Von 37 Sitzen im Tesla-Betriebsrat hat die IG Metall 13 errungen. Die Liste Giga United darf damit erneut den Vorsatz stellen. Im Gegensatz zu anderen Autofabriken in Deutschland hat die IG Metall wenig Macht.
Die IG Metall hat bei den Betriebsratswahlen der Tesla-Gigafactory in Grünheide erneut eine Niederlage kassiert. Von 37 Sitzen hat die Gewerkschaft 13 errungen. Die Liste Giga United, ein Bündnis zahlreicher Gruppierungen, darf erneut den Betriebsratsvorsitz stellen.
Hinter den rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Fabrik liegen harte Wochen der internen Kämpfe. Die sich zuspitzten, je näher die Betriebsratswahl rückte.
Vergiftete Atmosphäre
Es geht grob gesagt um Pro oder Kontra des Einflusses von Gewerkschaften im Werk. Genauer um die mächtige IG-Metall, die in fast allen Autofabriken Deutschlands eine starke Position hat – bei Tesla aber nicht.
Bei den letzten Betriebsratswahlen vor zwei Jahren gewann zwar die IG-Metall, aber die übrigen Gruppierungen schlossen sich zu einem Bündnis zusammen. So wurde eine Nichtgewerkschafterin zur Vorsitzenden gewählt.
Grundsätzlich ist die Atmosphäre vergiftet. Die Kontrahenten überzogen und überziehen sich mit gegenseitigen Angriffen, auch Gerichte mussten bereits tätig werden. Der Werksleiter von Tesla, André Thierig, vertritt eine strikt antigewerkschaftliche Haltung.
“Wir glauben nicht, dass wir hier am Standort eine Gewerkschaft brauchen, wir sind ohne Gewerkschaft sehr viel schneller unbürokratischer flexibler”, sagte er in die Mikrofone. Und das ist ganz im Sinne des schillernden Tesla-Chefs Elon Musk.
Gespräch zwischen Musk und Thierig
Ein Video machte vor ein paar Tagen die Runde. Da saßen die beiden Männer, Musk und Thierig, in lässiger Haltung mit T-Shirt, Turnschuhen und umgeben von neuen Autos mitten in der Teslafabrik in Texas. Im Laufe des Gesprächs wurden die Visionen für die Gigafabrik immer größer.
Musk erklärte, dass die Batteriezellenproduktion bald startet und hier in naher Zukunft auch noch andere Tesla-Produkte hergestellt werden könnten – wie humanoide Roboter oder Lkw. Das gipfelte in der wohl als kühn zu bezeichnenden Vorhersage, dass in Grünheide und drumherum der größte Industriekomplex Europas entstehen könnte.
Und dann kam das große Aber. Denn Musk meinte einschränkend: “Wenn externe Organisationen die Dinge in die falsche Richtung treiben, dann wäre es schwer zu sagen, dass wir expandieren würden, wenn uns von außen das Leben schwer gemacht wird.” Dann werde man das Werk nicht schließen, aber auch nicht erweitern, fügte der Konzernchef hinzu.
“Große Angst, sich zu bestimmten Dingen zu äußern”
Externe Organisationen? Das bezieht die IG-Metall auf sich. Ihrer Ansicht nach wird mit solchen Äußerungen die Mitarbeiterschaft unter Druck gesetzt. Die Gewerkschaft beklagt, dass ständig Stimmung gemacht wird gegen sie.
“Wir stellen fest, dass es in diesem Betrieb eine große Angst gibt, sich zu bestimmten Dingen zu äußern, die wir so in dieser Form auch lange nicht mehr erlebt haben. Das geht jetzt schon mehrere Jahre so”, kritisierte IG-Metall Bezirksleiter Jan Otto.
Außerdem habe er als Gewerkschafter noch nie ein Management erlebt, das mit all seiner Macht derart versucht habe, die Betriebsratswahl zu beeinflussen wie die Tesla-Geschäftsführung. Am Ende will die IG Metall das erreichen, was in anderen Werken längst Standard ist: unter anderem einen Tarifvertrag.
Werksleiter wirft IG Metall Anti-Tesla-Kampagne vor
Werksleiter Thierig wiederum verweist darauf – kürzlich erst in seinem LinkedIn-Account -, dass Tesla über Tarif zahlt. Er wirft IG-Metall eine Anti-Tesla-Kampagne vor. Aber es gibt auch andere, die Schwierigkeiten haben mit der IG Metall. Offensichtlich treten die Vertreterinnen und Vertreter der Gewerkschaft ziemlich fordernd auf – auch, um sich die starke Position zu erkämpfen, die sie in anderen Autofabriken längst hat.
Die Gründe, warum die IG Metall es erneut nicht geschafft hat, die Mehrheit im Betriebsrat zu bekommen, sind vermutlich vielfältig. Der Drohkulisse durch die Geschäftsleitung könnte einer gewesen sein. Die Aussicht, dass es zu einer Dauerfehde zwischen Management und einer starken Gewerkschaft kommen könnte, war vielleicht auch abschreckend.
Ungeachtet dessen gibt sich die IG-Metall kämpferisch. Man werde weiterhin für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, schreibt sie in der Presseerklärung. “Trotz aller Attacken des Managements” sei man zweitstärkste Kraft geworden.

