Jeder fünfte Deutsche gilt als ausgeprägt rechts oder rechtsextrem, wie der ARD-DeutschlandTrend zeigt. Dieser Wert liegt damit auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Im Zehnjahresvergleich ist er sogar leicht rückläufig.
Der Anteil von Wahlberechtigten mit rechtsextremen oder ausgeprägt rechten Einstellungen bleibt in Deutschland auch Anfang 2026 fast unverändert auf dem langjährigen Niveau. Das ergibt eine Befragung, die Infratest dimap regelmäßig im Auftrag des WDR durchführt. Demnach sind 19 Prozent der Befragten dem rechten Spektrum zuzuordnen, dabei gelten 7 Prozent als rechtsextrem, 12 Prozent als ausgeprägt rechts eingestellt.
Gegenüber dem Vorjahr gibt es in der Befragung zwar einen leichten Anstieg, die Veränderungen liegen aber im statistischen Schwankungsbereich. In der Erhebung 2025 wurden 17 Prozent zum rechten Spektrum gezählt, 2023 waren es 22 Prozent. Auch im langjährigen Vergleich gibt es keine relevanten Veränderungen: In der ersten Befragung 2016 wurden ebenfalls 22 Prozent gemessen.
Rechtsextremismus im Zehnjahresvergleich rückläufig
In den vergangenen zehn Jahren haben sich rechtsextremistische Einstellungen in der Wahlbevölkerung also nicht ausgeweitet, sondern tendenziell etwas verringert. Dieser Befund ist überraschend, weil zugleich rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten zugenommen haben und in der Politik Rechtsextremismus deutlich sichtbarer geworden ist. Fünf Landesverbände der AfD sind von den jeweiligen Verfassungsschutzämtern als “gesichert rechtsextremistisch” eingestuft und zugleich in den jeweiligen Parlamenten vertreten.
Tatsächlich zeigen auch die Untersuchungen, dass es der AfD vor allem zwischen 2016 und 2023 gelungen ist, einen erheblichen Teil des rechtsextremen Wählerpotenzials zu binden. Aktuell sind 40 Prozent der AfD-Anhänger dem rechten Spektrum zuzuordnen – 18 Prozent als rechtsextrem und 22 Prozent als ausgeprägt rechts. Etwa die Hälfte der Wählerinnen und Wähler im rechten Spektrum fühlt sich gegenwärtig bei der AfD politisch zu Hause.
Über den Zehnjahreszeitraum der Umfragen gibt es auffällige Verschiebungen innerhalb der erfragten Kategorien. Ausländerfeindlichkeit ist von 19 auf 23 Prozent angestiegen – maßgeblich hierfür ist die Zustimmung zum Statement “Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken”. Auch die Zustimmung zu einer Diktatur (“Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert.”) ist gewachsen – von 16 auf 20 Prozent.
Wie funktioniert die Umfrage?
Für die aktuelle Umfrage wurden vom 02. bis 04. Februar 1.319 Wahlberechtigte in Deutschland befragt. Infratest Dimap verwendet eine in der Politikwissenschaft anerkannte Befragungsmethode, die auch von anderen wissenschaftlichen Instituten genutzt wird. Den Befragten werden sechs Statements zur Bewertung vorgelegt. Sie bilden die Kategorien Ausländerfeindlichkeit, Zustimmung zur Diktatur, Sozialdarwinismus, deutscher Chauvinismus, Verharmlosung des Nationalsozialismus und Antisemitismus ab. Bei sehr starker Zustimmung werden die Befragten als rechtsextrem eingeordnet, bei starker Zustimmung als ausgeprägt rechts. Da die Umfragen immer nach der gleichen Methodik durchgeführt und ausgewertet werden, liegt der Wert der Untersuchung vor allem in den langjährigen Vergleichsmöglichkeiten.
Rückgang bei Antisemitismus
Sehr starken Rückgang gibt es bei Chauvinismus und Sozialdarwinismus. Der Aussage “Andere Völker mögen Wichtiges vollbracht haben, an deutsche Leistungen reicht das aber nicht heran” stimmen aktuell noch 18 Prozent der Befragten zu (-7). Noch deutlicher ist der Rückgang bei der Formulierung “Es gibt wertvolles und unwertes Leben”. Diese Ansicht teilen nur noch 14 Prozent (-9).
Angesichts steigender Zahlen von antisemitischen Straftaten in Deutschland mag der gemessene Rückgang des Antisemitismus von 2016 zu 2026 zunächst überraschen. Die Aussage “Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß” unterstützen noch 10 Prozent (-4). Hier ist allerdings zu beachten, dass die Befragung sich ausschließlich an deutsche Staatsbürger richtet. Gleichzeitig gilt, dass der größte Teil der registrierten antisemitischen Straftaten laut aktuellstem Bericht des Bundeskriminalamtes zwar von “rechts” ausgehe, der Phänomenbereich “ausländische Ideologie” aber zunehmend an Bedeutung gewinne.
Ansichten in Ost und West ähnlich
Die Befragten in den ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern verhalten sich bei den meisten Kategorien ähnlich, deutliche Unterschiede gibt es allein bei der Messung der Ausländerfeindlichkeit. Der genannten Aussage zu diesem Thema stimmen im Osten 34 Prozent zu, im Westen 21 Prozent.
Infratest dimap hat seit 2024 entsprechende Befragungen auch in den Bundesländern durchgeführt, in denen Landtagswahlen anstanden. In der aktuellen Befragung für Baden-Württemberg im Auftrag von WDR und SWR ergab sich ein unterdurchschnittlicher Wert. Hier sind gegenwärtig 15 Prozent dem rechten Spektrum zuzuordnen (7 Prozent rechtsextrem, 8 Prozent ausgeprägt rechts). Der bisher höchste Wert wurde 2024 in Thüringen mit 26 Prozent gemessen (12 Prozent rechtsextrem und 14 Prozent ausgeprägt rechts).

