marktbericht
Die Hoffnung auf ein absehbares Ende des Iran-Krieges treibt die Kurse. Besonders stark legen Airline-Aktien zu. Gleichzeitig machen gestiegene Energiepreise und Luftraumsperrungen den Fluggesellschaften zu schaffen.
Hat Donald Trump mit seiner Aussage Recht, dass der Iran-Krieg “so gut wie beendet” sei? Auch wenn der US-Präsident mit seinen Zeitangaben in der Regel sehr freizügig umgeht, hat die Aussage die Anlegerinnen und Anleger doch daran erinnert, dass dieser Luftkrieg nicht auf Dauer angelegt ist.
An den Aktienmärkten ist daher die Hoffnung auf ein absehbares Ende der gegenseitigen Attacken erwacht. Der DAX gewinnt bis zum frühen Nachmittag 2,1 Prozent auf 23.895 Punkte. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent ist wieder auf gut 93 Dollar zurückgefallen.
Lufthansa-Aktie kräftig erholt
Auffallend hoch sind die Gewinne bei Airlines. Das Papier der Lufthansa legte bisher um bis zu acht Prozent zu und ist damit größter Gewinner im MDAX. Zu der Kurserholung trägt auch die Nachricht bei, dass der Konzern für die kommenden Wochen vier zusätzliche Flüge von München nach Singapur sowie jeweils zwei von Frankfurt nach Kapstadt und Riad anbieten will. Die Tochter Austrian Airlines hat zudem bereits zehn Sonderflüge von Wien nach Bangkok eingerichtet.
Die Lufthansa leidet nicht nur unter den Luftraumsperrungen, sondern profitiert auch von Ausfällen bei den Konkurrenten vom Arabischen Golf wie Emirates, deren Betrieb durch Beschuss aus dem Iran besonders stark eingeschränkt ist.
Auch die europäischen Branchenkollegen sind stark gefragt. Air France KLM gewannen zeitweise mehr als sieben, Ryanair rund fünf Prozent.
Höhere Ticketpreise wegen Kerosinkosten
Zum Teil punkten die Fluggesellschaften bei den Anlegern auch mit höheren Ticketpreisen. So haben die skandinavische Fluggesellschaft SAS und zahlreiche Airlines in Fernost ihre Preise wegen der steigenden Kerosinkosten vorübergehend erhöht. Sowohl die australische Fluggesellschaft Qantas als auch Air New Zealand kündigten an, die Flugpreise wegen des Nahostkonflikts anzuheben. Die Treibstoffpreise, die vor dem Konflikt bei etwa 85 bis 90 Dollar pro Barrel lagen, seien zuletzt drastisch auf 150 bis 200 Dollar pro Barrel gestiegen, rechnete Air New Zealand vor.
Schon zuvor waren die Flugpreise auf den Routen zwischen Asien und Europa aufgrund der Luftraumsperrungen und Kapazitätsbeschränkungen in die Höhe geschnellt. Rund um den Persischen Golf haben Drohnen- und Raketenbeschuss den Flugverkehr stark eingeschränkt. Das hat zu zahlreichen Flugausfällen und teuren Streckenumleitungen geführt.
Nur eine Momentaufnahme
Die starken Gewinne bei den Airline-Aktien muss man denn auch in Relation zu den heftigen vorherigen Verlusten sehen. Die nach oben geschnellten Treibstoffkosten und die Luftraumsperrungen machen die Gesellschaften zu doppelten Verlierern des Kriegs am Persischen Golf.
Die Aktie der Lufthansa beispielsweise notiert immer noch knapp 14 Prozent unter ihrem Zwischenhoch im Februar. Die Kursgewinne müssen daher als Momentaufnahme gelten. Denn nach wie vor ist völlig unklar, wie nachhaltig der Iran-Konflikt auf die Flugsicherheit in der Region und die Treibstoffkosten wirkt.
