Angriffe auf Iran: Gewagte Wette auf Regimewechsel

Angriffe auf Iran: Gewagte Wette auf Regimewechsel

Donald Trump ist auf einem Bildschirm zu sehen.


analyse

Stand: 28.02.2026 • 20:20 Uhr

Mit ihren Angriffen wollen die USA und Israel einen Machtwechsel in Iran bewirken. Dabei hoffen sie nun auf die iranische Bevölkerung. Doch Experten haben Zweifel und sagen, die Attacken könnten sogar das Gegenteil bewirken.

Ivo Marusczyk

US-Präsident Donald Trump hat den “Regime Change”, die Ablösung des Mullah-Regimes in Teheran, zum Ziel des “groß angelegten Kampfeinsatzes” erklärt. Neben der Zerstörung der iranischen Fähigkeiten, Raketen abzufeuern, der Vernichtung der Marine und der Zusicherung zu verhindern, dass das Land sich Atomwaffen verschafft.

Aus seiner Rede geht aber auch hervor, dass der “Regime Change” nicht durch einen Einmarsch in Iran erreicht werden soll, sondern dass er darauf setzt, dass das iranische Volk die Chance ergreift, wieder in Massen auf die Straßen zu gehen und so einen Umsturz zu erreichen. “Übernehmt die Regierung, wenn wir mit den Bombardierungen fertig sind, das ist wahrscheinlich eure einzige Chance auf Generationen hinaus.”

Diesen Aufruf richtete Trump an das “großartige stolze iranische Volk”. Die Stunde der Freiheit sei nun greifbar nah. Die Menschen in Iran sollten ihre Chance nutzen, das islamistische Regime zu stürzen. Trump schien aber selbst Zweifel zu haben, ob sein Aufruf Gehör findet, indem er hinterher schickte: “Schauen wir mal, wie ihr antwortet.”

Aus Jerusalem stieß Premierminister Benjamin Netanjahu in das gleiche Horn: “Nehmt Euer Schicksal in die eigenen Hände. Schaut in den Himmel, die Piloten der freien Welt kommen euch zu Hilfe, die Hilfe ist da.”

Kein Machtwechsel ohne Irans Bevölkerung

Die Antwort aus Teheran kam umgehend. Das sei eine “Mission Impossible”, antwortet Außenminister Abbas Araghtschi. Und die meisten Beobachter, Historiker und Nahost-Experten geben ihm Recht. Ob ein “Regime Change” allein durch Luftschläge anzustoßen ist, daran sind Zweifel angebracht.

So betont der Sicherheitsexperte Phillips O’Brien, Professor für Strategische Studien an der Universität St. Andrews in Schottland: “Zwar könnten Luftangriffe Gebäude zerstören und die derzeitige Führung schwächen. Aber ohne die Zusammenarbeit von Menschen innerhalb Irans, die bereit sind, Trumps Ziel der Ablösung der derzeitigen Regierung zu unterstützen, wird es keinen dauerhaften Machtwechsel geben.”

Schwächen die Angriffe Iran im Inland?

Abgesehen von den Luftangriffen ist völlig offen, wie die USA und Israel oppositionelle Kräfte unterstützen könnten oder würden. Trotz aller Zusicherungen, jetzt sei die Hilfe da, stehen sie nach wie vor weitgehend machtlos gegen ein brutales Unterdrücker-Regime.

Die Luftschläge schwächen die Armee und die Revolutionsgarden, daran besteht kein Zweifel. Doch das beeinträchtigt in erster Linie ihre Fähigkeiten, Ziele im Ausland wirkungsvoll anzugreifen. Ob es sie darin einschränkt, im Inland wie zuletzt im Dezember und Januar Proteste gewalttätig und blutig niederzuschlagen, ist damit nicht gesagt.

CIA-Analyse: Angriffe könnten Hardliner stärken

Stand heute ist nicht auszuschließen, dass die Luftschläge gegen militärische Ziele die Staatsführung im Iran schwächen und den Regimegegnern Auftrieb geben, wieder auf die Straße zurückzukehren. Doch auch das genaue Gegenteil dieses Szenarios ist denkbar – und vielleicht sogar wahrscheinlicher. Nämlich dass die Angriffe Israels und der USA auch der Legitimation jeglicher Proteste schaden. Das Regime könnte seinen Gegnern nun umso mehr vorwerfen, hinter ihren Aktionen stünden Feinde von außen.

Es ist ein durchaus denkbares Szenario, dass die massiven Luftschläge viele Menschen in Iran eher dazu bringen, sich zähneknirschend um die eigene Flagge zu scharen, sich hinter das Regime zu stellen.

Auch eine aktuelle Analyse des US-Auslandsgeheimdienstes CIA geht davon aus, dass Angriffe eher noch die Hardliner aus den Reihen der Revolutionsgarden stärken. Und dass sie die Lücken füllen könnten, falls es gelingen sollte, wichtige Anführer des Regimes auszuschalten.

“Heftige Gegenwehr und große Eskalationsrisiken”

Gerlinde Groitl, Strategie-Expertin der Universität Regensburg, unterstreicht, man müsse mit immenser Gegenwehr des Regimes rechnen, wenn dieses ums Überleben kämpft. Sie befürchtet, dass Iran nicht nur auf direkte Gegenangriffe setzt, sondern auch mit einer Sperrung der Straße von Hormus reagiert und mit weiteren Angriffen, etwa durch Terrorgruppen, die Teheran in der Region unterstützt. “Wenn das Ziel dieser Angriffe wirklich ein Regimesturz ist, dann werden wir mit heftiger Gegenwehr und wirklich einem gefährlichen Konflikt mit großen Eskalationsrisiken rechnen müssen”, sagte Groitl im Gespräch mit tagesschau24.

Es gibt keine klaren Aussagen, wie lange die Angriffe anhalten sollen. Israels Premier Netanjahu sprach von mehreren Tagen. Eine Rückkehr an den Verhandlungstisch ist Stand heute nicht ausgeschlossen. Doch eine Eskalation, die weitere Staaten im Nahen Osten mit betreffen würde, scheint heute das wahrscheinlichere Szenario zu sein. Mit den Angriffen den Anstoß zu einem “Regime Change” in Teheran zu geben, ist dagegen zumindest eine sehr gewagte Wette.

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