New Yorker Weinhändler kippte Trumps Zölle

New Yorker Weinhändler kippte Trumps Zölle

Zahlreiche Weinflaschen stehen in einem Regal.

Stand: 10.03.2026 • 10:40 Uhr

Nicht große Konzerne wie Amazon oder Walmart haben Trumps Zölle vor dem Obersten US-Gericht gekippt, sondern ein kleiner Weinhändler aus Manhattan. Der will die zu Unrecht gezahlten Zölle nun möglichst schnell zurück.

Martin Ganslmeier

Seit 40 Jahren importiert Victor Owen Schwartz Weine und Spirituosen vor allem aus Frankreich und dem Mittelmeerraum in die USA. Das vergangene Jahr war für ihn ein regelrechter Sturm: Erst die Zölle von US-Präsident Donald Trump, dann der Kursverfall des Dollars gegenüber dem Euro – um 30 Prozent verteuerten sich seine Importe.

Umso größer war seine Freude über das Urteil des Obersten Gerichtshofs: “Wir sprangen hoch und tanzten”, sagt Schwartz: “Und das, obwohl ich eine kranke Hüfte habe.”

Schwartz: Trump sollte als Geschäftsmann Einsehen haben

In den zwei Wochen seit dem Urteilsspruch erreichten ihn Tausende Mails und Dankesbriefe aus dem ganzen Land. In seinem Büro in Manhattan zeigt er auf den Stapel auf seinem Schreibtisch: “Das ist von Geschäftsleuten aus dem ganzen Land. Das hat nichts mit Politik zu tun, es geht ums Geschäft. Und als Geschäftsmann sollte der Präsident einsehen, dass er mit seinen Zöllen eine schlechte Geschäftsentscheidung getroffen hat.”

Dass eine renommierte Anwaltskanzlei sich ausgerechnet ihn als Chefkläger aussuchen würde, hätte sich der Weinhändler aus New York nie träumen lassen. Eigentlich wollte er den Anwälten nur schildern, wie sehr Trumps Zölle sein Unternehmen gefährden.

“Bezos und Zuckerberg haben nichts gemacht”

Und ihn ärgerte, dass viele der großen Unternehmen nicht den Mut hatten, gegen Trumps Zölle vorzugehen: “Die Bezos’ und Zuckerbergs dieser Welt haben nichts gemacht. Für sie war es einfach ein weiterer Kostenfaktor. Wir Kleinunternehmen können nicht mal eben 150.000 Dollar zusätzlich zahlen und weitermachen wie bisher.” Wenn die großen Unternehmen den Schwanz einziehen, dann müssen sich wenigstens die kleinen wehren, entschied Schwartz.

Den Kampfgeist hat er von seinem jüdischen Vater geerbt. Der heute 101-Jährige floh 1939 vor den Nazis aus seiner Heimatstadt Stuttgart und begann in New York von vorn.

“Der große Gewinn” sei der Sieg gegen Trump

Auch sein Sohn, der Weinhändler, schaut jetzt nach vorne. Innerhalb der nächsten drei Monate will er jeden Dollar der zu viel gezahlten Zölle zurück bekommen: “Klar willst du dein Geld zurück, wenn du zu viel gezahlt hast. Aber noch wichtiger ist, dass der Gerichtshof dem Präsidenten gesagt hat: Du hast gegen das Gesetz verstoßen. Das ist der große Gewinn.”

Schwartz zeigt auf eine Taschenausgabe der US-Verfassung: Die Gerichte in den USA haben ihre Unabhängigkeit bewiesen. Auch das Handelsgericht der Vereinigten Staaten entschied vergangene Woche, dass die Trump-Regierung innerhalb von 45 Tagen erläutern muss, wie es die Zolleinnahmen in Höhe von bis zu 175 Milliarden US-Dollar an die Importeure zurückzahlen will. Für den Weinhändler aus New York sind das etwa 150.000 Dollar.

Schwartz: Importeure und Kunden zahlen die Zölle

Sollte der US-Präsident in einem halben Jahr erneut Zölle ohne Zustimmung im Kongress erheben, dann werde er wieder klagen, kündigt Schwartz an. Denn anders als von Trump behauptet, zahlen nicht ausländische Hersteller die Zölle, sondern die Importeure sowie die Kundinnen und Kunden in den USA: “Er besteuert die Amerikaner. Das Geld kommt aus meiner Tasche und von meinen Kollegen. Wie kann sich Trump damit rühmen? Ist er stolz, Geld von uns zu stehlen?”

David habe sich gegen Goliath durchgesetzt, lobten US-amerikanische Medien den Weinhändler aus New York. Ein bisschen komme er sich vor wie ein “Kleinstadt-Held aus einer sehr großen Stadt”, so Schwartz.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *