Lange Trockenperiode: Trinkwasser in Teheran wird rationiert

Lange Trockenperiode: Trinkwasser in Teheran wird rationiert

In der Millionenmetropole Teheran brechen Sonnenstrahlen durch ein paar Wolken (Archivbild).

Stand: 08.11.2025 17:37 Uhr

Im Iran ist vielerorts seit Wochen kein Regen mehr gefallen, Stauseen haben zu wenig Wasser. 15 Millionen Menschen in der Hauptstadt Teheran wird deshalb nachts das Wasser abgedreht. Könnte das neue Proteste auslösen?

Die iranische Regierung greift angesichts der anhaltenden Dürre zu drastischen Maßnahmen und rationiert das Wasser. So soll in der Millionenmetropole Teheran die Wasserversorgung zeitweilig vom Abend bis zum Morgen abgestellt werden.

Energieminister Abbas Aliabadi sagte, der Schritt sei nötig, damit sich die Speicher wieder füllen könnten. In größeren Wohnkomplexen haben die Behörden die Bewohner dazu aufgefordert, Wasser in Badewannen und Behältern zu sammeln. Wie iranische Medien berichten, hat die abendliche Wasserabstellung in mehreren Stadtteilen Teherans bereits begonnen. Das Speichern von Wasser gehört inzwischen zum Alltag, besonders für die Toilettenspülung.

Auch anderswo im Iran wurden Pläne gegen die Wassernot in Angriff genommen. Im nordöstlichen Maschhad, der zweitgrößten Stadt des Landes, zieht Vizegouverneur Hassan Hosseini ebenfalls nächtliche Wasserabschaltungen in Betracht.

Stausee bei Shazand im Iran – der Wasserstand ist deutlich niedriger, als er zu dieser Jahreszeit sein müsste.

Stauseen führen deutlich weniger Wasser

Das iranische Staatsfernsehen zeigte Aufnahmen von mehreren Staudämmen, insbesondere in Isfahan im Zentrum des Landes und in Täbris im Nordwesten, wo die Stauseen deutlich weniger Wasser führten als in den Vorjahren.

Im gesamten Iran hat es in diesem Jahr zu wenig geregnet. 15 der 31 Provinzen haben der iranischen Nachrichtenagentur Isna zufolge seit Oktober überhaupt keinen Regen mehr gesehen. Besonders betroffen ist Teheran. Nach Angaben des regionalen Wasserversorgers enthält der Hauptwasserspeicher zur Versorgung der Stadt nur noch Wasser für zwei Wochen.

Präsident spekuliert über Evakuierung Teherans

Irans Präsident Massud Peseschkian hatte diese Woche gewarnt, falls die Trockenperiode länger anhalte, erwäge er sogar eine Evakuierung der Hauptstadt Teheran mit ihren rund 15 Millionen Einwohnern. Beobachtern zufolge ist eine solche Evakuierung jedoch eine rhetorische Ankündigung ohne konkretes Umsetzungspotenzial. Die Verlegung der Hauptstadt würde Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, da sämtliche zentralen Behörden sowie die Arbeitsplätze der Mehrheit der Bevölkerung in Teheran liegen. Ein Umzug wäre daher für die meisten Teheraner kaum möglich.

Kritiker werfen dem islamischen System des Landes vor, in den vergangenen Jahren nationale Einnahmen in regionale Konflikte gesteckt zu haben, anstatt sie in die grundlegenden Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung – etwa in alternative Wasserversorgungssysteme – zu investieren. Angesichts der anhaltenden Wasserkrise wird zunehmend darüber spekuliert, dass es im Land zu landesweiten Protesten und sozialen Unruhen kommen könnte.

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