Zum Start der neuen Plattform lockt HBO Max “Game-of-Thrones”-Fans mit dem Ableger “A Knight of the Seven Kingdoms”. Die Strategie könnte aufgehen, denn die Serie macht einiges anders.
Sir Duncan ist groß. Er heißt ja auch “Sir Duncan, der Große”. Aber das war es auch schon mit den besonderen Eigenschaften des Titelhelden der neuen Serie “A Knight of the Seven Kingdoms”, einem Ableger der international enorm erfolgreichen Serie “Game of Thrones”.
Ein Ritter wie du und ich, bodenständig, auch wenn er auf einem Pferd sitzt – das ist eine Neuheit in der Welt von Westeros, dem Spielort der Serie. Bislang waren die Protagonisten der Geschichten immer Thronfolger, Adelige oder Drachenreiter. Zum Start des Streamingdienstleisters HBO Max erzählt die neue Serie “A Knight of the Seven Kingdoms” die sieben Königslande einmal anders: aus der Perspektive eines einfachen Mannes aus der Arbeiterklasse.
Warum HBO Max auf “Game of Thrones” setzt
“Game of Thrones” ist wohl die beliebteste Fantasy-Reihe aller Zeiten. Zum Start hat sich HBO Max alle Folgen der Original-Reihe um Jon Snow und Daenerys Targaryen sowie die zwei Staffeln des Prequels “House of the Dragon” gesichert, die zuvor noch bei Sky und Wow zu sehen waren.
Die Konkurrenz auf dem Streamingmarkt ist so groß wie nie. Dazu ist der Markt aufgerüttelt, weil unklar ist, wie es mit der Produktionsfirma Warner Bros. Discovery weitergeht, zu der auch HBO gehört.
Darum geht es in “A Knight of the Seven Kingdoms”
Mit der Serie “A Knight of the Seven Kingdoms” könnte HBO Max ein großer Wurf gelungen sein. Die Geschichte, die auf einer Erzählung von George RR Martin basiert, ist für eine Fantasy-Geschichte unkonventionell und erfrischend. Im Mittelpunkt der sechs je 30-minütigen und humorvollen Episoden steht der eingangs erwähnte Sir Duncan. Er wird gespielt vom ehemaligen Rugby-Spieler Peter Claffey und erinnert manchmal ein bisschen an David Cornswets Superman, nur eben ohne Superkräfte.
Sir Duncan ist ein gewöhnlicher, liebenswerter Trottel. Lange Jahre war er der Knappe eines alkoholabhängigen Heckenritters, ein Söldner ohne Landbesitz, der von Dorf zu Dorf zog und im Freien schlafen musste. Als dieser verstirbt, tritt Duncan seine Nachfolge an.
Wie Superman ohne Superkräfte: Peter Claffey als Sir Duncan, der Große in der HBO-Serie “A Knight of the Seven Kingdoms”.
Warum Westeros über Sir Duncan lacht
Und die sieben Königreiche lachen Sir Duncan aus, mit seinem rostigen Schwert und seiner abgehalfterten Rüstung. Er kann nicht mal besonders gut kämpfen, aber in der Hoffnung, sich ein paar Pennys dazuzuverdienen, meldet er sich bei einem Ritterturnier an – der Schauplatz der ersten Staffel.
Dort ist Sir Duncan auf die Hilfe anderer angewiesen. Zum Beispiel auf die der Puppenspielerin Tanselle und die eines Jungens namens Egg, gespielt von Dexter Sol Ansell. Egg hat sich die Haare abrasiert, der Kopf sieht ein bisschen aus wie ein Ei, daher sein Name. Er will unbedingt Sir Duncans Knappe sein – und hütet ein Geheimnis, das die ganze Geschichte schon bald auf den Kopf stellt.
“A Knight of the Seven Kingdoms” ist dabei auch in politischer Hinsicht innovativ. An den ersten Staffeln “Game of Thrones” liebten Fans schließlich die politischen Ränkespiele. Waren die früher jedoch aus Sicht der großen Häuser von Westeros erzählt, sehen Zuschauer hier, welche Folgen die ungerechte und ungleiche Gesellschaft für die einfache Bevölkerung hat. Einige wenige reiche Familien machen Regeln und Gesetze in den sieben Königreichen, wie es ihnen passt. Aber Duncan, der ehrliche Arbeiter, passt hier nicht rein.
Magisch, aber keine Fantasy-Story
Und auch zum anderen Game-of-Thrones-Prequel “House of the Dragon” ist “A Knight of the Seven Kindgoms” ein Gegenstück. Es ist eine Fantasy-Serie ohne Fantasy. Keine Drachen, keine gesichtslosen Assassinen, keine weißen Wanderer. Magisch ist die Serie aber trotzdem, vor allem, wenn Sir Duncan Verbündete im Kampf für Gerechtigkeit findet.
Denn das ist die Botschaft der Serie: Nur wer sich zusammenschließt, kann dem perfiden System die Stirn bieten, das in diesem lohnenswerten Prequel der eigentliche Bösewicht ist. Ironisch ist nur, dass man das Klassenkampf-Plädoyer aus der Feder von George RR Martin natürlich nicht kostenlos, sondern aktuell nur für 5,99 Euro mit Werbung sehen kann.
