Welche Folgen der Iran-Krieg für Somaliland hat

Welche Folgen der Iran-Krieg für Somaliland hat

Blick auf den Hafen von Berbera (Somaliland).

Stand: 10.03.2026 • 10:19 Uhr

Somaliland strebt nach Unabhängigkeit von Somalia. Als eigenständiger Staat wird die Region nur von Israel anerkannt, das am Golf von Aden strategische Interessen verfolgt. Der Iran-Krieg macht die Lage besonders brisant.

Karin Bensch

Im Hafen von Berbera stehen lange Reihen von großen Schiffscontainern. Riesige Frachtschiffe sind an der Kaimauer der Stadt im Norden von Somaliland festgemacht. Es ist ein wichtiger Handelsort am Golf von Aden, Richtung Nahost. Von hier aus werden Lebensmittel und Konsumgüter transportiert, aber nicht nur das.

“Historisch gesehen war Berbera das Zentrum für den Viehexport in der gesamten Region”, sagt Ali Diriye Ahmed, Direktor der Hafenbehörde, der Nachrichtenagentur AFP. Das sei bis heute so: “Wir exportieren hier jedes Jahr mehr als vier Millionen Tiere in den Nahen Osten und die Golfstaaten.”

Anerkennung als Chance – und als Gefahr

Somaliland ist offiziell eine Region des ostafrikanischen Landes Somalia. Doch es hat sich bereits vor fast 35 Jahren für unabhängig erklärt. Vor Kurzem wurde es von Israel als souveräner Staat anerkannt. Diese Anerkennung könnte in Zukunft ein Segen für Somaliland werden – während des derzeitigen Krieges aber auch Gefahren bergen.

Denn Huthi-Rebellen im Jemen, die vom Iran unterstützt werden, haben bereits gewarnt: Jede israelische Präsenz in Somaliland werde als militärische Provokation angesehen. Zudem gibt es eine lokale Bedrohung durch Al-Shabaab, dem somalischen Ableger der Terrorgruppe Al-Kaida. Al-Shabaab erklärte, jeden Versuch Israels, Somaliland zu nutzen, zu bekämpfen.

Beobachter gehen davon aus, dass bereits israelische Streitkräfte vor Ort sind und eine Militärbasis der Vereinigten Arabischen Emirate nutzen. Denn von Somaliland aus können die Israelis die Huthi im Jemen aus der Nähe beobachten, möglicherweise sogar angreifen.

Emirate investieren seit Jahren

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate engagieren sich in Somaliland. Sie betreiben nicht nur eine Militärbasis, sondern investieren bereits seit zehn Jahren in den Hafen von Berbera. Ein großes Hafen- und Logistikunternehmen aus Dubai hat den Hafen modernisiert. Das Containeraufkommen ist in den vergangenen drei Jahren um 30 Prozent gestiegen.

Doch für gute Geschäfte braucht es sichere Handelswege. Und das ist derzeit ein großes Problem: Internationale Handelsschiffe stecken im Persischen Golf fest, weil die Durchfahrt durch die wichtige Straße von Hormus infolge des Krieges kaum möglich ist. Laut des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg liegen dort allein 25 deutsche Handelsschiffe fest.

Umweg macht alles teurer

Aber auch die zweite wichtige Route nach Europa, über das Rote Meer und den Suezkanal, sei nicht nutzbar, so der VDR, und das bereits seit längerer Zeit: “Die Huthi-Rebellen hatten schon vor drei Jahren angefangen, Handelsschiffe zu beschießen in der Seeregion”, sagt Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des VDR. “Deswegen war es ohnehin eine sehr unsichere Gegend.”

Deutsche Reedereien hätten sich schon vor längerer Zeit entschieden, diese Strecke nicht mehr zu nutzen, so Kröger: “Wir fahren jetzt um das Horn von Afrika herum.” Einmal rund um Afrika – von Asien nach Europa: Das kostet mindestens zwei Wochen mehr Zeit und bedeutet deutlich höhere Treibstoffkosten. Produkte werden dadurch teurer.

Vielversprechende Zukunft?

Zurück im Hafen von Berbera: Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate sehen hier eine vielversprechende Zukunft – sowohl beim Handel als auch beim Militär. Somaliland hofft auf mehr Wohlstand und internationale Anerkennung. Solange es diesen Krieg gibt, ist das jedoch schwierig.

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