Marktbericht: DHL-Aktien nach Bilanz auf Tauchstation

Marktbericht: DHL-Aktien nach Bilanz auf Tauchstation

Ein DHL-Flugzeug wird im Hangar am Flughafen Leipzig/Halle gewartet

Stand: 05.03.2026 • 13:52 Uhr

Die Aktien von DHL gehören heute zu den größten Verlieren im DAX. Damit reagierten die Anleger auf einen von geopolitischer Unsicherheit geprägten Ausblick – an einem für den DAX sonst eher erfreulichen Tag.

Die DHL Group hofft auch im laufenden Jahr auf eine Erholung der Weltwirtschaft. Es gebe vor allem in der Geopolitik sehr viele Variablen und Unsicherheiten, sagte Konzernchef Tobias Meyer heute: “Die Volatilität der Weltwirtschaft wird uns auch im Jahr 2026 begleiten.” Vor allem die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump bremse “den Handel auf Routen in die USA, aber auch den US-Export”, hatte Meyer schon im vergangenen Jahr beklagt.

Der Zollkonflikt hinterließ zuletzt Spuren in den Büchern der Bonner: “Der globale Speditionsmarkt war im Jahr 2025 geprägt von anhaltenden geopolitischen Konflikten und zunehmender Unsicherheit in Bezug auf Zölle”, hieß es.

Aktionäre sollen höhere Dividende erhalten

Das zeigte sich etwa daran, dass der Umsatz in der größten Sparte Express schrumpfte – DHL begründete dies mit einem geringen Sendungsvolumen in die USA. Auch im internationalen Frachtgeschäft brachen Umsatz und Gewinn ein. Hier bekam DHL die niedrigen Preise für Frachttransporte zu spüren, sowie die schwache Konjunktur Im Geschäft mit über Land transportierten Containern.

Meyer verwies darauf, dass der Geschäftsbereich heute “deutlich profitabler” sei als vor der Pandemie, und dass das Geschäftsmodell durch den geringen Kapitaleinsatz sehr attraktiv sei. Es sei hart daran gearbeitet worden, die Strukturen zu verbessern. Gleichzeitig wuchs das deutsche Brief- und Paketgeschäft 2025, verfehlte die Erwartungen am Markt jedoch leicht.

Insgesamt sank der Umsatz 2025 um 1,6 Prozent auf 82,9 Milliarden Euro, der operative Gewinn (Ebit) legte dagegen dank der Einsparungen um 3,7 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro zu. Der an der Börse viel beachtete freie Barmittelzufluss fiel 2025 mit 3,2 Milliarden Euro höher aus als von Analysten geschätzt. Unterm Strich entfielen auf die Aktionäre 2025 mit 3,5 Milliarden Euro gut fünf Prozent mehr Gewinn als ein Jahr zuvor, und sie sollen je Aktie 1,90 Euro Dividende erhalten, nach 1,85 Euro im Jahr zuvor.

Konzern will 2026 mehr operativen Gewinn

Im laufenden Jahr kommen – zusätzlich zu den Zollunsicherheiten – auch noch die Folgen des Konflikts mit dem Iran auf die Logistiker zu. Konkurrent Kühne+Nagel etwa rechnet durch den Konflikt in Nahost mit Verschiebungen im globalen Warenhandel.

In der aktuellen Prognose für 2026 hat DHL das zwar noch nicht berücksichtigt. Konzernchef Tobias Meyer, dessen Vertrag der Aufsichtsrat bereits bis März 2031 verlängert hatte, zeigte sich aber optimistisch, die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs mit Iran bewältigen zu können. DHL sei stark in der Region vertreten und verfüge dort über ein eng geknüpftes Verteilnetz, sagte Meyer. Damit könne der Konzern Warenströme flexibel steuern.

Insgesamt fällt die Prognose für 2026 zurückhaltend aus: Im kommenden Jahr will DHL ein operatives Ergebnis von über 6,2 Milliarden Euro erzielen – das ist im schlechtesten Fall nur ein kleines Plus im Vergleich zu 2025. Die vom Unternehmen befragten Analysten hatten hingegen im Schnitt mit knapp 6,4 Milliarden Euro gerechnet. Meyer betonte: “Unsere Prognose kalkuliert explizit keine Verbesserung des weltwirtschaftlichen Umfelds ein.”

Aktie fällt ans DAX-Ende

Das kam an der Börse nicht gut an. Die im DAX notierte Aktie rutschte zeitweise ans untere Index-Ende, verlor kurz nach Handelsbeginn über fünf Prozent und fiel auf das tiefste Niveau seit Dezember. Zuletzt notierte sie bei einem Minus von knapp drei Prozent.

DHL sei beim Ausblick nicht so aggressiv gewesen wie erhofft, notierte der Jefferies-Experte Michael Aspinall. Positiv wurde in Analystenstudien angemerkt, dass 2025 mit 600 Millionen Euro mehr Kosten eingespart worden seien, als ursprünglich in Aussicht gestellt worden war. Dies bedeute aber auch, dass für 2026 weniger Potenzial bleibe, merkte der Barclays-Experte Marco Limite an.

8.000 Stellen abgebaut

DHL-Chef Meyer hatte schon Anfang 2025 den Rotstift angesetzt. In der Brief- und Paketsparte in Deutschland fielen 8.000 Stellen oder rund vier Prozent der gut 190.000 Arbeitsplätze weg. Das Ziel sei durch “natürliche Fluktuation” erreicht worden, hatte der DHL-Chef gesagt.

Aber auch an anderer Stelle strich DHL Jobs: Der Konzern beschäftigte Ende 2025 noch knapp 584.000 Menschen – im Jahr zuvor waren es rund 601.000. Insgesamt will DHL die Kosten konzernweit bis 2027 um mehr als eine Milliarde Euro drücken.

“Insgesamt sehe ich uns für 2026 sehr gut aufgestellt”, sagte Meyer. Der Manager war im Mai 2023 an die Konzernspitze gerückt. Jetzt liege der Fokus darauf, Marktanteile zu gewinnen und die Fähigkeiten auch in Spezialsegmenten weiter zu verbessern”, sagte Meyer. “Das bringt dann auch die Wende beim Ergebniswachstum.”

Erster Iran-Schreck im DAX verdaut

Nach anfänglichen Verlusten ist der deutsche Aktienmarkt heute ins Plus gedreht. Der Leitindex DAX notierte gegen Mittag mit 0,3 Prozent im Plus bei 24.287 Zählern. Die Bewegung ging einher mit den Preisen für Öl und Gas, die ihre anfänglichen Gewinne im Handelsverlauf großteils wieder abgaben.

Doch Skepsis und Vorsicht sind unverändert groß. “Die Energiepreise sind gestiegen und die physischen Lieferungen unterbrochen”, schrieb Analyst Felix-Antoine Vezina-Poirier vom Analysehaus BCA Research. Sollte die Inflation infolge des Kriegs im Nahen Osten und damit einhergehenden höheren Energiepreisen dauerhaft steigen, sollten Anleger in Aktien und Anleihen untergewichtet sein. Cash und Rohstoffe seien in diesem Fall die Alternativen.

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