Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter wird 90

Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter wird 90

Sepp Blatter (Archivbild: 25.03.2025)

Stand: 10.03.2026 • 13:07 Uhr

Korruptionsvorwürfe, FIFA-Skandale und ein Freispruch vor Gericht: Sepp Blatter prägte den Weltfußball über Jahre. Nun wird das einstige Gesicht der FIFA 90 – und hat noch einen letzten Wunsch an seinen ehemaligen Arbeitgeber.

Kathrin Hondl

Sepp Blatter ist ein Medienprofi. Für das Interview kurz vor seinem 90. Geburtstag platziert er sich gut gelaunt im Restaurant gleich neben der Zentrale des Weltfußballverbands (FIFA) in Zürich. “Das heißt Sonnenberg”, sagt Blatter: “Und ich hab Sonne im Herzen.” Sein Blick verdüstert sich nur, wenn die Rede auf den Mann kommt, den er als “Sonnenkönig” und Diktator beschimpft: Gianni Infantino.

Infantino ist, wie Sepp Blatter, ein Schweizer aus dem Wallis und seit zehn Jahren sein Nachfolger als FIFA-Präsident. “Er hat jetzt diese Macht bekommen und hat sie total missbraucht”, sagt Blatter. “Dass es überhaupt keinen Protest gegen die Machenschaften des Präsidenten gibt, das ist mir unverständlich.”

“Fußball war für mich alles”

Dass Infantino den Fußball-WM-Pokal zu US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus trug, dass er Trump sogar mit einem sogenannten FIFA-Friedenspreis auszeichnete, macht den Ex-FIFA-Boss Blatter wütend. “Sie sind mindestens Komplizen geworden, die zwei, und das ist für den Fußball nichts Schönes.”

Wenn jemand einen Friedenspreis bekommen sollte, sei es die FIFA, so Blatter: “Das ist ja eine große Friedensbewegung.” Als Friedensstifter sah sich Fußballfunktionär Blatter immer gern. Doch auch er galt als machtbewusster Herrscher.

Blatter machte FIFA reich

Blatters Karriere beim Weltfußballverband begann 1975 als Direktor für Entwicklungsprogramme. Sechs Jahre später wurde er Generalsekretär und 1998 schließlich FIFA-Präsident. “Ich war ja wie ein Missionar für Fußball, habe mit Fußball gelebt, gegessen, getrunken, geschlafen”, sagt Blatter. “Der Fußball, das war für mich alles.”

Blatter, der in Lausanne Volkswirtschaft studiert hatte, machte die FIFA von einem klammen Sportverband zum Milliardenimperium – mit der Vermarktung von Fernsehrechten und lukrativen Sponsorenverträgen. “Das erste Geld, das ich für die FIFA verdient habe, war der große Vertrag mit der Coca-Cola-Company”, erinnert sich Blatter. “Nachdem wir die an Land gezogen haben, kamen auch die anderen Sponsoren dazu. Wir wurden reich.”

Ermittlungen des US-Justizministerium

Doch die Ära Blatter bei der FIFA ist auch geprägt von Korruptionsvorwürfen und Krisen. Im Mai 2015 kommt es zum großen Eklat: Im Zürcher Luxushotel Baur Au Lac werden mehrere FIFA-Funktionäre festgenommen. Das US-Justizministerium ermittelt wegen Bestechung, Geldwäsche und Betrug, unter anderem bei der Vergabe von Fußballweltmeisterschaften.

Auf einer Pressekonferenz bewirft ein britischer Comedian den FIFA-Boss mit Geldscheinen – und zwar, so erinnert sich Blatter, nicht mit Spielgeld, wie bis heute immer wieder berichtet wird: “Richtige Dollarscheine – das ist die größte Frechheit, es waren richtige Dollar.”

“Ich habe mir nichts vorzuwerfen”

Blatter muss den FIFA-Präsidenten-Thron aufgeben. Die Schweizer Justiz ermittelt gegen ihn wegen einer dubiosen Millionenzahlung an den damaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini. Es folgen eine Sperre der FIFA-Ethikkommission und ein jahrelanges Gerichtsverfahren.

Erst 2025 wird Blatter von den Betrugsvorwürfen freigesprochen. Aber noch immer kämpft der einst mächtigste Mann des Weltfußballs um seinen Ruf und beteuert: “Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe ein ruhiges Gewissen, darum kann ich auch so gut schlafen, das ist sicher.”

Ein letzter Wunsch

Jetzt – zum 90. Geburtstag – hätte er allerdings noch einen Wunsch. “Die FIFA hat mich nie verabschiedet”, sagt Blatter. “Die hat nie gesagt, ‘Blatter ist nicht mehr Präsident’.” Er wünsche sich, dass man ihn in Ehre verabschiede – und sich dafür bedanke, was er geleistet habe, so Blatter.

Die FIFA will sich auf Anfrage zu diesem Wunsch nicht äußern. Blatter ist überzeugt, das liege nur an seinem Nachfolger Gianni Infantino: “Solange dieser Präsident da ist, wird niemand aufstehen und sagen, man sollte mich verabschieden. Da hat niemand die Courage”, so Blatter. “Ich profitiere davon, dass man ihn nicht mag. Aber das nützt mir nichts.”

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