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In den sozialen Netzwerken sorgt die Werbekampagne einer Fast-Food-Kette zu Ramadan für Ärger. Rechtsextreme schreiben von einer Islamisierung. Doch in Wahrheit ist diese Werbekampagne bereits mehrere Jahre alt.
“In Deutschland blendet McDonald’s tagsüber Lebensmittel aus und abends wieder ein, für Muslime wegen des Ramadans. Aber nein, eine Islamisierung findet nicht statt”, oder: “Wirklich kein Spaß: Deutschland 2026: tagsüber keine Werbung mit Bildern von Essen, damit sich Moslems nicht ‘gestresst’ fühlen” – mit solchen Postings in den sozialen Netzwerken werden derzeit Bilder von einer Werbekampagne des US-amerikanischen Fast-Food-Konzerns McDonald’s in deutschen Städten verbreitet.
Die Bilder sind nicht aktuell und stammen aus dem Jahr 2023.
Auf den Bildern ist zu sehen, wie sich je nach Uhrzeit die Motive der Werbung verändern. So sind von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang leere Verpackungen zu sehen, oben rechts in der Ecke steht “Happy Ramadan”. Erst nach Einbruch der Dunkelheit, wenn das Fastenbrechen von gläubigen Muslimen während der Fastenzeit beginnt, sind die Verpackungen auf den Werbetafeln wieder mit Essen gefüllt.
Fotos sind schon mehrere Jahre alt
Die Bilder, die im Netz verbreitet werden, sind zwar echt, allerdings nicht aktuell, wie es in den Postings behauptet wird. Wie eine Bilderrückwärtssuche zeigt, sind die Fotos bereits im Jahr 2023 aufgenommen worden. Sie waren Teil einer Werbekampagne der Agentur Scholz & Friends, wie auf deren Website zu sehen ist.
Zudem ist auf einigen der Bilder im Hintergrund das Riesenrad des Hamburger Doms zu sehen, eines der größten Volksfeste in Deutschland. Der Dom in Hamburg findet derzeit jedoch gar nicht statt, sondern startet erst am 20. März. Der letzte Dom endete bereits am 7. Dezember, also lange vor Beginn des diesjährigen Ramadan am 19. Februar. Auch das zeigt, dass die Bilder nicht aktuell sein können.
Auch McDonald’s teilt auf Anfrage mit, dass es sich dabei um keine aktuelle Aktion handelt. “Im Jahr 2023 wurden zum Start des Ramadan die Motive für einen Tag an ausgewählten Standorten ausgespielt.” Als die Kampagne im Jahr 2023 lief, gab es in den sozialen Netzwerken keinen größeren Shitstorm – anders als drei Jahre später. Auch der Konzern schreibt, dass es damals “keine vergleichbare Resonanz” gegeben habe.
Internationale Medien springen mit auf
Die Aufregung in den sozialen Netzwerken über die Kampagne erreichte jedoch bereits internationale Aufmerksamkeit. Der britische Rechtsextremist Tommy Robinson teilte die Bilder ebenfalls und schrieb dazu: “McDonald’s in Deutschland hat während des Ramadan Bilder von Lebensmitteln aus Werbungen während der Tagesstunden entfernt. Der muslimische Anteil der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit auf 6,5 % geschätzt. Und das Land verändert sich bereits für immer für die Eindringlinge, mehr als umgekehrt.” Der Beitrag erreichte knapp eine Million Menschen allein auf der Plattform X.
Die Bilder sind nicht aktuell und stammen aus dem Jahr 2023.
Auch der österreichische verschwörungsideologische Sender “AUF1” schloss sich der Empörung an und titelte: “Islamisierung in Deutschland: McDonald’s zeigt ‘ramadan-konforme’ Werbung”. Das in verschwörungsideologischen und rechtsextremen Kreisen verbreitete österreichische Portal “Report24” schrieb: “Deutschland: McDonald’s unterwirft sich freiwillig und passt Werbung an Ramadan an”. Selbst englischsprachige Medien griffen das Thema auf, unter anderem die US-amerikanische Nachrichtenseite Newsweek oder das britische GB News.
McDonald’s distanziert sich von Vorwürfen
Dass es sich dabei um eine drei Jahre alte Kampagne handelte, geht jedoch bei der Empörung über die vermeintliche Islamisierung Deutschlands in den sozialen Netzwerken meist unter.
Zu den Vorwürfen im Netz schreibt McDonald’s: “McDonald’s fördert gemeinsam mit seinen Franchise-Nehmer:innen gezielt eine vielfältige und offene Gesellschaft, die ihren Zusammenhalt auf Werten wie Toleranz, Respekt und Miteinander baut.”
Laut einer Studie der Deutschen Islam Konferenz (DIK) aus dem Jahr 2020 leben in Deutschland zwischen 5,3 und 5,6 Millionen Muslime (einschließlich alevitischer Religionsangehöriger). Das entspricht zwischen 6,4 und 6,7 Prozent der Gesamtbevölkerung.


