Krieg gegen Iran – Könnte den USA die Munition ausgehen?

Krieg gegen Iran – Könnte den USA die Munition ausgehen?

Auf diesem von der Marine der USA zur Verfügung gestellten Bild entladen Matrosen des U-Boot-Tenders USS Emory S. Land (AS 39), Abteilung Waffenhandhabung, eine Tomahawk-Rakete vom Schnellangriffs-U-Boot USS Asheville (SSN 758) der Los Angeles-Klasse.

Stand: 06.03.2026 • 06:06 Uhr

US-Präsident Trump behauptet, die USA könnten den Krieg gegen den Iran so lange fortführen wie nötig. Aber es gibt Warnungen vor Waffen- und Munitionsknappheit. Denn Trump führt ja nicht nur Krieg gegen den Iran

Nina Barth

Bloomberg, The Atlantic, die Washington Post – seit Tagen wird in den USA darüber spekuliert, wie viel Munition die USA eigentlich noch haben. Wie lange sie den Krieg gegen Iran fortführen können. Das Wall Street Journal titelte: “Die USA beeilen sich, die Iran-Mission zu erfüllen, bevor die Munition ausgeht”.

US-Präsident Donald Trump sagt, erste Zeitpläne für den Krieg seien von vier bis fünf Wochen ausgegangen, “aber wir sind in der Lage, viel länger zu kämpfen”. Und auch Verteidigungsminister Pete Hegseth behauptet: “Wir können diesen Kampf problemlos so lange fortführen wie nötig.”

Gleich sieben militärische Konflikte

Dagegen warnt zum Beispiel der demokratische Senator Mark Warner, wenn man die Menge an Munition, die die USA im vergangenen Jahr für Angriffe gegen die Huthis verbraucht hätten zusammenrechne mit der Munition für die sieben verschiedenen militärischen Konflikte, in die der Präsident die Vereinigten Staaten verwickelt habe, dann sei doch klar: “Unser Munitionsvorrat ist nur noch gering.”

Vor allem Abwehrraketen wie die Patriot-Systeme könnten knapp werden oder Offensivwaffen wie die Tomahawk-Marschflugkörper. Trotzdem könnten die USA noch lange weiterkämpfen, sagt die Politikwissenschaftlerin und Verteidigungsexpertin Jennifer Kavanagh von der Denkfabrik “Defense Priorities” im ARD-Interview. Es sei richtig, die USA hätten nur einen begrenzten Vorrat an modernsten Präzisionswaffen und Luftabwehr-Raketen. Aber sie hätten große Vorräte an etwas weniger fortschrittlichen Offensivwaffen und Luftabwehr-Raketen. “Die USA können ziemlich lange kämpfen”, so Kavanagh.

Hat die Ukraine den Schaden?

Aber für die Ukraine könnte der Iran-Krieg Folgen haben, vor allem was Waffenlieferungen angeht. Da die USA nun diese Patriot-Raketen und andere Arten von Luftabwehr-Raketen selbst einsetzten, werde die Zahl für die Ukraine wohl sinken. Dazu komme, dass die Golfstaaten wegen der Angriffe Irans auch Alarm schlagen aus Sorge, ihre zivile Infrastruktur nicht mehr ausreichend schützen zu können. Die USA würden diese Anfragen wahrscheinlich höher priorisieren als die der Ukraine, so Kavanagh.

Die Folgen für die Lieferungen von US-Waffen an die Ukraine dürften maßgeblich davon abhängen, wie lange der Krieg gegen Iran tatsächlich dauert. Militärexpertin Kavanagh geht nicht davon aus, dass es unmittelbar zu Kürzungen für die Ukraine kommt. Es werde wohl nicht in der kommenden Woche passieren. “Aber sollte der Krieg aber länger als einen Monat dauern, könnte das ab April Auswirkungen vor allem auf die Lieferungen von Patriot-Raketen an die Ukraine haben”, ist sie sich sicher.

Noch sechs Monate Krieg?

Das Nachrichtenmagazin Politico berichtet, das US-Zentralkommando habe das Verteidigungsministerium aufgefordert, mehr Personal in sein Hauptquartier in Tampa, Florida, zu entsenden, um Operationen gegen Iran für mindestens 100 Tage – wahrscheinlich jedoch bis September – zu unterstützen. Das wären noch sechs Monate.

Weniger Abwehrraketen aus den USA würden bedeuten, die Ukraine werde ihre kritische Infrastruktur nicht mehr so gut schützen können, analysiert Kavanagh. Das bedeute aber nicht zwangsläufig eine Wendung in dem russischen Angriffskrieg zu Ungunsten der Ukraine. Denn bei Angriffswaffen setze das Land vor allem auf Drohnen aus eigener Produktion.

Für weitere Konflikte könnte die Munition fehlen

Was die Verteidigungsexpertin vor allem befürchtet, sind die langfristigen Folgen des Iran-Krieges. Kavanagh sieht die strategische Flexibilität der USA in Gefahr. Nach dem Krieg hätten die Vereinigten Staaten einen Mangel an bestimmten Munitionsarten, vor allem den modernsten. Die, die beispielsweise für einen Konflikt zwischen Taiwan und China am wichtigsten wären. “Die USA könnten damit konfrontiert sein, dass es nicht mehr darum geht, ob sie Taiwan verteidigen sollten, sondern ob sie Taiwan verteidigen könnten. Die Antwort könnte Nein sein”, so Kavanagh.

Für heute sind die Chefs der größten Rüstungsunternehmen ins Weiße Haus eingeladen. Bei dem Treffen soll es um das Ankurbeln der Waffenproduktion gehen.

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