene Woche unter Leitung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) eine erste Aufsichtsratssitzung der Berlinale-Trägergesellschaft, Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin (KBB) GmbH, statt. Zuvor hatte es Spekulationen über eine mögliche Ablösung Tuttles gegeben. Hintergrund sei der Umgang mit dem Nahostkonflikt während des Festivals im Februar.
Nach Darstellung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) habe Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle von sich aus ihre Zukunft bei der Berlinale infrage gestellt. “Sie sagte mir und auch meinem Amtschef […], sie könne in dieser vergifteten Atmosphäre und ihren politischen Spannungen die Berlinale kaum weiterführen”, sagte Weimer der “Rheinischen Post“. Sie hätten offen über die schwierige Situation gesprochen.
Auf die Frage, ob er deswegen die Aufsichtsratssitzung einberufen habe, antwortete er: “Wenn ein derartiger Eklat passiert und auch die Intendantin ihre Zukunft von sich aus infrage stellt, müssen die Gremien beraten.” Mehr könne er mit Blick auf die vereinbarte Vertraulichkeit und laufende Gespräche nicht sagen.
Nun die Kehrtwende: Tuttle erklärte am Monatagagbend, dass sie doch im Amt bleiben möchte.
Streit über Nahostkonflikt auf Berlinale
Während des Filmfestivals hatte es mehrfach Debatten zum Umgang mit dem Nahostkonflikt gegeben. Nach Kontroversen rund um die Berlinale und der Zukunft Tuttles als Intendantin gab es am vergangenen Donnerstag eine Aufsichtsratssitzung. Nach der Sitzung war von “konstruktiven und offenen” Gespräche die Rede. Zudem wurde eine Fortsetzung angekündigt.
Rückendeckung bekam Tuttle in der Zwischenzeit von tausenden Filmschaffenden, die sich in offenen Briefen hinter die Intendantin stellten.
Diese breite Resonanz habe auch unterstrichen, dass es in der Debatte nicht um eine einzelne Preisverleihung, eine Festivalwoche oder eine Person gehe, sondern um das allgemeine Prinzip, dass kulturelle Einrichtungen darauf vertrauen können müssten, innerhalb demokratischer und rechtlicher Rahmenbedingungen agieren zu können. Das sei eine starke Botschaft, führte die Berlinale-Chefin aus. “Und ehrlich gesagt, hat dies auch meine eigene Klarheit nach einigen schwierigen Wochen wiederhergestellt”.
Direkt nach der Berlinale habe Trica Tuttle von den Reaktionen tief getroffen gewirkt, sagte Weimer. Ihm zufolge haben “politische Aktivisten die Festspiele negativ überlagert und mit ihren Aktionen die Stimmung regelrecht vergiftet”. Kaum jemand spreche mehr über die tollen Filmemacher. Diese Vergiftung habe ihn erst traurig und dann ärgerlich gemacht.
Für die Führung der Berlinale seien es keine leichten Tage gewesen. “Tricia Tuttle und Wim Wenders haben Engagement und Integrität in die Waagschale geworfen”, sagte er. “Das verdient Respekt.”
Neben der personellen Formation müsse über einen Verhaltenskodex und organisatorische Fragen der Berlinale gesprochen werden, damit solche Vorkommnisse und Aktionen künftig unterblieben. “Es gilt zugleich, die Akzeptanz der Berlinale auf möglichst breite Beine zu stellen.”
Sendung: rbb24 Inforadio, 01.03.26, 14:00 Uhr
