Marktbericht: Börsen bleiben weltweit im Krisenmodus

Marktbericht: Börsen bleiben weltweit im Krisenmodus

Händler an der New Yorker Börse.


marktbericht

Stand: 06.03.2026 • 18:22 Uhr

Die Ölpreise steigen, und die Börsen fallen: Was schon am Montag begann, hat sich bis zum Ende dieser turbulenten Handelswoche durchgezogen. Der DAX steht mit einem deutlichen Wochenminus da.

Für den deutschen Leitindex geht eine turbulente Woche zu Ende. Nach einem Erholungsversuch am Vormittag hat der DAX den heutigen Handelstag nun doch mit einem Minus abgeschlossen. Am Ende steht er bei 23.591 Punkten – ein Tagesverlust von 0,9 Prozent.

Auf Wochensicht hat er nun rund sieben Prozent verloren, und er schaffte es auch nicht zurück über die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Punkten. Der Krieg bleibt das beherrschende Thema, dass Anleger nervös macht. “Der Konflikt dauert weiterhin an, und es gibt keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass eine bedeutende Deeskalation eingesetzt hat”, sagt Marktanalyst Fawad Razaqzada vom Broker StoneX.

Wenig zur Beruhigung dürfte beitragen, dass US-Präsident Donald Trump kein Abkommen mit dem Land abschließen will. Stattdessen müsse es auf eine “bedingungslose Kapitulation” hinauslaufen, forderte er heute auf seiner Plattform Truth Social.

Ob es dazu jedoch – wenn überhaupt – zeitnah kommen könnte, lässt sich durchaus in Frage stellen. Irans Kampfkraft ist zwar nach US-Einschätzung erheblich geschwächt – dennoch weitet Teheran den Krieg im gesamten Nahen Osten weiter aus.

Vor dem Hintergrund weiterer Eskalationen ist auch der Öl-Preis heute weiter gestiegen. Ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent kostete heute zeitweise über 92 Dollar – ein Anstieg um mehr als neun Prozent seit Handelsbeginn und der höchste Stand seit April 2024. Die US-Sorte WTI legte noch stärker zu – auch über 90 Dollar zu.

Zuvor hatten die Behörden im Nordirak einen Angriff auf ein von der US-Firma HKN Energy betriebenes Ölfeld gemeldet. Die Produktion sei daraufhin eingestellt worden, hieß es. Zudem ist die Straße von Hormus weiterhin de facto gesperrt. “Jeder Tag, der ohne Wiederaufnahme der Lieferungen verstreicht, veranlasst den Ölmarkt dazu, das verlorene Angebotsvolumen nach oben zu korrigieren”, erklärten Analysten der ING-Bank.

In einem Interview mit der Financial Times hat Katars Energieminister Saad al-Kaabi heute vor schwerwiegenden Folgen des Kriegs für Öllieferungen aus der Region gewarnt. Es sei zu befürchten, dass alle Förderstaaten am Persischen Golf ihre Produktion innerhalb weniger Wochen einstellen könnten. Dann ist nach Einschätzung des Ministers ein Anstieg des Ölpreises bis auf 150 US-Dollar möglich.

Anlegerinnen und Anleger hoffen nun auf Maßnahmen der US-Regierung, um den Ölpreisanstieg zu begrenzen. Die Frage ist, ob dieses Ziel erreicht werden kann: Der von Trump in Aussicht gestellte Geleitschutz der US-Marine sowie Versicherungsschutz, um einen möglichst reibungslosen Schiffsverkehr im Nadelöhr von Hormus zu erreichen, klängen gut, so Robert Halver, Marktexperte bei der Baader Bank. Bei Reedereien und am Ölmarkt stoßen sie aber auf Skepsis. Entscheidend sei eine vollständige militärische Deeskalation.

Insbesondere asiatische Länder sind von Öl- und Gasimporten aus der Golfregion abhängig, etwa Indien. Die Rohölvorräte dort decken nur etwa 25 Tage der Nachfrage. Die USA haben indischen Raffinerieunternehmen deshalb nun erlaubt, für einen begrenzten Zeitraum russisches Öl zu kaufen – nachdem Indien erst im Januar begonnen hatte, die Einkäufe aus Russland zu reduzieren. Damit wollte die Regierung in Neu-Delhi US-Strafzölle von 25 Prozent vermeiden und ein vorläufiges Handelsabkommen mit den USA sichern.

In den USA blicken die Börsen derweil auch auf heute veröffentlichte Arbeitsmarktdaten, die überraschend schlecht ausfielen. Unter dem Strich gingen 92.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft verloren – deutlich mehr als Analysten angesichts der Kältewelle und Streikaktionen erwartet hatten. Sie waren von einem Stellenaufbau in Höhe von 59.000 ausgegangen. Getrübt wurde das Bild auch durch einen überraschenden Anstieg der Arbeitslosenquote im Februar auf 4,4 Prozent, nach 4,3 Prozent im Januar.

“Auch unter Ausklammerung dieses Sondereffekts stellt der Arbeitsmarktbericht eine Enttäuschung dar”, betont Dirk Chlench von der LBBW. Ähnlich äußert sich Tobias Basse von der NordLB: “Auch die Arbeitslosenquote liefert im Februar keine erfreulichen Signale. Mit diesen Angaben hat sich der Handlungsdruck bei der US-Notenbank sicherlich erhöht.” Für die Federal Reserve, die stabile Preise sichern und Vollbeschäftigung fördern soll, dürften die enttäuschend ausgefallenen Daten ein Alarmzeichen sein.

Der Arbeitsmarktbericht hat die bereits schlechte Stimmung an der Wall Street heute denn auch weiter eingetrübt – gemeinsam mit den weiter steigenden Ölpreisen. Der Dow Jones notierte zur Eröffnung fast zwei Prozent tiefer bei 47.063 Punkten. Im Wochenverlauf bedeutet das ein Minus von etwas mehr als drei Prozent. Der breiter gefasste S&P 500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq verloren jeweils rund 1,5 Prozent auf 6.727 und 22.468 Zähler.

Die Ängste vor Energieengpässen mit steigenden Preisen und neuen Inflationswellen dürften die Anleger auch in der neuen Woche begleiten. Am Mittwoch werden Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise für Deutschland und die USA veröffentlicht. Am Freitag blicken die Investoren dann auf die Veröffentlichung des Preisindexes für die persönlichen Konsumausgaben – dem bevorzugten Inflationsindikator der Federal Reserve.

Im Angesicht das andauernden Krieges im Nahen Osten flüchten sich die Anleger in den als krisensicher geltenden Dollar. Der Euro ist im Gegenzug weiter gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1561 Dollar fest.

Die Lufthansa ist nach einem Krisenjahr bei der Ergebnis-Verbesserung 2025 dank eines stabileren Flugbetriebs vorangekommen. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg um 19 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro. Der Umsatz klettert um fünf Prozent auf 39,6 Milliarden Euro – das ist der größte Umsatz in der Geschichte.

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