Erstmals dürfen 16-Jährige in Baden-Württemberg wählen. Damit sie das Wahlsystem besser verstehen, erklärte eine Wahlbeobachterin die Abläufe. Am heutigen Wahltag haben sie eine wichtige Aufgabe.
Bei der Landtagswahl heute in Baden-Württemberg dürfen einige Schülerinnen und Schüler des Anna-Essinger-Gymnasiums in Ulm das erste Mal wählen. Im Unterricht haben sie zwar schon viel über Wahlen gehört. Die Verantwortung, das erste Mal selbst zu wählen, verunsicherte aber einige der 16-Jährigen.
Darum haben die Jugendlichen aus der neunten und zehnten Klasse die letzten Wochen und Monate eine richtige Wahlvorbereitung erhalten und zum Beispiel das Wahlamt in Ulm besucht. Hier sollten sie lernen, wie eine Wahl funktioniert.
Probe für die echte Wahl
Stimmzettel, Wählerverzeichnisse, Kugelschreiber – all das lag in einzelnen Kisten bereit. Schüler Anton durfte probewählen und war vom Aufwand ganz beeindruckt. “Die ganzen Kisten und alles. Das ist ja schon sehr viel”, sagte er im Gespräch mit tagesschau.de. Auch für ihn wird es die erste Wahl sein.
“Das kommt sonst vielleicht gar nicht so rüber. Aber wenn fast jeder wählen darf, dann ist das schon viel Papierkram und auch viel Arbeit.” Er machte seine beiden Kreuze, faltete den Zettel wie gewünscht und schmiss seine Stimme dann in die Urne. “Eine völlig neue Erfahrung für mich”, meinte er. “Vielleicht ganz gut, dass ich das jetzt schon mal geübt habe.”
Jugend könnte Wahl entscheiden
Baden-Württemberg ist eines der Bundesländer, in dem Jugendliche schon mit 16 wählen dürfen. Angesichts der knappen Umfragewerte könnten ihre Stimmen die Landtagswahl entscheiden. Jana Bürgers hat deshalb ein Projekt gestartet, mit dem die jungen Menschen Wahlen als zentralen Teil der Demokratie besser verstehen sollen.
Als offizielle Wahlbeobachterin hat sie Erfahrungen schon in der ganzen Welt gesammelt. “Meine Idee war, Jugendlichen, aber auch der allgemeinen Bevölkerung klarzumachen, dass hinter Wahlen wesentlich mehr steckt als das Kreuz am Sonntag”, erklärte die OSZE-Wahlbeobachterin tagesschau.de. “Gerade Jugendliche, die sich vom politischen Leben zu isolieren scheinen, mal wirklich in den Prozess reinzubringen durch unmittelbares Erfahren, war mir sehr wichtig.”
Treffen mit Politik und Wirtschaft
Dafür organisierte sie für die Schülerinnen und Schüler etliche Termine. Die Jugendlichen trafen Politiker der Stadt Ulm, schauten beim Branchenverband Südwestmetall vorbei und sprachen sogar mit den Chefs von Wirtschaftsunternehmen. “Wir wollen wissen, ob der Wahlausgang für große Wirtschaftsunternehmen relevant ist”, sagte der 16-jährige Benjamin.
Mittelpunkt des Projekts war die Politik-AG des Anna-Essinger-Gymnasiums in Ulm. Kurz vor der Wahl besprachen die Jugendlichen nochmal ihre Besuche bei Wirtschaft, Politik und Wahlamt.
Theorie und Praxis
“Im Wahlamt haben wir ja gesehen, wie viel dahinter steckt auch und wie viel Sicherheit auch dahintersteckt”, sagte Anton. Er zeigte sich optimistisch für die Wahl: “Ich habe da Vertrauen in unser System in Deutschland.” In der Politik-AG lernten sie auch nochmal, wie eine Regierung gewählt wird: Was steht im Wahlrecht, wie setzt sich der Landtag zusammen und welche Spitzenkandidaten treten überhaupt an. Kurz vor der Wahl fühlten sie sich gut vorbereitet – mit Vertrauen in das Wahlsystem.
Trotzdem will Benjamin heute ganz genau hinschauen und mehrere Wahllokale besuchen. Denn die Jugendlichen wählen nicht nur, sondern sind auch als Wahlbeobachter unterwegs sein – zwar nicht in offizieller Mission, aber trotzdem werden sie ein Auge darauf haben, dass alles korrekt läuft. “Vielleicht gibt es ja doch einzelne Leute, die versuchen zu tricksen”, lachte Benjamin. Darauf werde er genau achten.
