ARD-DeutschlandTrend: Mehrheit lehnt Angriff auf Iran ab

ARD-DeutschlandTrend: Mehrheit lehnt Angriff auf Iran ab

DeutschlandTrend

Stand: 05.03.2026 • 18:01 Uhr

Den Angriff der USA und Israels auf Iran bewerten 58 Prozent als nicht gerechtfertigt. Die Sorge um eine Ausweitung des Krieges ist groß. In der Sonntagsfrage gewinnt die Union zwei Punkte.

Claudia Müller

Der Militäreinsatz der USA und Israels gegen das iranische Mullah-Regime stößt in Deutschland mehrheitlich auf Ablehnung. 58 Prozent der Deutschen sehen den Angriff als nicht gerechtfertigt an, 25 Prozent hingegen schon. Das hat eine repräsentative Umfrage von infratest dimap unter 1.317 Wahlberechtigten für den ARD-DeutschlandTrend von Montag bis Mittwoch dieser Woche ergeben.

Damit erfährt das Vorgehen gegen Iran weniger Ablehnung als die US-Intervention Anfang des Jahres in Venezuela. Die Militäraktion, bei der die USA den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang Januar gefangen genommen hatten, stuften damals 72 Prozent der Deutschen als nicht gerechtfertigt ein, 12 Prozent als gerechtfertigt. Und noch ein Vergleich: Im März 2003 waren die USA und Großbritannien in den Irak einmarschiert. Im April 2003 hatten 80 Prozent der Deutschen die Invasion als nicht gerechtfertigt bewertet und 14 Prozent als gerechtfertigt.

Außenpolitische Lage als bedrohlicher wahrgenommen

Die Deutschen blicken mehrheitlich sorgenvoll auf die politische Lage in der Welt. Rund drei Viertel (77 Prozent) schätzen diese für die Menschen in Deutschland als sehr bedrohlich oder bedrohlich ein. Dieses Empfinden dominiert bei den Anhängerschaften aller im Bundestag vertretenen Parteien. Erkennbar ist zudem ein deutlicher Zuwachs zu Anfang Februar 2022, als diese Frage zum bislang letzten Mal im ARD-DeutschlandTrend gestellt wurde. Wenige Wochen bevor Russlands Vollinvasion in die Ukraine begann, hatte eine knappe Mehrheit (54 Prozent) die politische Lage in der Welt für Deutschland als bedrohlich empfunden.

Die Sorge, dass in der Weltpolitik zunehmend das Recht des Stärkeren gilt, treibt mittlerweile 85 Prozent der Deutschen um – noch einmal plus vier Prozentpunkte im Vergleich zum Januar. Zudem äußern 80 Prozent die Sorge, aufgrund des Iran-Krieges könnte der internationale Handel, unter anderem mit Öl massiv beeinträchtigt werden. Mögliche Folgen spüren die Menschen in Deutschland in dieser Woche unter anderem an den Tankstellen, wo die Benzinpreise über die Zwei-Euro-Marke geschossen sind.

Drei Viertel haben Sorge, der Iran-Krieg könnte auf noch mehr Länder übergreifen. Auch um die Menschen in Iran sorgen sich 71 Prozent der Deutschen. Zwei Drittel sorgen sich um die Sicherheit in Europa. Etwas in den Hintergrund rückt in dieser aktuellen Lage die Sorge vor einer Ausweitung des Krieges gegen die Ukraine: Aktuell 55 Prozent sind in Sorge, dass Russland weitere Länder in Europa angreift.

Geringes Vertrauen in USA und Russland

Das Vertrauen der Deutschen in Russland als auch in die USA bewegt sich weiter auf niedrigem Niveau: Unverändert zu Januar bewerten lediglich 15 Prozent die USA als verlässlichen Partner Deutschlands, Russland stufen 12 Prozent als vertrauenswürdig ein.

Am kritischsten blicken Anhänger von Grünen und Union auf Russland. Auch unter den AfD-Anhängern dominiert ein kritischer Blick. Aber: Immerhin 36 Prozent der AfD-Anhänger halten Russland für einen vertrauenswürdigen Partner. Etwa genauso viele AfD-Anhänger (37 Prozent) vertrauen dem Partner USA – damit haben sie ein besseres Bild von den USA als alle anderen Partei-Anhänger, wenngleich auch sie mehrheitlich kritisch auf das Land blicken. Am kritischsten ist der Blick auf die USA bei Anhängern der Grünen und der Linken.

Jeder sechste Deutsche (17 Prozent) betrachtet Israel als einen Partner für Deutschland, dem man vertrauen kann. Am kritischsten äußern sich gegenüber Israel die Anhänger der Linken: Nur sechs Prozent sehen Israel als vertrauenswürdigen Partner. Frankreich und Großbritannien gelten mehrheitlich als verlässliche Partner. Das Urteil zur Ukraine bleibt gespalten: Vier von zehn Befragten vertrauen dem Land, knapp die Hälfte hat Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit des Landes.

Union gewinnt in der Sonntagsfrage

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die Union auf 28 Prozent – das sind zwei Prozentpunkte mehr als Anfang Februar. Die AfD hätte 23 Prozent in Aussicht (-1). Die SPD verschlechtert sich auf 14 Prozent (-1). Die Grünen wären bei 13 Prozent (+1), die Linke bei neun Prozent (-1), das BSW läge bei vier Prozent (+1). Alle anderen Parteien, darunter auch die FDP, kommen derzeit zusammen auf neun Prozent (-1). Letztmals so schwach war die FDP im ARD-DeutschlandTrend im Dezember 2014.

Regierungszufriedenheit etwas gestiegen

Die Deutschen blicken positiver auf die Arbeit der Regierung als noch im Februar. Aktuell stellen 25 Prozent der Koalition aus Union und SPD ein positives Zeugnis aus – vier Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Eine deutliche Mehrheit ist jedoch weiterhin skeptisch.

Das Bild bleibt kritisch – auch wenn man die Deutschen zu einzelnen Aspekten der Regierungsarbeit befragt. Im Vergleich zur Ampel-Regierung zeigen sich ein paar Unterschiede: Mit dem Umgang der Koalitionäre untereinander sind bei der aktuellen Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz 19 Prozent der Befragten sehr zufrieden oder zufrieden, während 76 Prozent den Umgang kritisch einstufen. In diesem Bereich gab es an der Ampel im Mai 2024 mehr Kritik: Lediglich zehn Prozent waren damals zufrieden mit dem Miteinander; 85 Prozent waren unzufrieden.

Was die Koalition aus Union und SPD bislang inhaltlich auf den Weg gebracht hat, überzeugt 18 Prozent, aber 79 Prozent sind unzufrieden. Auf diesem inhaltlichen Feld konnte die Ampel etwas mehr überzeugen: 25 Prozent waren damals damit zufrieden, 71 Prozent unzufrieden.

In puncto Kommunikation und Vermittlung ihrer Politik liegen die aktuelle Koalition und die Vorgängerregierung bei der Bewertung am engsten zusammen. Damit überzeugt die aktuelle Regierung 16 Prozent, während 82 Prozent nicht zufrieden sind. Im Mai 2024 waren 11 Prozent zufrieden damit, wie die Ampelkoalition ihre Politik den Bürgerinnen und Bürgern erklärte und vermittelte, 85 Prozent waren es nicht.

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Erhebungsmethode: Zufallsbasierte Online- und Telefon-Befragung (davon 60 Prozent Festnetz, 40 Prozent Mobilfunk)
Erhebungszeitraum: 2. bis 4. März 2026
Fallzahl: 1.317 Befragte (785 Telefoninterviews und 532 Online-Interviews)
Gewichtung: nach soziodemographischen Merkmalen und Rückerinnerung Wahlverhalten
Schwankungsbreite: 2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent, 3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent
Durchführendes Institut: infratest dimap

Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle einer Erhebung mit 1.000 Befragten bei großen Parteien rund drei Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa einen Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird keine Partei unter drei Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.

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