Jubel bei den Grünen, Ernüchterung bei der CDU, Zufriedenheit bei der AfD und Schock bei der SPD: Viele Bundespolitiker haben auf die ersten Zahlen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg reagiert.
Der Bundesvorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, hat das Wahlergebnis seiner Partei in Baden-Württemberg bejubelt: “Was für ein Start in dieses Superwahljahr”, sagte er vor Anhängern der Grünen in Berlin. “Dieses Ergebnis bringt uns so einen Rückenwind”, fügte er auch mit Blick auf die weiteren Wahlen in diesem Jahr hinzu. “Die Grünen, mit denen ist zu rechnen in diesem Land.”
Co-Parteichefin Franziska Brantner sagte in der ARD: “Es ist fantastisch zu sehen, dass sich die Baden-Württemberger für Mut und Zuversicht entschieden haben.” Das Ergebnis sei auch ein großer Erfolg für den Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir. Der sieht sich selbst noch nicht als Wahlsieger. Er hoffe, dass sich die Hochrechnungen bestätigten. “Was für ein Wahlkampf. Was für eine fulminante Aufholjagd”, sagte Özdemir bei seiner ersten Reaktion in Stuttgart.
Linnemann spricht von Rückenwind der Bundes-CDU
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann gab die Wahl für seine Partei noch nicht verloren. Der ARD sagte er: “Natürlich hoffen wir noch”, und verwies auf die knapperen Prognosen des ZDF. Er zeigte sich überzeugt, dass die Unionspolitik im Bund der CDU in Baden-Württemberg Rückenwind gegeben habe. Gleichzeitig räumte er ein: Alles andere als ein Wahlsieg “wäre nicht richtig”. Es müsse nun “schon ein kleines Wunder geschehen”, damit die CDU noch gewinne.
Der Fraktionschef der Union im Bundestag, Jens Spahn (CDU), betonte, dass die CDU im Vergleich zur letzten Wahl “deutlich zugelegt” habe. CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel hat die Verantwortung für das Abschneiden seiner Partei übernommen. Er trage für den Wahlkampf, für die Wahlkampagne, “für alle Entscheidungen, die wir getroffen haben, und ja, für dieses Ergebnis die Verantwortung”, sagte Hagel in Stuttgart. Der Ball liege nun bei den Grünen im Spielfeld.
Aus Sicht von Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) sind die Grünen in Baden-Württemberg nicht aufgrund grüner Politik gewählt worden. Sie hätten ihr Parteilogo im Wahlkampf “kontinuierlich versteckt”, sagte Frei in der ARD. Er attestierte den Grünen eine “große Aufholjagd”. Dass seine CDU voraussichtlich nicht zur ersten Kraft aufsteige, habe nicht an der Bundespolitik gelegen. “Die Bundespartei hat geliefert und liefert.”
Weidel freut sich über Verdopplung
AfD-Co-Chefin Alice Weidel zeigte sich mit dem Wahlergebnis zufrieden, es laufe auf eine Verdoppelung des vorherigen Ergebnisses hinaus, “damit können wir sehr zufrieden sein”, wie sie in der ARD sagte. Die AfD liegt den Hochrechnungen zufolge bei gut 18 Prozent – fast doppelt so viel wie bei der Landtagswahl 2021, als sie noch auf 9,7 Prozent kam. Co-Parteichef Tino Chrupalla sagte: “Wir sind der Gewinner des Abends.”
Spitzenkandidat Markus Frohnmaier lobte das AfD-Ergebnis insbesondere vor dem Hintergrund einer Zuspitzung des Wahlkampfes auf Grüne und CDU. Er betonte die neue Rolle der AfD als wichtigste Oppositionspartei in Baden-Württemberg. “Wir haben uns im Grunde als die relevante Oppositionskraft im Südwesten etabliert”, so Frohnmaier in der ARD. “Eines ist doch jetzt bei dieser Wahl ganz deutlich geworden: Baden-Württemberg will eigentlich eine konservative Mehrheit”, sagte er im ZDF.
SPD schockiert von neuem Tiefpunkt
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat den Ausgang der Wahl in Baden-Württemberg als “sehr bitteres Wahlergebnis für uns” bezeichnet. Der SPD habe eine Polarisierung geschadet: Im Wahlkampf habe es eine Zuspitzung auf die Frage gegeben, ob der Grünen-Kandidat Özdemir oder der CDU-Kandidat Hagel gewinnen werde. Dies sei zulasten der SPD gegangen, sagte Klüssendorf der ARD: “Wir sind da unter die Räder gekommen.”
Partei-Co-Chefin Bärbel Bas sprach von einem “sehr bitterem Wahlabend”. Die SPD sei mit ihren Themen nicht durchgedrungen, weil sich alles auf die Spitzenkandidaten von Grünen und CDU konzentriert habe. Die SPD habe “versucht, an der Seite der Beschäftigten zu stehen”.
Es habe die SPD Stimmen gekostet, “dass jeder Wähler und jede Wählerin wusste, mit der Stimme bei diesem Kopf-an-Kopf-Rennen kann man diese Entscheidung auch wirklich beeinflussen”, sagte SPD-Co-Chef Lars Klingbeil. Das Abschneiden seiner Partei nannte er ein “unglaublich schlechtes Ergebnis”.
Der SPD droht ihr schlechtestes Wahlergebnis bei Landtagswahlen überhaupt. Bislang lag der Tiefpunkt 2024 in Thüringen mit 6,1 Prozent. Spitzenkandidat Andreas Stoch kündigte persönliche Konsequenzen an. Er werde sich dafür einsetzen, “dass meine Partei an der Spitze unserer Landespartei, aber auch an der Fraktionsspitze eine Neuausrichtung vornimmt”, sagte er in der ARD.
Van Aken teilt gegen Hagel aus
Die Linke hat sich zufrieden mit ihrem Ergebnis gezeigt. Laut Hochrechnungen hat die Linke zugelegt, den Einzug in den Landtag aber verpasst. Parteichef Jan van Aken sagte in der ARD, Briefwahlstimmen seien noch nicht berücksichtigt, sodass sich das Ergebnis für die Linke noch verbessern könne.
“So stark war die Linke noch nie in Baden-Württemberg”, sagte er. CDU-Kandidat Manuel Hagel sei “so eine Pfeife gewesen”, dass viele Wählerinnen und Wähler alles tun wollten, um diesen Mann zu verhindern. Das habe die anderen Parteien zwei, drei Prozentpunkte gekostet.
Rülke: “Damit endet eine Tradition”
Hans-Ulrich Rülke, FDP-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, zeigte sich konsterniert: “Das ist im Moment kein angenehmer Abend”, sagte er in der ARD. “Damit endet eine Tradition in Baden-Württemberg, wir waren ja noch nie außerparlamentarisch in der Geschichte des Landes.” Auch er sprach von einer “extremen Polarisierung” auf das Rennen zwischen den Spitzenkandidaten Özdemir und Hagel.
FDP-Chef Christian Dürr sprach nach dem enttäuschenden Ergebnis für die Liberalen von einem “bitteren Wahlabend”. Ein Ende für die FDP als Partei sieht Dürr angesichts des Ergebnisses aber nicht: “Wir sind nach der Bundestagswahl bei Null gestartet und mir war klar, dass das ein Marathonlauf wird und kein Sprint ist”, sagte er in der ARD. Dazu gehörten auch Niederlagen, die FDP sei mitten in der Erneuerung.
