Bangladeschs Wähler stimmen für Stabilität

Bangladeschs Wähler stimmen für Stabilität

Tarique Rahman


analyse

Stand: 13.02.2026 18:14 Uhr

Der Aufstand in Bangladesch hat das Land verändert. Anderthalb Jahre nach dem Sturz der autoritären Regierung zeigt der Ausgang der Parlamentswahl: Jetzt dominiert der Wunsch nach politischer Entspannung.

Franziska Amler

Sie hatten von einem “neuen Bangladesch” geträumt, die jungen Menschen im Land. Doch gewonnen hat nun eine Partei des alten politischen Systems: Die religiös-konservative BNP geht als Siegerin aus der Parlamentswahl hervor. Damit ist die Hoffnung der jungen Protestbewegung auf einen grundlegenden politischen Neuanfang vorerst gedämpft. Denn die Bangladesh Nationalist Party (BNP), eine fast 50 Jahre alte Partei, gehört zu den etabliertesten politischen Kräften des Landes.

Erste freie Wahl seit mehr als 15 Jahren

Angeführt wird die BNP von Tarique Rahman, der voraussichtlich neuer Regierungschef ​wird. Der 60-Jährige ist der Sohn der kürzlich verstorbenen früheren Ministerpräsidentin Khaleda Zia. Erst im Dezember war Rahman nach 17 Jahren im Exil in London nach Bangladesch zurückgekehrt. Auch wenn er politisch als “neues Gesicht” gilt, ist er fest in der etablierten Elite verwurzelt.

Mit dem Wahlsieg verfügt die BNP nun über ein starkes demokratisches Mandat. Viele Bürgerinnen und Bürger hatten dem Wahltag mit großen Erwartungen entgegengesehen. Es war die erste freie Wahl seit mehr als 15 Jahren.

Bedürfnis nach Entspannung

Die vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung von rund 60 Prozent deutet auf ein starkes Bedürfnis nach politischer und wirtschaftlicher Entspannung hin. In Gesprächen mit Menschen auf der Straße ist schnell zu erkennen, dass es vielen vor allem um Lösungen für die Sorgen des Alltags geht – Inflation, Jobs, Sicherheit.

Rahman wird nun von vielen als Hoffnungsträger für ein stabiles Bangladesch wahrgenommen. Im Wahlkampf hatte seine Partei unter anderem Finanzhilfen für arme Familien, eine Begrenzung der Amtszeit für Regierungschefs und eine Stärkung der Wirtschaft durch ausländische Investitionen versprochen.

Doch kann eine etablierte Partei die Hoffnung auf ein junges, modernes Bangladesch erfüllen? Im Juli 2024 hatten vor allem Menschen der Generation Z mit Massenprotesten den Sturz der Autokratin Sheikh Hasina erzwungen.

Junge Bewegung konnte sich nicht durchsetzen

Mehr als 40 Millionen Wahlberechtigte sind zwischen 18 und 29 Jahre alt. Sie stellen eine entscheidende Wählergruppe in dem Land, das mit knapp 175 Millionen Einwohnern das achtgrößte der Welt ist.

Doch politisch konnte sich die Bewegung nicht als geschlossene Kraft formieren. Aus der Protestbewegung ging lediglich die National Citizen Party (NCP) hervor. Sie blieb politisch schwach und konnte nur eine Handvoll Sitze erringen.

Zwar hat nun die religiös-konservative BNP gewonnen. Doch auch die islamistische Jamaat-e-Islami konnte ihren Einfluss ausbauen. Besorgniserregend ist dabei, dass die Islamisten vor allem bei jüngeren Wählern punkten konnten. Die Partei gilt bei ihnen als weniger korrupt als die traditionellen Machtparteien.

Gestürzte Ex-Regierungschefin mit vielen Anhängern

Die Awami League der gestürzten Regierungschefin Sheikh Hasina war von der Wahl ausgeschlossen. Beobachter schätzen dennoch, dass die Partei rund 30 Prozent der Bevölkerung hinter sich hat. Unklar ist, ob dieser beträchtliche Teil das Ergebnis akzeptieren wird.

Die Flucht von Sheikh Hasina ins Nachbarland Indien und die Weigerung, sie auszuliefern, belasten das Verhältnis zwischen beiden Ländern massiv. Die neue Regierung dürfte auf eine balancierte, pragmatische Außenpolitik setzen. Die Partei signalisierte bereits: Man wolle freundschaftliche Beziehungen zu jedem Staat pflegen, die dem Land nützten.

Müde vom Chaos

Auch wenn die Gen Z ihren Änderungswillen kaum in Parlamentssitze ummünzen konnte, hat sie weiterhin das Potenzial, sich schnell zu mobilisieren. Ihre Stimme wird im politischen Diskurs wohl nicht zu überhören sein.

Dennoch wird in diesen Tagen eines deutlich: Bangladesch ist müde von Protesten, Chaos und Unruhen. Seit anderthalb Jahren kommt das Land nicht zur Ruhe. Und auch viele junge Menschen sagen: Sie wollen Stabilität und Frieden.

Die ersten freien Wahlen seit mehr als 15 Jahren markieren einen demokratischen Neubeginn. Gleichzeitig zeigen sie aber auch: Viele Menschen wünschen sich derzeit weniger einen radikalen Wandel, sondern vor allem politische Stabilität.

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