Moped-Autos boomen, vor allem bei jungen Menschen und auf dem platten Land. Die Leichtfahrzeuge sind weder besonders schnell, noch besonders sicher, aber man darf sie mit einem Mopedführerschein fahren.
Reinsetzen, anschnallen, anlassen: Sarah Fandel fährt zur Schule. An sich nichts Besonderes, aber Sarah ist erst 16 Jahre alt. Und ihr weißer Zweisitzer ist auch kein normaler Kleinwagen, sondern ein sogenanntes Moped-Auto, auch “Microcar” genannt. Gerade mal sechs PS hat es unter der Haube, fährt Spitze 45 Kilometer pro Stunde. Ein Aufkleber auf dem Heck weist darauf hin.
Und man darf es mit einem Mopedführerschein fahren, den kriegt man schon mit 15 Jahren. Für Sarah bedeutet das Leichtkraftfahrzeug vor allem: Freiheit und Unabhängigkeit. “Ich bin mobiler und auch unabhängiger von Bussen und meinen Eltern, wenn die zum Beispiel arbeiten sind.”
Moped-Auto statt Elterntaxi
Sarah Fandel wohnt im 170-Einwohner-Dorf Weidingen in der Eifel. Das Gymnasium liegt in Neuerburg, elf Kilometer entfernt. Dreimal am Tag fährt der Bus, ohne Auto ist man hier aufgeschmissen. Nicht nur für den Schulweg, auch das Training im Sportverein oder einfach nur Treffen mit Freunden – meist hilft nur noch das Elterntaxi.
Da ist das Moped-Auto eine gute Alternative, findet Sarahs Vater, Johannes Fandel. Er hat es ursprünglich für Sarahs ältere Schwester angeschafft. “Wenn ich auf die Tachonadel schaue, sind fast 16.000 Kilometer gefahren, alles Kilometer, die wir sonst mit den Kindern hätten bewerkstelligen müssen, und dafür sind wir dankbar. Und auch dafür, dass die Kinder mit diesem Fahrzeug verantwortungsvoll umgehen.”
Klein, unauffällig, unsicher
Wie viele dieser Microcars hierzulande unterwegs sind, lässt sich schwer ermitteln. Die Fahrzeuge müssen nicht beim Kraftfahrt-Bundesamt angemeldet werden wie normale Pkw, sondern dürfen mit Versicherungskennzeichen fahren. Daher tauchen sie nicht in der Statistik auf. Nach Angaben des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft kurvten im Jahr 2023 etwa 32.000 Moped-Autos auf Deutschlands Straßen herum. Wobei sie – verglichen mit “normalen” Autos – eher dahinschleichen. Genau das finden Kritikerinnen und Kritiker gefährlich.
Von außen wirkten die Leichtfahrzeuge nicht wie ein langsames Moped mit Fahrerkabine, würden daher von anderen Verkehrsteilnehmern schnell falsch eingeschätzt. Komme es zum Crash, würden die Moped-Autos außerdem kaum Schutz bieten. Christian Schmidt vom ADAC Mittelrhein warnt: “Das Fahrzeug hat keine Knautschzone. Wenn man irgendwo gegenfährt, ist da wenig Luft.”
Keine Fahrt auf Autobahnen
Zugleich seien die Fahrzeuge mit wenig passiven Sicherheitssystemen ausgerüstet. “Airbag, ABS, ESP oder aber auch der Gurtstraffer, was im herkömmlichen Pkw quasi Standard ist, ist in diesen Kleinstfahrzeugen nicht gesetzlich vorgeschrieben und meist auch nicht drin”, sagt Schmidt.
Immer wieder gibt es Unfälle mit Moped-Autos, aber im Verhältnis nicht mehr als mit normalen Pkw. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft kommen auf 1.000 Pkw im Schnitt etwa 50 Unfallschäden, bei Microcars seien es dagegen 47 Schadensfälle. Dazu mag auch beitragen, dass diese Fahrzeuge nicht auf Kraftfahrstraßen und Autobahnen fahren dürfen.
Moped-Autos sind vor allem in ländlichen Regionen und bei jungen Leuten beliebt.
Einfach günstig
Gerade auf dem Land, bei Fahreinnen und Fahrern unter 17 Jahren und auch bei Senioren gibt es laut ADAC einen Trend zum Moped-Auto. Dazu tragen neben der vergleichsweisen niedrigschwelligen Fahrerlaubnis auch die Anschaffungskosten bei: Neu kosten die Microautos zwischen 9.000 und 20.000 Euro, das ABS kann als Sonderausstattung dazugekauft werden, Airbags sind dagegen tatsächlich nicht vorgesehen.
Deutlich teurer als ein Moped, aber eben auch deutlich komfortabler. Und wenn der vierrädrige Untersatz nur als Zwischenlösung auf dem Weg zum echten Kleinwagen gedacht ist, kann man auf dem Gebrauchtwagenmarkt noch einen anständigen Preis dafür erzielen. Darauf setzt auch Johannes Fandel – dann, so sagt er, habe sich die Anschaffung wirklich gelohnt.
Bis es so weit ist und Sarah ihren Autoführerschein in der Tasche hat kann, fährt sie weiter mit ihrem Moped-Auto. Denn damit kommt sie überall hin – wenn auch nur mit Tempo 45.

