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Obwohl sich die Verkaufszahlen sehen lassen können, bricht der Gewinn bei VW ein. Und die Probleme sind nur zum Teil hausgemacht. Wohin wird der Konzern steuern?
Eine Jahresbilanz vorzustellen ist naturgemäß eine ziemlich erklärungsbedürftige Angelegenheit – erst recht, wenn es um eins der weltweit größten Unternehmen geht. Aber in diesem Jahr hatte VW-Konzernchef Oliver Blume besonders viel damit zu tun, das Zahlenwerk zu erklären – man könnte fast sagen, zu rechtfertigen.
Um etwa die Hälfte ist der Vorsteuergewinn eingebrochen, auf knapp neun Milliarden Euro. Aber: Das schlechte Ergebnis liegt nicht in erster Linie daran, dass die Kundinnen und Kunden keine Autos mehr aus dem Hause Volkswagen gekauft haben, im Gegenteil: Mit gut neun Millionen Fahrzeugen weltweit hat der Konzern in etwa so viele Autos verkauft wie im Vorjahr.
Verkaufszahlen sind nicht das Problem
Die Probleme liegen also eher woanders. Einige sind hausgemacht, auf andere hat das Unternehmen dagegen kaum oder gar keinen Einfluss. Beispiel US-Zölle: Auf rund fünf Milliarden Euro summiert Blume die direkten und indirekten Folgen der US-Zollpolitik.
Dagegen war die Elektro-Strategie für die Premiummarke Porsche eine eigene strategische Entscheidung. Und weil diese nicht wie erwartet aufgegangen ist, hat sich der Konzern 2025 für einen Strategiewechsel entschieden und baut jetzt doch noch länger als geplant Verbrenner- und Hybridmodelle – parallel zu den Elektromodellen. Ein Schwenk, der ebenfalls Milliarden gekostet hat.
An der grundsätzlichen Einstellung zur E-Mobilität ändert all das allerdings nichts: “Einfach, weil wir sie für den überlegenen Antrieb halten”, so Blume auf der Jahrespressekonferenz. Ganz ohne E-Strategie wären die Probleme für Porsche außerdem noch gravierender geworden, glaubt er. Dann hätten die CO2-Strafen der EU dem Unternehmen möglicherweise das Genick gebrochen.
Modelle, die die Menschen begeistern
Klar ist aber: Von Blume wird erwartet, dass er für all diese Probleme – seien sie hausgemacht oder von Regierungschefs anderer Länder verursacht – Lösungen findet. Er selbst sagt: “Wir stellen fest, dass das Geschäftsmodell, was uns über Jahrzehnte getragen hat, dass das in der Form nicht mehr funktioniert.” Das gelte nicht nur für VW, sondern im Prinzip für die gesamte Industrie in Deutschland.
Seine Antworten: Erstens Modelle auf den Markt bringen, die die Menschen begeistern. Gerade bei den ersten Elektromodellen war genau das das Problem: Verarbeitung und Software zu schlecht, der Preis zu hoch. Mittlerweile sieht das anders aus, zuletzt hat Volkswagen für einige seiner E-Modelle Preise gewonnen, und auch die Verkaufszahlen in Europa gehen nach oben.
Um 66 Prozent zog der Verkauf von E-Autos im vergangenen Jahr an, Volkswagen ist auf dem europäischen Markt führend bei Verbrennern und E-Modellen. Ein Trend, der sich in diesem Jahr fortsetzen könnte, sagt Helena Wisbert, Automobilexpertin der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg. “Auch weil die neuen Elektromodelle für die Kunden interessant sind, die eine Förderung erhalten können.” So kommt etwa in wenigen Wochen der in Spanien gefertigte elektrische Cupra Raval auf den Markt. Einstiegspreis: 25.000 Euro.
Weiter sparen – und auf Rüstung setzen?
Blumes zweite Antwort auf die vielfältigen Herausforderungen: sparen. Von 2023 an hat Volkswagen verschiedene Sparprogramme gestartet – und sie zeigen Wirkung, so Blume. Um 20 Prozent seien die Werkskosten in den drei großen Werken Wolfsburg, Zwickau und Emden gesunken, und auch der Stellenabbau läuft. 50.000 Jobs bei der Volkswagen AG, bei Porsche, Audi und der Software-Tochter Cariad sollen bis 2030 sozialverträglich abgebaut werden.
Völlig offen ist nach wie vor die Zukunft des Werks in Osnabrück mit gut 2.000 Beschäftigten. Noch in diesem Jahr werde es für die Beschäftigten Klarheit geben, wie es weitergehe, so Blume im Interview mit dem NDR: “In Osnabrück sind Gespräche mit der Rüstungsindustrie vielversprechend. Und wenn wir dazu beitragen können, mit unserem Know-how, mit unseren Kapazitäten, dort auch die Rüstung zu unterstützen, dann werden wir das machen.”

